Die sogenannte «Zerowaste»-Bewegung hilft dem Klima und schont gleichzeitig das Budget. Immer mehr Schweizer Firmen schliessen sich diesem Credo an und wollen ihren Abfallberg verkleinern.

Bei Zerowaste geht es darum, Abfall mit der Zeit komplett zu vermeiden. Nach Privathaushalten sind nun auch die Unternehmen gefragt. Immer mehr versuchen intern sowie extern weniger Abfall zu verursachen. Dabei soll in Zukunft nicht nur weniger Müll in der Kehrichtverbrennungsanlage landen, sondern auch die Recycling-Abfallmenge soll schrumpfen.

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«Aktuell müsste jeder Schweizer seinen Co2-Austoss um die Hälfte reduzieren, um das Pariser Klimaabkommen bis 2050 zu erreichen», sagt Natalie Bino, Gründerin von Zerowaste Switzerland, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Dies erscheint ziemlich aussichtlos. Aber die Antwort wäre einfach: weniger Abfall.

Interner Spezialist bei Zurich

Dies probiert auch die Zurich Insurance Group: Die Versicherung verzichtet seit 2019 komplett auf Einwegplastik. Auch der Papierverbrauch sank im Vergleich zu 2015 um 80 Prozent. Der Versicherer verfügt gar über eigene Fachspezialisten, die sich um das Thema Abfallreduktion kümmern.

Aber nicht jedes Unternehmen hat interne Spezialisten: Deshalb bietet der Verein Zerowaste Switzerland Workshops und Vorträge für Unternehmen an. «Pro Monat beraten wir vier bis fünf Unternehmen, und es werden immer mehr», sagt Bino.

Aber weniger Abfall hilft nicht nur weniger CO2 auszustossen: Es können auch Kosten gespart werden. Bino und ihre Familie sparten dank Zerowaste rund 40 Prozent ihrer Haushaltskosten ein. Nun stellt sich die Frage, ob das bei Firmen auch möglich ist. Bino ist davon überzeugt.

«Recycling ist nicht die Lösung des Problems»

Die Antworten der Firmen zeigen hier aber kein eindeutiges Bild. «Einzelne Massnahmen bieten Kostenvorteile, andere nicht», sagte eine Swisscom-Sprecherin auf Anfrage. Seit 2016 konnte Swisscom den Abfall von fast 7000 auf 4461 Tonnen reduzieren. Die Recyclingquote hat im letzten Jahr hingegen abgenommen: Während Swisscom 2016 noch 51,4 Prozent recycelte, waren es 2020 nur noch 46,2 Prozent.

«Recycling ist zwar gut, aber nicht die Lösung des Problems», meint Bino. Schlussendlich gehe es bei Zerowaste darum, Abfall komplett zu vermeiden. Konkret würden deshalb viele Firmen als ersten Schritt Einweggeschirr eliminieren oder wieder eine alte Kaffeemaschine ohne Kapseln verwenden.

Novartis «auf gutem Weg»

Novartis hat seine Ziele deutlich höhergesteckt: Bis 2025 will das Pharmaunternehmen seine Abfallmenge im Vergleich zum Jahr 2016 um die Hälfte senken. «Aktuell sind wir bei einer Reduktion von 40 Prozent und somit auf gutem Weg, unser Ziel zu erreichen», sagt ein Sprecher gegenüber AWP.

Am Arbeitsplatz möchte Novartis zusätzlich bis Ende 2022 weltweit 17 Arten von Einwegplastik eliminieren. Zudem ist das Unternehmen Mitglied in mehreren Nachhaltigkeitsvereinigungen. Mit einem Workshop im letzten Jahr wollte der Pharmariese seine Erfahrungen im Bereich Zerowaste an seine Zulieferer weitergeben. Insbesondere die Kreislaufwirtschaft soll so ins Rollen gebracht werden.

Internationale Konzerne sehen Verschmutzung nicht

Gerade bei international tätigen Firmen sei es aber schwer, einen Überblick über die entstehende Abfallmenge zu behalten. «Sie produzieren kaum auf Schweizer Boden und sehen darum auch die Verschmutzung nicht», ist Bino überzeugt. Insbesondere in der Industrie fallen neben Büromüll viele weitere Produktionsabfälle an.

Mit diesem Problem sieht sich auch das Industrieunternehmen Bucher konfrontiert. Mit über 50 Produktionsstandorten weltweit ist das Unternehmen sehr dezentral organisiert.

«Unsere verschiedenen Divisionen und Geschäftseinheiten haben eine hohe Eigenständigkeit. Deshalb hat auch jeder Standort eigene Massnahmen», sagte eine Sprecherin von Bucher. Generell werde ein Grossteil der Produktionsabfälle rezykliert und auch die Materialwiederverwertung gewinne an Bedeutung. «Wie bei vielen Unternehmen wird das Thema auch bei uns immer wichtiger.»

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(awp/hzi/gku)