Manche Firmenübernahmen laufen schnell ab. Manche dauern dagegen schier endlos. Zu den Rekordhaltern bezogen auf die Länge der Zeit könnte nun der französische Versicherer Covéa zählen, der schliesslich nach mehr als acht Jahren eingehender Überlegungen und Auseinandersetzungen den Rückversicherer PartnerRe auf Bermuda für den Kaufpreis von 9 Milliarden US-Dollar übernimmt. Nur noch das Placet des französischen Regulators fehlt bisher dazu. Ansonsten ist alles unter Dach und Fach. Bislang befand sich PartnerRe im Besitz der italienischen Industriellenfamilie Agnelli.

Dass sich diese Transaktion schier endlos lange hinzog, geht im Wesentlichen auf Personen und Ereignisse in Frankreich, im Umkreis von Covéa, zurück. Dieser rechtlich genossenschaftlich aufgebaute Konzern mit mehr als 20’000 Beschäftigten beschränkte sich ursprünglich hauptsächlich auf das Versicherungsgeschäft in Frankreich. Der Covéa-CEO, Thierry Derez, strebte allerdings schon vor zehn Jahren danach, das Geschäft regional auf Märkte ausserhalb der französischen Grenzen auszuweiten und zugleich die Rückversicherung aufzunehmen.

Schutz gegen die Risiken technischer Veränderungen

Hinter letzterem Gedanken stand die Einschätzung, dass anstehende tiefgreifende technische Veränderungen mit hohen Risiken verbunden sein würden, wie das aus heutiger Sicht von Covéa beispielsweise für die selbstfahrenden Kraftfahrzeuge gesehen wird. Diese hohen Risiken wollte Derez so bald wie möglich von einem eigenen Rückversicherer abgedeckt wissen.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Covéa Ende des Jahres 2011 eine Strategie, die darauf abzielte, den französischen, ebenfalls in Paris ansässigen Versicherer Scor zu übernehmen. Vorsichtshalber hatte Derez bereits Scor-Aktien für Covéa erworben. Die Übernahme von Scor scheiterte allerdings schon 2012, weil der CEO des letzteren Unternehmens, Denis Kessler, mit Nachdruck ablehnte. Derez liess allerdings nicht locker, sondern kaufte weitere Scor-Aktien für Covéa und kam schliesslich in den Verwaltungsrat von Scor.