Sie haben einen schlechten Ruf, die Versicherungsmäntel. Früher wurden sie massenhaft für die Steuerhinterziehung genutzt, was das Ansehen ruiniert und der Versicherungsbranche geschadet hat. Insurance Wrapper bargen ein erhebliches Reputationsrisiko. Mittlerweile haben strengere Regulierungen den Missbrauch dieser Produkte für Schwarzgeld oder Geldwäscherei jedoch eingedämmt, was praktischerweise mit einer Umbenennung einhergegangen ist. Die jetzt rechts- und steuerkonformen Vehikel heissen nun meist Private Placement Life Insurance, oder kurz PPLI. Die Lebensversicherer achten auf die Einhaltung strikter Geschäftspraktiken. Der Kunde hat eine Erklärung zu unterschreiben, dass die in einem Versicherungsmantel eingebrachten Gelder versteuert sind. Dazu kommt eine Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse. In Liechtenstein, einem wichtigen Domizil für Anbieter von PPLI, fordert der Gesetzgeber zur Bekämpfung der Geldwäsche analog den Empfehlungen der Financial Task Force der OSZE von allen Marktteilnehmern strenge Prüfungen bei der Mittelherkunft.

Private Placement Life Insurance (PPLI): Eine PPLI ist eine anlagegebundene Kapitalversicherung, die jeweils nach den steuerlichen Grundsätzen des Domizillandes eines Kunden konzipiert ist. In vielen Ländern geniessen Lebensversicherungen steuerliche Vorteile, je nach Steuerrecht erfolgt ein Steueraufschub oder das Wachstum ist vollends steuerfrei. Wegen der vielfältigen Strukturierungsmöglichkeiten kann die PPLI auch im Erbfall sehr effektiv eingesetzt werden um unkomplizierte und zeitnahe Auszahlungen auszulösen oder Erbschaftsteuern zu reduzieren.

Steuerlich begünstigt

Die Versicherungsmäntel dienen nebst der legalen Steueroptimierung vor allem der Nachlassplanung sowie dem Vermögensschutz und der Diskretion. Ursprünglich sind diese strukturierten Lebensversicherungsprodukte vor allem in den USA und in Grossbritannien entwickelt worden. Erst später haben sie über Skandinavien auch Kontinentaleuropa erreicht. Ein Grund dafür waren die hohen Steuerbelastungen in Ländern wie Schweden, Deutschland oder Italien. Die Assekuranz profitiert davon, dass Investments in Lebensversicherungen von vielen Staaten steuerlich begünstigt werden, weil sie der Altersvorsorge dienen. Allerdings sind diese Privilegien meist an bestimmte Vorgaben des Gesetzgebers bezüglich Mindestlaufzeiten oder Höhe des Todesfallschutzes gebunden. Im Gegensatz zu einer klassischen Lebensversicherung deckt die PPLI beim Todesfallschutz nur das absolute Minimum, nutzt aber die steuerlichen Vorteile. Gleichzeitig wird das Vehikel mit einem auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenen dynamischen Portfolio-Management kombiniert.

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Bei Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Anwaltskanzleien sind die Versicherungsmäntel ein attraktives Angebot für vermögende Kunden. Das zeigt auch eine wissenschaftliche Untersuchung durch die ZHAW School of Management and Law. Als wichtigste Gründe für den Abschluss von PPLI-Lebensversicherungen wurden von den befragten Privatkunden der Vermögensaufbau, die Nachlassplanung sowie die Altersvorsorge und Steueroptimierung genannt. Kernpunkt ist die enge Zusammenarbeit zwischen Versicherung und Bank. Während der Versicherer die Produkte strukturiert und Vertragspartei für den Kunden ist, stellen die Banken das Anlage-Know-how zur Verfügung. Speziell die Nachlassplanung lässt sich mit den PPLI im Vergleich zu anderen Instrumenten flexibel und kostengünstig gestalten. Der Erblasser behält vor dem Ableben jederzeit die Kontrolle über sein Vermögen und kann Regelungen zur Begünstigung aus dem Versicherungsvertrag schnell und einfach ändern. Interessant ist dies auch, weil im Nachlassfall unabhängig von Pflichtteilsansprüchen auch Dritte begünstigt werden können. In der Regel fallen zudem die Insurance Wrapper bei einer Pleite des Policen-Anbieters nicht unter die Konkursmasse, womit die Vermögenswerte vor bestimmten Ansprüchen und Pfändungen geschützt sind. 

Erhebliches Wachstumspotenzial

Die Grösse der Versicherungsverträge beeinflusst die Tarifierung. Normalerweise bewegen sich die Kapitalanlagen zwischen einigen zehntausend Franken und bis zu zweistelligen Millionenbeträgen. Bei kleineren Verträgen belaufen sich die jährlich anfallenden Verwaltungskosten auf rund 1 Prozent. Geht es um höhere Beträge, sinken die Aufwendungen gegen 0,1 Prozent bezogen auf das sich zum jeweiligen Zeitpunkt in der Versicherung befindende Vermögen. Dazu kommen einmalige Eintrittskosten bei Abschluss der Police, die sich in der gleichen Grössenordnung bewegen. In der Praxis transferieren wohlhabende Privatpersonen ihre Vermögenswerte wie Aktien, Obligationen oder Immobilien in eine PPLI, die danach meist für 10 bis 15 Jahre vollumfänglich unter der Kontrolle des Anbieters steht. In der Schweiz überwacht die Finma, dass Banken und Effektenhändler von den Versicherern, für die sie Anlagekonten führen, die Identität des Kontoinhabers kennen. Finanzexperten sehen erhebliche Wachstumschancen für den weltweit auf gut 100 Milliarden Franken geschätzten PPLI-Markt. Mit der rasch steigenden Zahl an «High-Net-Worth Individuals» wird das Potenzial für diese steuerkonformen Produkte auf über 500 Milliarden Franken veranschlagt.

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