Die Helvetia hat im Geschäft mit der beruflichen Vorsorge (BVG) im letzten Jahr ein stabiles Ergebnis erzielt - allerdings bei deutlich tieferem Volumen. Mit ein Grund dafür sind die vor gut zwei Jahren eingeleiteten Massnahmen, welche die Umverteilung von Vorsorgegeldern von jung zu alt bremsen sollen.

Die Quersubventionierung im BVG bleibe ein grosses Problem, erklärte Hedwig Ulmer, Leiterin Vorsorge bei Helvetia am Dienstag an einer Telefonkonferenz. Um die «systemfremde Umverteilung von aktiv Versicherten zu Rentenbezügern» zu dämpfen, habe Helvetia früh damit begonnen, die Umwandlungssätze schrittweise zu senken.

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Der Umwandlungssatz wird bei der Pensionierung zur Berechnung der jährlichen Altersrente auf dem angesparten Alterskapital herangezogen. Im BVG-Obligatorium, wo Löhne bis 86'040 Franken versichert sind, gilt der Mindestsatz von 6,8 Prozent. Für höhere Löhne, also im Überobligatorium, kann er tiefer angesetzt werden.

Massive Quersubventionierung

Und das tut man bei der Helvetia. Für Vollversicherungen liegt der Satz im Überobligatorium ab 2023 noch bei 4,4 Prozent. Trotz dieser Senkungen sei es aber zwingend notwendig, dass die Politik die seit Jahren umstrittene Altersvorsorgereform umsetzt, betonte Ulmer. Kern der Reform ist die Reduktion des Mindestsatzes auf 6,0 Prozent.

Die Helvetia geht zudem bei der Annahme von Neukunden für das Sorglospaket der Vollversicherung, das auch Anlagerisiken trägt, vorsichtig vor. Unternehmen mit einer «ungünstigen» Altersstruktur, insbesondere jene mit einem hohen Anteil an Rentnern, hätten es schwer, diesen Schutz am Markt zu erhalten, hiess es.

Trotz der ergriffenen Massnahmen kam es auch im Jahr 2020 wieder zu einer massiven Quersubventionierung von Erwerbstätigen zu Pensionierten. Die Umverteilung belief sich auf 119 Millionen Franken nach 185 Millionen Franken im Vorjahr. Über die letzten zehn Jahren seien Gelder von rund 1,5 Milliarden so verschoben worden.

10 Prozent weniger Versicherte

Die wenig attraktiven Konditionen sowie die vorsichtige Zeichnungspolitik haben dazu geführt, dass die Prämieneinnahmen in der am Dienstag veröffentlichten Betriebsrechnung Kollektivleben der Helvetia um 22 Prozent auf 2,07 Milliarden Franken geschrumpft sind. Die Zahl der Versicherten nahm um 10 Prozent auf 222'436 ab.

Das Ergebnis blieb gleichwohl auf einem stabilen Niveau von 44,4 Millionen Franken. In dem der Mindestquote unterstellten Geschäft erbrachte Helvetia Leistungen zugunsten der Versicherten im Umfang von 426,6 Millionen Franken. Dem standen Bruttoeinnahmen von 471,1 Millionen gegenüber. Dabei wurde auf den Kapitalanlagen netto eine Performance von 2,05 Prozent erzielt.

Vollversicherung bleibt eine Möglichkeit

Dynamisches Wachstum verzeichnet die Helvetia laut Ulmer derweil in der noch kleinen teilautonomen Stiftung «BVG Invest». Da tragen die Firmen die Anlagerisiken selber, daher schone das Geschäft das Eigenkapital des Versicherers.

Man werde die Vollversicherung aber auch in Zukunft anbieten und damit in Vorsorgefragen das gesamte Spektrum abdecken, unterstrich Ulmer. Vor rund zwei Jahren war die Axa aus der Vollversicherung ausgestiegen. Die Winterthurer legen den Fokus seither auf teilautonomes Geschäft.

(awp/hzi/gku)