Die Nationalbank zeigt sich offen für den Einsatz von digitalem Zentralbankgeld für die Geschäftstätigkeit von Banken untereinander. Bei der Zusammenarbeit mit der Schweizer Börse SIX prüfe man, ob und in welchem Umfang digitales Zentralbankgeld in neue dezentrale Systeme integriert werden könne, teilte SNB-Präsident Thomas Jordan am Dienstagabend mit. Was bedeutet das? 

Kommt jetzt doch der «Krypto-Franken»?

Nein. Die SNB weicht von ihrer bisherigen Haltung nicht ab. Notenbank-Chef Jordan sagte, die Notenbank prüfe digitales Geld für Banken: Die Banken sollen also untereinander per Blockchain-Technologie geschäften können, um sogenannte Smart Contracts abschliessen zu können – von der Notenbank gestützt. Es soll aber keine staatliche, dezentrale Kryptowährung entstehen.

Eine solche stünde auch Bürgern zur Verfügung, denn jeder könnte auf eine dezentrale Währung zugreifen. Das würde einen Paradigmenwechsel im heutigen Finanzsystem bedeuten, das in zwei Stufen aufgebaut ist: Banken halten Konten bei den Zentralbanken. Personen halten Konten bei den Banken.

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Warum soll es überhaupt einen digitalen Franken geben?

Seit geraumer Zeit wird der Appell an die Zentralbanken lauter, digitale Währungen aufzulegen («Central Bank Digital Currency», CBDC) . Neuer Druck entsteht  durch Facebooks Pläne für seine eigene Digitalwährung Libra. Mit dem Wunsch nach CBDC verbindet sich die Hoffnung, dass Digitalwährungen, die von einer Notenbank gestützt sind, stabiler als der hoch volatile Bitcoin wären. Und dass sich gleichzeitig aber die technologischen Vorteile der Blockchain für Bankprodukte nutzen lassen würden. In der Branche wünschen sich dies viele.

Zum Beispiel plant die Hypothekarbank Lenzburg ein Blockchain-Projekt, das die Abwicklung von Mietkautionskonten vereinfachen würde. Banken-Chefin Marianne Wildi sagte aber im Interview mit «Cash», dass eine staatliche Digitalwährung als Grundlage erforderlich wäre: «Damit wir das erfolgreich umsetzen können, brauchen wir einen digitalen Wert, der nicht so volatil wie der Bitcoin ist, eben den Schweizer Franken.»

Was sind die Risiken?

Viele grosse Zentralbanken bremsen beim staatlich gestützten Digitalgeld aus Sorge um die Finanzmarktstabilität. Für diese müsse das zweistufige System erhalten bleiben. Eine Kryptowährung wie Bitcoin wird allein durch die Technologie selbst kontrolliert, nicht durch eine externe Kontrollbilanz. Alle haben darauf Zugriff. Deutschland hat sich darum bereits 2018 gegen eine staatlich gestützte Digitalwährung entschieden, auch die SNB teilt diese Haltung.

SNB-Chef Thomas Jordan warnte auch vor den Effekten, welche die Facebook-Währung Libra haben könnte:  «Falls sich digitale Zahlungsmittel mit einer Anbindung an Fremdwährungen etablierten sollten, könnte dies die Wirksamkeit unserer Geldpolitik beeinträchtigen».

Facebook und Co. bedrohen die Finanzstabilität

Die potenziellen Folgen der Libra-Ambitionen lesen Sie in dieser Analyse hier.

Welche Länder experimentieren mit Digitalwährungen?

China ist das erste grosse Land, das Anfang September seine Pläne konkretisierte. Demnach solle der digitale Yuan in einem elektronischen Portemonnaie aufbewahrt werden können und per App oder Smartphone für den inländischen Zahlungsverkehr genutzt können werden.  Weit fortgeschritten ist die «E-Krona» der schwedischen Riksbank. Weitere kleine Staaten wie Uruguay, Senegal und Tunesien erproben die staatlichen Kryptowährung. Auch das krisengeschüttelte Venezuela hat eine solche aufgelegt. 

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(me)

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