Das wichtigste Prinzip, auf das ein Wirtschaftssystem aufbaut, ist die Konkurrenz. Unternehmen stehen miteinander im Wettbewerb und buhlen mit ihren Produkten um die Gunst der Kunden. Das fördert Innovationen und drückt die Preise, wovon im Idealfall eine grosse Zahl von Konsumenten profitiert. Doch was für Konsumenten gut ist, ist naturgemäss schlecht für die Unternehmen und deren Aktionäre.

Mehr Wettbewerb bedeutet weniger Margengewinn, weniger Free Cash-Flow und weniger Umsatz. Für Aktionäre heisst das: geringere Chancen, von steigenden Aktienkursen oder Dividendenausschüttungen profitieren zu können.

Gräben und Wälle

Doch manchen Unternehmen gelingt es, sich dieser Konkurrenz so gut es geht zu entziehen. Sogenannte «Burggräben» sorgen dafür, dass sich das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht einfach so kopieren lässt. Der Begriff Burggraben («Moat») wurde von Warren Buffett bereits in den 1980er-Jahren eingeführt – und «Moat»-Strategien sind längst etabliert (zur Definition). Für Investment-Guru Buffett sind Burggraben-Unternehmen jene Unternehmen, die einen einzigartigen, unkopierbaren Wettbewerbsvorteil haben.

Dieser Vorteil kann im vorhandenen Knowhow der Firma liegen oder in der schieren Unternehmensgrösse, welche Skaleneffekte und eine gewisse Preissetzungsmacht sicherstellen kann. Aber auch etablierte Markenimages, die der Kunde kennt und schätzt, oder schlicht ein gutes Management können Burggräben darstellen. Ein weiteres typisches Merkmal von Burggraben-Firmen: Grosse Konzerne verknüpfen ihre verschiedenen Produktsegmente und erhöhen so die Kosten für die Kunden, die durch einen Wechsel entstehen. 

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Apple Aktienkurs 2014 2019

Kurs der Apple-Aktie in den letzten 5 Jahren.

Quelle: HZ

Ein berühmtes Beispiel hierfür ist etwa Apple, wo Wechselkosten für den Kunden bewusst extrem hoch angesetzt werden. Praktisch alle Produktsegmente sind darauf ausgerichtet, dass es für Kunden überdurchschnittlich teuer ist, sich für einen anderen Anbieter zu entscheiden.

Welche Aktien?

Für Anleger ist sinnvoll und lukrativ, sich langfristig auf solche Burggaben-Aktien zu fokussieren, da diese Unternehmen meist und auf längere Sicht überdurchschnittliche Renditen erzielen. Viele dieser Unternehmen befinden sich in den USA, weil ein Grossteil der international dominierenden Konzerne in der weltweit grössten Volkswirtschaft entstanden ist. Firmen wie Apple, Facebook oder Alphabet (Google) sind Paradebeispiele für Burgraben-Aktien. Ihre Marktstellung ist so mächtig, dass auf absehbare Zeit kein elementarer Rückgang der Geschäfte zu erwarten ist.

Hier eine Auswahl typischer Burggraben-Aktien aus verschiedenen Segmenten, die ihre starke Marktstellung längerfristig halten sollten.

Onlinehandel: Amazon & Alibaba

Wer online etwas bestellt, kommt – je nach Land – meist nicht an Amazon oder Alibaba vorbei. Mit knapp 240 Milliarden Dollar Umsatz ist Amazon der grösste Online-Detailhändler der USA. Durch seine schiere Grösse, die eine Reihe von Skaleneffekten bewirkt, kann Amazon die Preise massiv drücken, was es für potenzielle Wettbewerber ungemein schwierig oder gar unmöglich macht, anzugreifen. Zudem beherrscht Amazon mit einem Marktanteil von 33 Prozent den enorm zukunftsträchtigen Cloud-Services-Markt.

Über Alibaba lässt sich Ähnliches für den asiatischen Markt sagen. Allerdings kommt hier ein weiterer Burggraben hinzu, den es in der westlichen Hemisphäre nicht gibt: Der chinesische Staat steht hinter dem Online-Händler und lässt aus Eigeninteresse kaum Konkurrenten zu.

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Nahrungsmittelindustrie: Kellogg & Nestlé

Kellogg ist seit vielen Jahren weltweit führender Hersteller von Cerealien, Keksen und anderen Lebensmitteln. Der US-Konzern hat ein stark ausgebautes Vertriebsnetz in über 180 Ländern sowie Produktionsstätten in über 20 Ländern. Kellogg schafft es, durch seine stabile Marktstellung stets genug Cash Flow zu generieren, um Investitionen zu tätigen, die in neue, wettbewerbsfähige Produkte münden.

Als grösster Lebensmittelhersteller der Welt ist auch Nestlé geradezu ein Paradebeispiel eines Burgraben-Unternehmens. Der Konzern aus Vevey verfügt über ein Imperium von rund 2000 weltweit bekannten Marken wie Nespresso, Nescafé, Maggi oder Mövenpick. Allein 30 Marken erzielen einen jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Franken. Der Lebensmittel-Multi verkauft seine Produkte in 189 Ländern – also praktisch überall. Durch dieses breite und nur schwer anfechtbare Markenportfolio hat Nestlé einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil.

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Givaudan: Hidden Champion aus Genf

Ein vergleichsweise kleines Unternehmen aus Genf beweist, dass man kein grosser Multi-Konzern sein muss, um sich weltweit eine marktführende Stellung zu erarbeiten. Der Hersteller von Aromen und Riechstoffe Givaudan ist mit einem Marktanteil von 25 Prozent globaler Marktführer in seiner Branche.

Durch sein profitables Geschäft generiert Givuadan reichlich Cash Flow, was dem Unternehmen ermöglicht, strategisch wichtige Zukäufe zu tätigen und so seine starke Markstellung noch weiter auszubauen. So hat das Unternehmen zuletzt im Bereich natürliche Ingredienzien und Aroma- und Würzmixturen wichtige Übernahmen vollzogen und will dies zukünftig weiter tun.

Den Burggraben-Charakter von Givaudan hat auch Bill Gates erkannt. Seit Jahren ist er grösster Einzelaktionär von Givaudan. Der Wertzuwachs der Aktie beträgt seit Ende 2011 rund 300 Prozent.

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Warren Buffett über die Bedeutung von Burggräben («Moats») bei der Generalversammlung von Berkshire Hathaway im Jahr 2000:

«Wir denken, dass dieser Graben und die Fähigkeit, seine Breite und seine Unüberwindbarkeit zu behalten, ein Hauptkriterium für ein grossartiges Unternehmens ist. Und wir sagen den Managern, dass dieser Graben jedes Jahr verbreitert werden sollte. Das heisst nicht unbedingt, dass der Gewinn in jenem Jahr höher sein wird als im letzten Jahr, denn manchmal wird er es nicht sein. Wenn der Graben jedoch jedes Jahr erweitert wird, wird das Unternehmen sehr erfolgreich bleiben. Wenn wir eine Firma sehen, wo der Graben in irgendeiner Weise schwach ist - dann ist das einfach zu riskant. Wir wissen nicht, wie wir das bewerten sollen. Und deshalb lassen wir es. Wir denken, dass alle unsere Unternehmen - oder praktisch alle - verflixt gute Gräben haben.»

«So we think in terms of that moat and the ability to keep its width and its impossibility of being crossed as the primary criterion of a great business. And we tell our managers we want the moat widened every year. That doesn't necessarily mean the profit will be more this year than it was last year because it won't be sometimes. However, if the moat is widened every year, the business will do very well. When we see a moat that's tenuous in any way — it's just too risky. We don't know how to evaluate that. And, therefore, we leave it alone. We think that all of our businesses — or virtually all of our businesses — have pretty darned good moats.»

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