Luxus, Partys, Wolkenkratzer, Shoppingmalls: Von der politischen Instabilität im Nahen Osten schienen Metropolen wie Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Doha in Katar oder Riad in Saudi-Arabien lange ausgenommen. Die Wüstenstädte positionieren sich als sichere Inseln in einer von Konflikten geprägten Region. Mit steuerlichen Vorteilen locken sie zahlreiche Unternehmen und Expats an – auch aus der Schweiz. Über Jahre haben sie sich den Ruf als attraktive Geschäftsstandorte erarbeitet.
Seit dem 1. März blickt die Welt aber plötzlich mit anderen Augen auf die Städte am persischen Golf: Die Vergeltungsangriffe des Iran auf den amerikanisch-israelischen Angriff trafen auch Ziele in den VAE, Saudi-Arabien und Katar. Dabei wurden nicht nur US-Basen, sondern auch Hotels, Flughäfen und Gebäude getroffen, mehrere Dutzend Menschen wurden verletzt. Eine baldige Entspannung ist nicht in Sicht. Der Logistik-Chef des Schweizer Konzerns Kühne+Nagel warnt: «Dubai hat nur noch frische Lebensmittel für etwa zehn Tage.»
«Status als sicherer Hafen gerät unter Druck»
Aussagen wie diese werfen kein gutes Licht auf die Wüstenmetropolen. Verblasst ihr Glanz nun deshalb? «Die Ereignisse der letzten Tage sind ohne Zweifel ein Stresstest für die Golfmetropolen – allen voran Dubai», sagt Suhail El Obeid (48), Berater für den Nahen Osten beim Aussenwirtschaftsförderer Switzerland Global Enterprise (SGE). «Der Status als sicherer Hafen gerät kurzfristig unter Druck», führt er gegenüber Blick aus. Jeder zusätzliche Tag im Ausnahmezustand würde dem hart erarbeiteten Ruf weiter schaden: «Es handelt sich um einen ernsthaften Einschnitt und eine Belastungsprobe für das Image der Region», so El Obeid.
Um Schadensbegrenzung zu betreiben, greifen zumindest die VAE zu fragwürdigen Massnahmen: In den sozialen Medien kursieren Videos von deutschsprachigen Influencern, die in Dubai leben und sich derzeit dort aufhalten. Jene Posts, in denen sie geschockt die Schäden durch die Explosionen zeigen, sind mittlerweile gelöscht. Stattdessen laden viele von ihnen nun fast identische Videos hoch, in denen sie behaupten, keine Angst zu haben, weil sie von der VAE-Führung beschützt werden. Dazu werden Bilder von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum (76), Emir von Dubai, und seinem Sohn, Kronprinz Hamdan (44), eingeblendet. Im Netz hagelt es Kritik – viele fragen sich, ob es sich dabei um gezielte Staatspropaganda handelt.
Ist der Ruf jetzt nachhaltig geschädigt?
Um zu beurteilen, ob die Konflikte dem Image dauerhaft schaden, sei es noch zu früh, sagt El Obeid. Die Reputation als sicherer Hafen sei sensibel und reagiere auf jedes zusätzliche Ereignis. Dies kann auch von Vorteil sein: «Die Erfahrung aus anderen Krisen zeigt: Wenn sich die Lage stabilisiert, kann sich das Image auch wieder relativ schnell erholen.» Viel hänge von der Dauer und Intensität des Konflikts ab.
Und wie wirkt sich der Krieg auf Schweizer Unternehmen vor Ort aus? El Obeid und Switzerland Global Enterprise würden mit mehreren hiesigen Firmen mit Niederlassungen in der Golfregion in Kontakt stehen, erklärt er. «Wir erleben ein breites Spektrum an Erfahrungen. Von stark verunsichert über abwartend bis hin zu Stimmen, die betonen, dass vor Ort weiterhin ‹business as usual› laufe.»
Der Experte schätzt, dass neben dem akuten Sicherheitsgefühl bald operative Themen in den Vordergrund rücken werden: «Wie Transportprobleme, Lieferengpässe, steigende Preise oder Verzögerungen», so der Berater. Deshalb sei ihnen geraten, dafür entsprechende Szenarien vorzubereiten. Allen voran sollten sie aber flexibel bleiben, rät El Obeid: «Viele Entscheidungen hängen davon ab, wie sich die nächsten Tage und Wochen entwickeln.»

