Es ist einer der grössten Zusammenschlüsse der Wirtschaftsgeschichte der Schweiz und wohl der grösste im Assekuranzbereich: Die im April verkündete und am 5. Dezember vollzogene Fusion der beiden Allspartenversicherer Baloise und Helvetia. Die Fusion wurde von Beginn als eine unter Gleichen verkauft. Doch gibt es einen sogenannten «Merger of Equals» in der Realität überhaupt? Dieser Frage ist eine Masterarbeit an der ZHAW School of Management & Law nachgegangen, deren Verteidigung soeben erfolgt ist.
Was heisst «Equal»?
Dabei stellt sich die Frage, wie die Gleichheit eines solchen Zusammenschlusses überhaupt zu messen ist. Geht es darum, dass alle Managementposten paritätisch besetzt werden? Dass der angekündigte Stellenabbau beide Firmen proportional betrifft? Oder welcher Name in der neuen Marke zuerst kommt? Es zeigt sich, dass eine solchermassen verstandene «Gleichheit» die Handlungsspielräume so einschränken würde, dass die erhofften Synergien verloren gehen können. Die Gleichheit muss dynamischer verstanden werden. Folglich musste sich die Arbeit der Frage von verschiedenen Seiten her annähern.
Die Börse und die Stimmung in der Berichterstattung geben Hinweise
Ein erster Indikator ist die Börse. Bei klassischen Übernahmen wird der Käufer an der Börse meist abgestraft, da er für das Übernahmeobjekt eine Prämie zahlen muss. Letzteres zeigt sich oft in einem sprunghaften Anstieg des Börsenkurses des Übernahmeobjekts. In unserem Falle gab es diesen Effekt tatsächlich, allerdings nur am ersten Tag nach der Ankündigung und nicht sehr ausgeprägt. Ein erster Hinweis auf die Gleichheit. Feindliche Übernahmen werden typischerweise von der Wirtschaftspresse negativ beurteilt, da die Risiken grösser sind. Eine systematische Stimmungsanalyse von 300 Artikeln zur Fusion hat aber ergeben, dass diese überwiegend positiv oder neutral berichtet haben. Dabei war die Verteilung von negativen, neutralen und positiven Berichten zu beiden Firmen ähnlich. Ein weiterer Hinweis, dass der Zusammenschluss als gleichwertig betrachtet wird.
Die Mitarbeitenden konnten sich noch nicht äussern
Schliesslich wurden diverse Experten und Expertinnen aus dem Versicherungsverband, der Wettbewerbskommission und von M&A Abteilungen in Banken befragt, wie sie den Zusammenschluss bewerten. Auch hier wurde ein weitgehend neutrales und ausgeglichenes Urteil gefällt. Doch wie sehen die Mitarbeitenden der beiden Firmen die Sache? Hier konnten aufgrund einer verständlichen Informationssperre keine Interviews geführt werden. Es bleibt dies, zusammen mit einer systematischen Befragung der Kundschaft, teil weiterer Untersuchungen, bei denen sich in der effektiven Implementationsphase zeigen wird, ob auch diese Stakeholder den Zusammenschluss als einer unter Gleichen wahrnehmen werden. Es wäre eine erstaunliche Leistung der involvierten Parteien und eine gute Grundlage für den künftigen Erfolg der Helvetia Baloise Gruppe.



1 Kommentar
Es ist - eindeutig - dass Helvetia (mit der Patria) die Baloise übernommen hat. Baloise flüchtete mit diesem Schritt vor dem Grossaktionär Cevian
- CEO Konzern und Schweiz = Helvetia
(VRP ist Baloise, ist aber operativ kam von Relevanz)
- Neugeschäfte ab 2026 = Helvetia Produkte
- Webseite helvetia-baloise.com = Wie helvetia.ch
- IT wird grossteils von Helvetia übernommen
Alles grundsätzlich kein Problem, aber eben nicht eine Fusion unter Gleichen.