Was für eine fulminante Rallye! Nach Besprechung Anfang April ging es mit der Aktie von Northern Data wie im Lift nach oben. Drei Monate später hatte sich der Kurs des Betreibers von Rechenzentren für Hochleistungscomputer (HPC) schon verdoppelt. Sogar das Kursziel auf Sicht von ein bis zwei Jahren war damit so gut wie erreicht.

Northern Data vermietet Rechenkapazitäten an Unternehmen und berichtete in den letzten Monaten über mehrere Erfolge und Kooperationen. Inzwischen hat das IT-Unternehmen aus Frankfurt bereits 630 MW Rechenkapazität vermietet und die Ziele wurden deshalb hoch geschraubt. Sollten ursprünglich am Jahresende 300 MW Rechenleistung vermietet sein, so liegt die Latte nun bei 1,0 GW. Daraus könnte Northern Data Umsätze von etwa 400 Millionen Euro erzielen und einen Gewinn von geschätzt etwa 9,0 Euro je Aktie.

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent). Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. Die in diesem Beitrag besprochene Aktie zählt zum Anlageuniversum.

Die Kritik nimmt groteske Züge an

Mittelfristig bis 2023 peilt der Computerbetreiber sogar eine vermietete Rechnerleistung von 3,6 GW an. Der Gewinn je Aktie könnte dann im Bereich von 30 Euro liegen. War die Aktie bis Juli auf extrem guten Weg, so ist der Kurs nun eingebrochen. Innerhalb weniger Tage hat sich Northern Data halbiert.

Auslöser des Kurseinbruchs war eine ausführliche Kommentierung eines Autors auf einer Social Media-Plattform. Der Schreiber wirft Northern Data unter anderem vor, das Unternehmen könne nicht konkurrenzfähig arbeiten, hätte nichts mit Hochleistungsrechnern zu tun und wäre obendrein auch auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung bei Bitcoins abhängig. Bei einem kompletten Rundumschlag nimmt sich der Autor sogar die Kunden vor und bezeichnet diese als die möglicherweise dümmsten Player in der Branche der Kryptowährungen. Die Frage oder auch der Vorwurf des Autors lautet: Warum unterschreibt jemand Verträge mit Laufzeiten von fünf Jahren oder länger?

Solide Kunden

Egal ob das grotesk sein mag oder nicht: Börsianer auf jeden Fall waren geschockt von der Kritik und der Kurs hat sich halbiert. Anleger fragen sich: Ist der Kurseinbruch gerechtfertigt oder bietet sich jetzt eine gute Gelegenheit zum Einstieg? Kritische Börsianer wundern sich, weshalb ein englischsprachiger Autor, noch dazu anonym und auf einer US-Medien-Seite ein Unternehmen mit Sitz und Börsennotiz in Deutschland derart attackiert. Immerhin berichtet Northern Data vor wenigen Tagen, dass das Unternehmen zusammen mit dem Kooperationspartner Gigabyte Technology eine eigene HPC-Dienstleistung erfolgreich entwickelt hat.

Zudem hat der Angriff auf die Kundschaft des Unternehmens mit der Sache eigentlich überhaupt nichts zu tun. Zwei der vier aktuellen Kunden – SBI und GMO sind Milliardenkonzerne und an der Börse in Tokyo gelistet. Der vierte Kunde – Block.One – sammelte vor zwei Jahren im Rahmen eines ICO – das ist die Emission einer eigenen Kryptowährung – 4,2 Milliarden Dollar ein. Also alles solide Unternehmen und keine Gartenzwerge.

Die Halbjahreszahlen im September könnten neue Hochs bringen

Die Vorwürfe sind teils absurd. Aber man wusste schon im alten Rom: Immer hübsch verleumden, etwas bleibt immer hängen. Anleger setzen dennoch jetzt im Kurskeller darauf, dass das Vertrauen der Börsianer in Northern Data mit der Vorlage der Halbjahreszahlen im September zurückkehrt. Dann könnte die Aktie ganz schnell wieder alte Hochs erreichen oder sogar noch höher steigen.

Northern Data AG

ISIN: DE000A0SMU87

Gewinn je Aktie 2021e: 9,0 €

KGV 2020e: 5,7

Dividende/Rendite 2019e: -/-

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EK je Aktie: -

EK-Quote: -

KBV: - 

Kurs/Ziel/Stopp: 51,60/98,50/34,80 €