Kleinere und mittlere Broker sind oft regional stark verankert und auf bestimmte Branchen oder Versicherungen spezialisiert. Eine Person kann schliesslich nicht alles beherrschen. Und doch werden regionale Beraterinnen und Berater manchmal gezwungen, über den Tellerrand hinauszuschauen. Beispielsweise wenn ein guter Kunde in Indien eine Tochtergesellschaft gründet. Oder die Gastro-Unternehmerin bei ihrem Stammbroker auch die Personenversicherungen abschliessen möchte, obwohl dieser hauptsächlich Sachversicherungen macht.  

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Aus dieser Problematik heraus wurde das Brokernetzwerk von Willis Towers Watson gegründet. Es verspricht Unterstützung in einem partnerschaftlichen Umfeld und ein weltweites Netzwerk. Bei Spezialgebieten sollen die Mitglieder auf das Brokernetzwerk zurückgreifen, von klaren Prozessen und Wordings profitieren und sich fortlaufend weiterbilden können. Statt die eigene Kundin für die D&O-Versicherung zur Konkurrenz zu schicken, kommt Hilfe vom Netzwerk. Eigentlich eine gute Sache – zumal in der Schweiz viele kleinere Broker Einzelkämpfer sind und somit Rückendeckung brauchen können.

Seit 2018 keine Aktivitäten

Abgesehen von der Website, deren letzte News auf ein Weiterbildungsseminar aus dem Jahr 2018 hinweist, ist davon nach aussen hin allerdings nicht viel übrig. Bestehende Mitglieder erzählen, seit Jahren keine Unterstützung mehr erhalten zu haben. So berichtet Urs Hitz, Partner der All in One Versicherungstreuhand aus Regensdorf: «Ich war früher begeistert vom Brokernetzwerk.» Es habe jeweils rund drei Anlässe pro Jahr gegeben, interessante Vorträge zu aktuellen Themen. Keine Werbeplattform, sondern wertvolle Information. «So konnten wir uns weiterbilden und eben auch austauschen. Leider ist das Netzwerk seit dem Sommer 2018 komplett eingeschlafen.» Weiterbildungen oder Ähnliches gab es seither keine mehr. Zum Teil habe er auf eigene Anfragen hin nicht einmal mehr eine Rückmeldung erhalten, sagt Hitz.

Das Problem liegt vielleicht unter anderem daran, dass die grossen Versicherungsgesellschaften nicht mitgezogen haben. Die Allianz und die National waren kurzzeitig im Boot, Letztere schied mit der Übernahme durch die Helvetia aus. Axa, Zurich oder Basler waren gar nie dabei.

WTW will Netzwerk ausbauen

Ado Bektas, der bei Willis Towers Watson für das Brokernetzwerk verantwortlich ist, wehrt sich gegen die Kritik und sagt: «Die Plattform wird derzeit überarbeitet, damit sie auch weiterhin attraktiv ist für die Netzwerkbroker. Von einer Einstellung der Aktivitäten kann keine Rede sein, im Gegenteil.» Das Netzwerk berate seine Mitglieder weiterhin, beispielsweise im Bereich Wordings und Klauseln oder in Form einer Zusammenarbeit in Spezialgebieten. Dass Anfragen teilweise unbeantwortet blieben, begründet er mit den veränderten Arbeitsabläufen seit Beginn der Pandemie.

Eigenen Round Table gegründet

Die All in One Versicherungstreuhand hat sich derweil anders zu helfen gewusst. Sie hat mit anderen Mitgliedern aus dem Brokernetzwerk, denen der Austausch von damals fehlte, einen Round Table gegründet. Zwar fallen die hochkarätigen Vorträge weg, aber gemeinsam ist man trotzdem stärker. «Das beginnt schon bei den Verhandlungen mit den Versicherungsgesellschaften», sagt Hitz. «Wir besprechen am Round Table Probleme und merken, dass wir damit nicht allein sind. So können wir gemeinsam Strategien ausarbeiten, um unsere Verhandlungsposition zu stärken.» In diesem Rahmen trifft sich die kleine Gruppe drei- bis viermal jährlich. Und das Brokernetzwerk? Ado Bektas verspricht: «Das Brokernetzwerk wird auf alle Fälle erfolgreich weitergeführt.»