Seit einigen Tagen ist der Ölpreis mehrheitlich im Sinkflug. Die Opec+-Mitglieder Saudi-Arabien und Russland wollen ab Herbst freiwillige Kürzungen zurücknehmen, womit mehr Öl in den Verkauf kommt. Die beiden Länder erhoffen sich davon zusätzliche Einnahmen. Aktuell steht der Ölpreis mit 80 Dollar pro Barrel deutlich unter dem Jahreshoch von 92 Dollar.

Für die Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz sind das gute Nachrichten. Bereits in den letzten Wochen sei der Benzinpreis leicht, um etwa 3 Rappen gesunken, sagt TCS-Sprecher Marco Wölfli. Im Moment steht er laut dem TCS im Durchschnitt bei 1.89 Franken pro Liter Bleifrei 95. Für den Liter Diesel bezahlt man 1.92 Franken.

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Hohe Spritpreise

Benzin ist damit in diesem Jahr deutlich teurer geworden und hat Diesel beinahe eingeholt. Im Januar kostete Bleifrei 95 noch 1.75 Franken. Diesel kostet nun hingegen nur 1 Rappen mehr als im Januar (1.91).

Im langjährigen Vergleich sind die Benzin- und Dieselpreise zwar hoch, aber weit von den Höchstständen des Sommers 2022 entfernt. Damals stieg der Durchschnittspreis für Bleifrei 95 auf 2.25 Franken an, Diesel stand sogar bei 2.37.

Hochwasser erschwerte den Transport

Der Entscheid der Förderländer habe zur Folge, dass die Preise an den Schweizer Tankstellen in diesen Tagen weiter sinken würden. «Erste Preissenkungen an einigen Tankstellen um 1 Rappen pro Liter, an anderen Tankstellen um 2 Rappen konnten wir bereits feststellen», sagt Wölfli.

Während der niedrige Wasserstand des Rheins im Sommer in den vergangenen Jahren oft den Transportpreis verteuerte, war es in den letzten Tagen das Hochwasser, das die Versorgung erschwerte, sagt eine Shell-Sprecherin. Das könnte zusammen mit dem schwächelnden Franken in diesem Jahr ein Grund sein, weshalb der schon seit Anfang April tendenziell sinkende Ölpreis bisher noch wenig auf die Zapfsäulen durchgeschlagen hat.

Der Franken hat sich stabilisiert

Doch wie teuer werden benzin und Diesel im Sommer, während der grossen Ferien-Reise-Zeit? Mehrere von Blick angefragte Tankstellenbetreiber wollen oder können sich nicht dazu äussern. Gewisse Tendenzen sind aber klar: An der Währungsfront zeichnet sich eine Erholung ab. Der Franken stabilisierte sich zuletzt zum Euro und Dollar. Falls die SNB an ihrer nächsten Sitzung den Leitzins wie erwartet unverändert lässt, spricht das für einen tieferen Benzinpreis im Sommer.

Ob der Rheinpegel auch in diesem Sommer wieder zum Problem wird, ist hingegen offen.

Opec+ versucht, Preis hochzuhalten

Der Ölpreis dürfte dagegen schon bald wieder steigen. Zum einen laufen die Förderkürzungen nur langsam aus und die Opec+ bemüht sich, den Preis hochzuhalten. Zudem rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) für dieses und nächstes Jahr jeweils mit einer Rekordnachfrage.

Dazu kommen saisonale Effekte. Im August und im September werden die Lager für den Winter gefüllt, was den Rohölpreis weiter steigen lässt.

Kaum Ersparnis in den Nachbarländern

In Deutschland, Frankreich und Italien ist Benzin aktuell fast so teuer wie in der Schweiz (1.85 bis 1.88 Franken). Diesel in all diesen Ländern deutlich günstiger, in Deutschland zum Beispiel 1.64 Franken pro Liter.

Nach der Zinssenkung der EZB dürfte ein tieferer Euro zum Dollar den Preis in diesen beliebten Ferienländern tendenziell verteuern.

Gabriel Knupfer
Gabriel KnupferGabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk bei Blick und arbeitet seit zehn Jahren für die Handelszeitung.Mehr erfahren