Sie wurde im März als Elefantenhochzeit angekündigt: Die Übernahme von Willis Towers Watson durch Aon. Gemeinsam generieren die beiden Versicherungsbroker laut NZZ weltweit rund 20 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und beschäftigen 95’000 Mitarbeitende. Auch in der Schweiz gehören die beiden zu den wichtigen Playern im Brokermarkt. Die Aon Risk Solutions steht in einem Ranking vom vergangenen Jahr, das die Schweizer Versicherung mithilfe von Umfragen bei den Brokern erstellte, an zweiter Stelle. Willis Tower Watson ist hierzulande die Nummer neun.

Hato Schmeiser, geschäftsführender Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft (IVW) an der Uni St. Gallen, sieht durch den Zusammenschluss auch Auswirkungen auf den Schweizer Markt: «Bereits jetzt generieren die fünf grössten Broker rund drei Viertel des ganzen Prämienvolumens. Durch das Wachstum, das Aon mit der Übernahme verzeichnet, wird sich der Markt noch weiter konzentrieren.» Damit verteile sich das Prämienvolumen in der Schweiz sogar auf noch weniger Firmen als in den USA, wo die Top Ten rund 70 Prozent des Marktes für sich beanspruchen. Dies, obwohl es im KMU-Land Schweiz noch über tausend weitere kleinere und mittlere Brokerfirmen gibt.

Ein Fall fürs Kartellrecht

Gemäss dem erwähnten Ranking verzeichnet die Aon Risk Solutions in der Schweiz einen Umsatz von mehr als 45 Millionen Franken (2018), Willis Towers Watson von 15 Millionen Franken. Damit kauft Aon einen Konkurrenten auf, der selber einiges an Gewicht im Markt mitbringt. Das wird entsprechend kartellrechtlich geprüft werden müssen, wie Schmeiser ausführt.

Es ist nicht das erste Mal in den letzten Jahren, dass sich Versicherungsbroker durch Fusionen oder Übernahmen zu stärken versuchen. So wurde im Januar bekannt, dass die deutsche Wefox-Gruppe die SAM Versicherungen AG im bernischen Roggwil mitsamt deren 80 Brokern übernimmt. Arthur J. Gallagher übernahm 65 Prozent von Hesse & Partner, die Assepro-Gruppe kaufte Balrisk, die Independent Financial Group schloss sich mit der Baumassurance zusammen, aus der Neutrass-Residenz und Versicherungs-Treuhand Furrer + Partner wurde Neutrass. «In dem hart umkämpften Brokermarkt versuchen die zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen ihre Position zu festigen», sagt der Direktor des IVW. Die bevorstehende Übernahme sei dennoch ungewöhnlich, weil sie sich in den vordersten Rängen abspielt.

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Digitale Broker gescheitert

Laut dem Experten haben verschiedene Tendenzen dazu geführt, dass sich der Druck auf den Brokermarkt im vergangenen Jahrzehnt erhöht hat: Zunehmende Regulierung, stärkerer Preiskampf und fortlaufende Digitalisierung gehören dazu. Nicht alle Strategien, um mit diesen Entwicklungen umzugehen, haben sich als zielbringend erwiesen. «Versuche von digitalen Brokern ohne eigenen Risikoträger – wie z. B. Knip – konnten bisher nicht Fuss fassen», stellt Schmeiser fest, «weil sie nicht günstiger als traditionelle Broker waren.» Der Onlinebroker Knip hat seine Tätigkeit in der Schweiz Ende letzten Jahres eingestellt.

Ein Trend, der sich noch weiter akzentuieren werde, sei das Gesamtpaket, das Broker heutzutage schnürten. «Versicherungsbroker vermitteln nicht mehr nur eine Police und ziehen sich dann zurück, sondern entwickeln sich zu ganzheitlichen Problemlösern für den Kunden.» Auch wenn eine Firma also bei mehreren Gesellschaften versichert ist, hat sie dank dem Broker oft nur eine Ansprechperson, die sich um alles kümmert. Ein Service, der sich allerdings nur für grössere Kunden lohnt. Entsprechend dominieren die Versicherungsbroker zwar das Firmenkundengeschäft – sind im Privatkundensegment hingegen wenig präsent.