Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Personen steigt noch immer. Berichte aus China sprechen mittlerweile von mehr als 70'000 Erkrankten. Knapp 1800 Personen sind bereits am Virus gestorben. In den betroffenen Regionen bleiben viele Produktionsbetriebe geschlossen.

Letzteres könnten früher oder später auch viele Schweizer Unternehmen zu spüren bekommen, egal ob sie nun selber vor Ort produzieren oder von chinesischen Zulieferfirmen abhängig sind. Die Folge könnten Lieferengpässe sein. 

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Zahlreiche Unternehmen sind betroffen

Erst am Freitag warnte mit Schindler ein Schweizer Industrie-Urgestein vor möglichen Auswirkungen auf das Tagesgeschäft. Der bekannte Aufzug- und Rolltreppenhersteller gibt sich deshalb vorsichtig und erwartet im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen zwischen 0 und 5 Prozent. Mit 4,5 Prozent liegen die Markterwartungen am oberen Ende dieser überraschend breiten Zielspanne.

Das veranlasst die britische Barclays zu Wochenbeginn dazu, bei den Schätzungen den Rotstift anzusetzen. Die Grossbank streicht ihre Gewinnerwartungen für Schindler um bis zu 5 Prozent zusammen. Dadurch fällt das Kursziel für den Partizipationsschein auf 205 (zuvor 210) Franken. Doch obschon sich vom Schlusskurs vom Freitag von 242 Franken ein Abwärtspotenzial von gut 15 Prozent ableiten lässt, lautet das Anlageurteil weiterhin "Equal weight".

Die Berenberg Bank macht hingegen beim Genfer Warenprüfkonzern SGS einen Virus-bedingten Anpassungsbedarf aus. Die Bank reduziert ihre Umsatzschätzungen um durchschnittlich 2 Prozent, die Gewinnschätzungen sogar um bis zu 6 Prozent. Allerdings hält sie sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 2500 Franken fest.

Anders als die Berufskollegen bei Barclays zeigen die Berenberg-Analysten Mitgefühl für die Erkrankten und Verstorbenen. Der Coronavirus-Ausbruch sei nicht nur eine wirtschaftliche, sondern in erster Linie eine menschliche Tragödie, so halten sie fest.

Weitere dürften folgen

Warnende Worte hat die Luxusgüteranalystin der UBS parat. Ihres Erachtens unterschätzt die Börse die Folgen für das Tagesgeschäft bei den beiden Luxusgüterherstellern Swatch Group und Richemont. Sie verweist dabei auf die überraschend schwachen Detailhandelszahlen vom Freitag aus Japan und schätzt, dass die Swatch Group rund die Hälfte des Jahresumsatzes in China oder mit chinesischen Touristen erzielt. Bei Richemont dürften es mit 45 Prozent nur unbedeutend weniger sein.

Gleichzeitig weisen europäische Luxusgüteraktien durchschnittlich einen Bewertungsaufschlag von 70 Prozent gegenüber dem breiten Aktienmarkt auf. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt von 45 Prozent und macht die Titel anfällig für negative Nachrichten. Wie aus Bankenkreisen verlautet, dürften vermutlich schon in den nächsten Tagen weitere Gewinnschätzungsreduktionen für Unternehmen aus der Schweiz eintreffen.