Die UBS streitet sich derzeit mit dem Bund darüber, ob die Grossbank mehr Eigenkapital braucht beziehungsweise wie viel mehr Eigenkapital sie braucht. Doch was ist Eigenkapital? Gewöhnlich ist es das, was übrig bleibt, wenn man vom Vermögen eines Unternehmens die Schulden abzieht. Damit ist es der Anteil des Unternehmens, der seinen Besitzern gehört, und der Puffer, der ein Unternehmen vor seinem Konkurs bewahrt. Denn übersteigen Verluste das Eigenkapital, kann ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr bezahlen. Doch bei Banken ist die Sache sehr viel komplizierter. Und mit Eigenkapital können verschiedene Dinge gemeint sein.

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1. Die zwei Gesichter der Eigenkapitalquote einer Bank

Um zu beurteilen, ob ein Unternehmen solvent ist, interessiert meist nicht das absolute Eigenkapital, sondern der Anteil des Eigenkapitals am gesamten Vermögen. Das ist die Kapitalquote. Betrachtet man diesen Anteil bei einer Grossbank, ist er typischerweise sehr gering. Bei der UBS beläuft er sich auf 4,4 Prozent. Zur Veranschaulichung: Bei 100 Franken Vermögenswerten wie ausgegebenen Krediten würden 4.40 Franken Eigenkapital bleiben. Bei Nichtfinanzunternehmen liegt diese Quote typischerweise bei sehr viel höheren 30 bis 50 Prozent. Die so berechnete Eigenkapitalquote einer Bank nennt man auch Leverage Ratio. Wenn Banken von ihrer Eigenkapitalquote sprechen, meinen sie aber meist nicht diesen Anteil an echtem Eigenkapital an den gesamten Anlagen, sondern den Kapitalanteil im Verhältnis zu den sogenannten risikogewichteten Anlagen. Bei dieser Betrachtung werden die Anlagen mit ihrem Verlustrisiko gewichtet. Anlagen, die als risikolos gelten, werden nicht mitgerechnet. Diese risikogewichtete Eigenkapitalquote ist deutlich höher als die ungewichtete: Im Fall der UBS beläuft sie sich auf 14,4 Prozent.