Leserin Hanna Inauen (Name geändert) staunte nicht schlecht, als sie während einer Asienreise die Abrechnung ihrer Cumulus-Kreditkarte von Cembra etwas genauer anschaute. Für einen Flug, den sie in indonesischen Rupien bezahlt hatte, rechnete ihre Bank einen Frankenbetrag ab, der deutlich über dem lag, was ihr eine Wechselkurs-Website angab.

Berechnungen der HZ belegen: Der von Cembra verrechnete Kurs liegt – inklusive Fremdwährungsgebühren – 6,7 Prozent über dem Devisenmittelkurs dieses Tages.

Ein zweiter Flug, den Inauen einen Tag später in malaysischen Ringgit bezahlte, kostete sie sogar einen Aufschlag von 8,7 Prozent. Und das, obwohl Kartenherausgeberin Cembra laut Kontoauszug nur 1,5 Prozent Fremdwährungsgebühr verlangt.

Die Erklärung: Der Abrechnung zugrunde liegt bereits ein Devisenkurs mit fetten Margen. Margen, die nirgends deklariert werden.

Kreditkarten-Konditionen im Vergleich

Die HZ hat Kartenabrechnungen verschiedener Banken untersucht und die Konditionen verglichen. Das Ergebnis: Mit dem Thema Wechselkurs gehen die Banken höchst unterschiedlich um, und die Spannweite ist riesig. Einige Banken verzichten mittlerweile zwar voll auf Einnahmen aus Wechselkursen, andere verrechnen jedoch noch immer hohe Zuschläge.

Für eine Buchung in Hong-Kong-Dollar verlangte Cembra einen Aufschlag von 7,5 Prozent. Die zeitgleich bei der UBS durchgeführte Zahlung dagegen kostet nur 3,5 Prozent und beim Fintech Transferwise war die Buchung für 0,34 Prozent zu haben. Als Vergleich diente jeweils der Tagesschlusskurs von Bloomberg.

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Das Schweizer Startup Neon verrechnet seit kurzem grundsätzlich keine Devisenzuschläge mehr. Seite Ende Januar verspricht das Zürcher Unternehmen, alle Zahlungen zum Richtkurs von Mastercard abzurechnen, der nur einen kleinen Aufschlag enthält. Der Test bestätigt das: Auf Euro und Hong-Kong-Dollar verlangte Neon zwischen 0,1 und 0,2 Prozent. Nur eine Buchung in thailändischen Baht war mit 1,0 Prozent etwas teurer.

Revolut setzt Banken unter Druck

Neon-Sprecher Julius Kirscheneder sagt, man bemerke «deutliche Effekte» infolge der Abschaffung der Zuschläge. «Sowohl in der Nutzung als auch in den Neukundenzahlen.» Zuletzt wies das Startup, das sein Konto zusammen mit der Hypothekarbank Lenzburg anbietet, 13’000 Kunden aus. Das Konto von Neon ist auf die Bewirtschaftung vom Handy aus ausgerichtet. Die Prepaid-Mastercard gibt Neon selbst heraus, und nicht – wie andere Banken – über eine Kartengesellschaft.

Neon verzichtet nicht ganz freiwillig auf die Einnahmen aus dem Fremdwährungsgeschäft. Als Spielverderber setzte die britische Online-Bank Revolut die Schweizer Banken unter Druck, als sie vor rund zwei Jahren ihr Kreditkarten-Konto auch in der Schweiz und in Franken lancierte. Revolut verzichtet mehrheitlich auf Devisenzuschläge und hat damit innert kürzester Zeit viele Kunden gewonnen. Ende 2019 gaben die Briten an, in der Schweiz 250’000 Kunden zu haben. Die HZ hat auch die Abrechnungen von Revolut über einen längeren Zeitraum beobachtet. Über alle Währungen hinweg verlangte Revolut im Schnitt rund ein halbes Prozent Zuschlag. Euro-Zahlungen kosteten durchschnittlich 0,35 Prozent.

Für die Banken geht es bei den Devisenmargen um viel Geld. Zwar legt kein Kartenherausgeber offen, welcher Anteil seiner Gebühren-Einnahmen aus dem Devisengeschäft stammt. Von der Nationalbank publizierte Zahlen zum Zahlungsverkehr lassen jedoch grobe Schätzungen zu. So kauften Schweizer mit Schweizer Kreditkarten 2019 für 21 Milliarden Franken im Ausland ein.

In den meisten Fällen dürften diese Abrechnungen in der ausländischen Währung erfolgen, da die Banken ihren Kunden empfehlen, nicht auf lokale Umrechnungsdienste zu setzen. Legt man diesem Umsatz eine Marge von vier Prozent zugrunde, kommt man theoretisch auf jährliche Devisenumsätze von mehr als 800 Millionen Franken.

 

Für die Höhe der Gebühren lassen sich keine genauen Regeln erkennen. Zwar legt das Beispiel von Cembra nahe, dass Herausgeber von Karten ohne Jahresgebühren wie bei der «Cumulus-Mastercard» versucht sein könnten, dies durch höhere versteckte Margen zu kompensieren. Abgesehen von Einzelfällen in Exotenwährungen gehört Cembra aber nur zum preislichen Mittelfeld.

Postfinance im Mittelfeld

Dagegen spricht auch, dass die Credit-Suisse-Tochter Swisscard mitunter die teuersten Wechselkurse verbucht – auch bei Karten, die von den Kunden über Paketlösungen bezahlt werden. Gleichzeitig fällt die Postfinance mit guten Wechselkursen auf, obwohl ihre Karte mit 50 Franken pro Jahr nicht zu den teuersten gehört.

Nicht täuschen lassen darf man sich von den ausgewiesenen Gebühren für den Auslandeinsatz von 1,5 bis 2,5 Prozent. So zeigen Beispiele, dass gerade Banken mit tiefen Zuschlägen oft die höchsten versteckten Kursmargen haben. Wie teuer die Abrechnung im Vergleich zu einem margenfreien Kurs war, weiss der Kunde eigentlich nur, wenn er selbst nachrechnet.

Cembra liefert für die Wechselkursaufschläge keine Begründung. «Als Basis stützen wir uns auf Marktquellen wie Interbankenkurse, Kurse der Kreditkarten-Netzwerke sowie unsere internen Risikobewirtschaftungsmassnahmen», sagt Sprecherin Karin Broger. UBS-Sprecherin Anita Greil sagt, es greife zu kurz, lediglich einzelne Dienstleistungen zu vergleichen, «ohne den gesamten Leistungsumfang und die Services zu berücksichtigen». So gehöre bei der UBS auch der «persönliche Kundenservice» zum Angebot, der gerade von Auslandreisenden sehr geschätzt werde. Greil verweist zudem auf die Möglichkeit von Fremdwährungskonten, die Kartenzahlungen in der jeweiligen Währung ohne Wechselkurszuschläge zulasse.

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Swisscard-Sprecher Urs Knapp begründet die Aufschläge zusätzlich mit dem erhöhten Betrugsrisiko, das mit Auslandtransaktionen einher gehe. Dieses Argument verwendet auch Viseca-Sprecher Nicolas Kucera. Auch sei der «operative Aufwand» bei Auslandbuchungen grösser.

Vorsicht geboten ist bei Kursangaben, welche die Banken in ihren Apps oder im E-Banking machen. Zwar erscheint bei einigen Anbietern wie Revolut oder Cornercard schon nach wenigen Sekunden eine definitive Abrechnung. Andere Banken weisen Auslandbuchungen zunächst jedoch nur «provisorisch» mit einem Richtkurs aus. Erst nach ein bis zwei Tagen erscheint dann die – meist teurere – definitive Abrechnung im Kontoauszug

Decken Bonussysteme die Kosten der Kreditkarten?

Kreditkarten haben nicht nur Kosten. Zwar belasten die meisten Banken Gebühren für Fremdwährungstransaktionen oder Bankomatbezüge, einige auch Jahresgebühren. Gleichzeitig «bedanken» sich einzelne Kartenherausgeber mit Cashback-Systemen beim Kunden für den Umsatz. Diese Bonussysteme decken dann, je nach Konsum, einen Teil der anfallenden Kosten. Vermeintlich teure Karten werden so plötzlich attraktiv. 

Die direkte Rechnung ist einfach: Bei einem Umsatzbonus von 0,2 Prozent, wie ihn beispielsweise die Classic-Karten von UBS oder Credit Suisse haben, bezahlt die Bank bei 10'000 Franken Jahresumsatz 20 Franken zurück. Kostet die Karte 100 Franken pro Jahr, bräuchte es folglich einen Jahresumsatz von 50'000 Franken, um die Kartengebühr zu amortisieren.

Keinen Break-even gibt es mit Blick auf die Fremdwährungszuschläge: Da diese wie der Cash-Back prozentual berechnet werden, können sie durch die Bonuszahlungen immer nur teilweise aufgefangen werden. Eine Kreditkarte mit hohen Auslandgebühren wird auch dank Cash-Back nicht kostenlos. Werden allerdings nur wenige Zahlungen in Fremdwährungen abgewickelt, können die Bonus-Zahlungen die versteckten Devisengebühren übersteigen. Als Grundregel gilt: Je mehr Zahlungen im Ausland, desto eher lohnt sich der Griff zu einer Karte von Revolut, Neon oder Transferwise, die alle Karten in Schweizerfranken anbieten.