Laut Analysten und Börsenkennern eröffnen sich an den Aktienmärkten für Kleinanleger jetzt durchaus gute Anlagegelegenheiten, sofern man mit Bedacht und möglichst gestaffelt vorgeht. Doch welche konkreten Titel und Produkte sind die Richtigen? Die «Handelszeitung» hat zwei unabhängige Vermögensberater befragt.

Peter Früh ist geschäftsführender Teilhaber der Vermögensberatung Früh & Partner in Zürich. Von den Schweizer Titeln empfiehlt er die Versicherung Swiss Life. «Das robuste Business-Versicherungsmodell von Swiss Life wird die Corona-Krise gut überstehen», so Früh. Die Aktie sei in Sippenhaft geraten und zu stark abgestraft worden. Zudem rät er zum Technologie-Unternehmen Softwareone. Vertreiber von Microsoft-Lösungen hätten ungebrochene Kundennachfrage rund um den Globus.

Unter den europäischen Aktien schlägt Früh Ubisoft vor, eine der grössten Videospielfirmen weltweit. «Lernplattformen und Computerspiele sind in der aktuellen Situation zusätzlich gefragt.» Zudem steht die Deutsche Post auf seiner Liste. «Nach der Corona-Krise werden Logistiker alle Hände voll zu tun haben», lautet Frühs Begründung.

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Von den amerikanischen Titeln legt Früh den Pharmakonzern Gilead Sciences ins Körbchen. Dieser mische bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 ganz vorne mit. Zudem empfiehlt er Amazon. «Der grösste Logistiker der Welt profitiert wie kein zweites Unternehmen von der globalen Entwicklung hin zum vollkommenen und digitalen Online-Handel.»

Investition in nachhaltige Energie

Bei den Kollektivanlagen rät Früh zum iShares Global Clean Energy ETF, der in neue und nachhaltige Energieträger investiert. «Die Menschheit will und muss nachhaltige Energielösungen suchen und finden.» Früh empfiehlt zudem den Invesco EQQQ Nasdaq 100 ETF. Die Corona-Krise zeige auf, dass die Digitalisierung sich in allen Branchen ausbreite.

Peter Früh Geschäftsführer Früh & Partner: «Swiss Life ist zu stark abgestraft worden.»

Martin Bürki führt in Zürich die Vermögensberatung Martinvestments. Er empfiehlt den Schweizer Aktienfonds Pictet CH Enhanced – Swiss Equities 130/30. Der Fonds könne gemäss der 130/30-Strategie zwischen 70 und 130 Prozent investieren und habe diese Freiheit in den letzten Jahren weise genutzt. Wer auf europäische Aktien setzen will, dem rät Bürki zu Eleva European Selection. «Der Fondsmanager Eric Bendahan bevorzugt Firmen, die von einer Gründerfamilie gehalten werden, über ein eigenständiges Business-Modell verfügen und ein Wachstum von über 15 Prozent aufweisen.»

Solide Wachstumsfirmen

Auf der Einkaufsliste von Bürki ist weiter der Fonds Morgan Stanley Asia Opportunities, der zu 60 Prozent in China investiert. «China war das erste Land, das in die Krise ging, und wird das erste sein, das sich erholt.» Wer einen globalen Fonds will, dem rät Martin Bürki zu Fundsmith Equity Sicav: Der Manager investiere in solide Wachstumsfirmen, die eine Art Burggraben um ihr Unternehmen gebildet hätten und deren Geschäftsmodell nicht einfach kopiert werden könne, wie etwa Visa.

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Martin Bürki Vermögensberater Martinvestements: «China wird das erste Land sein, das sich nach der Krise erholt.»

Unter den Themen-Fonds steht Parvest Disruptive Technologies auf Bürkis Liste. «Neue Geschäftsmodelle, die auf dem Internet basieren und nicht auf traditionelle Strukturen setzen, gehören zu den Gewinnern der Krise», so Bürki. Weiter empfiehlt er M&G (Lux) Global Listed Infrastructure, bei dem es um Infrastrukturprojekte geht, BNP Paribas Smart Food, der auf Unternehmen mit guter und ausgewogener Ernährung setzt, sowie Decalia Circular Economy, der die Neuorganisation von Lieferketten im Auge hat.

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