Die UBS will mit einer Onlineplattform für Privat-Hypotheken ihren Marktanteil am Schweizer Heimatmarkt ausbauen. Die Kunden können damit künftig auf rein digitalem Weg aus Immobilienkrediten von mehreren Anbietern auswählen und auch abschliessen, sagte UBS-Managerin Karin Oertli der Nachrichtenagentur «Reuters». In der Schweiz sind solche Plattformen für Kredite an Privatpersonen bislang noch nicht etabliert - im Unterschied zu anderen Ländern.

Doch zuletzt sind diverse Vermittler in das hierzulande noch neue Geschäft eingestiegen. Auch die grösste Bank des Landes erhofft sich hohe Wachstumsraten und peilt mittelfristig ein Volumen von fünf bis zehn Milliarden Franken auf der Plattform an. Das wäre - gemessen am Gesamtmarkt - ein stattlicher Betrag: Denn Banken erneuern der UBS zufolge in der Schweiz jedes Jahr Kredite im Umfang eines hohen zweistelligen Milliardenbetrags.

Vermittler und neue Kunden

Über die Plattform, die im ersten Halbjahr 2020 an den Start gehen soll, will UBS selbst Kredite vergeben - aber vor allem als Vermittler für andere Banken oder Pensionsversicherungen auftreten, die Kreditnehmer suchen. «Wenn wir den Kredit nicht selber finanzieren, verdienen wir an Gebühren. Diese tragen dazu bei, unsere Erträge zu diversifizieren oder zu erhöhen», sagte Oertli. Zur Höhe der erwarteten Mehreinnahmen machte sie keine Angaben.

Darüber hinaus will die UBS mit der Plattform neue Kunden gewinnen. «Wir können damit Interessenten ansprechen, die sonst gar nicht zu UBS kämen, und so unseren Marktanteil ausbauen», sagte Oertli. Die Managerin ist nach diversen Führungspositionen bei der Grossbank - zuletzt im Asset Management - nun verantwortlich für das operative Geschäft am Heimatmarkt.

Bereits jetzt ist die UBS eine der grössten Hypothekarbanken in der Schweiz und kommt - Wohnimmobilien und kommerziell genutzte Immobilien zusammengenommen - auf einen Anteil von knapp 15 Prozent am Gesamtmarkt von gut einer Billion Franken. Das Hypothekarportfolio in der Schweiz ist die grösste Kreditposition innerhalb der gesamten UBS-Gruppe mit ihren weltweiten Aktivitäten. Andere Institute wie etwa die Schweizer Raiffeisenbanken sind jedoch noch grösser.

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Online-Kredite in Europa verbreitet

In anderen Ländern Europas ist die Vergabe von Krediten im Internet deutlich mehr verbreitet als in der Schweiz: «In England werden heute bereits etwa 70 Prozent der Hypotheken über solche Plattformen im Internet vergeben – in Deutschland sind es etwa 40 Prozent. In der Schweiz ist das Geschäft noch sehr klein, aber ich glaube, dass es massiv zunehmen wird», sagte Oertli. Auch deshalb sei der Bereich interessant für die UBS, die das Feld nicht anderen Banken überlassen wolle, sagte die Managerin.

Die Plattform ist eines von vielen Projekten, die die Bank in ihrem Heimatmarkt angestossen hat, um ihre Prozesse stärker zu digitalisieren. Bis Mitte kommenden Jahres will die UBS darüber hinaus ihre interne Papierpost digitalisieren und damit die Kosten senken. «Es betrifft bis zu 14'000 Mitarbeitende am Standort Schweiz. Allein dieses Projekt wird in einer ersten Phase substantielle Einsparungen bringen», sagte Oertli.

(reuters/mlo)