Die vermeintlich kostenlose Beratung beim Abschluss von Versicherungen, Krediten oder Hypotheken ist natürlich nicht gratis. Für involvierte Finanzmakler, die sich oft als unabhängig bezeichnen, sprudeln rasch einmal einige tausend Franken an Provision, wenn jemand seine Unterschrift unter die Police einer Kranken-Zusatzversicherung, Lebensversicherung oder gar Hypothek setzt. In dieser Situation besteht das Risiko, dass nicht an eine bestimmte Versicherung gebundene Makler vor allem für sie selbst lukrative Produkte verkaufen. «Die Gefahr ist natürlich erheblich», bestätigt Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Moneyland.

Dazu kommt, dass die Finanzmakler nicht nur Abschlussprovisionen, sondern auch noch viele verschiedene andere Vergütungen einstreichen können, wenn Kunden beispielsweise mehrere Versicherungen bei einer Gesellschaft haben oder insgesamt ein bestimmtes Prämienvolumen überschreiten. Dieses Spannungsfeld wird auch von anderen Branchenexperten anerkannt. «Problematisch wird es dann, wenn die Incentives, also die Höhe der Vertriebsprovisionen und der Bestandsprovisionen, entscheiden – und nicht mehr das für die Versicherten optimale Produkt», sagt ein langjähriger Insider der Schweizer Versicherungswirtschaft.