Die Versicherungen digitalisieren rasant: Die Kunden wollen ihre Policen bequem online abschliessen, Vertragsänderungen vornehmen oder Ansprüche melden – rund um die Uhr und möglichst ohne Papierkram. So haben denn auch Schweizer Versicherungspioniere bereits digitale Identitäts- und Signaturverfahren im Einsatz, mit denen sie traditionelle papierbasierte Prozesse ablösen. Schliesslich spart die digitale Identitätsprüfung nicht nur Zeit – sie reduziert auch Abbruchquoten und steigert die Kundenzufriedenheit. 

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Doch diesen Bemühungen steht die rasante Entwicklung von Deepfakes entgegen. Dabei handelt es sich um durch künstliche Intelligenz (KI) generierte Fälschungen von Bildern, Videos oder Audio, die reale Personen täuschend echt nachahmen. Betrüger können Deepfakes unter anderem dazu nutzen, gefälschte Selfies, Ausweise oder sogar ganze Videos zu erstellen und so Identifikationsprozesse zu manipulieren.

Über den Autoren

Michael Born ist CEO und Gründer von PXL Vision, einem führenden Unternehmen im Bereich der digitalen Identitätsprüfung mit Sitz in Zürich.

In solchen Fällen spricht man von synthetischem Identitätsbetrug – einer Form des Betrugs, die nicht nur die Versicherungsbranche vor ganz neue Herausforderungen stellt. Gerade bei Lebensversicherungen mit digitalen Prozessen birgt die Lebendigkeitsprüfung ein hohes Betrugspotenzial: Deepfakes könnten beispielsweise dazu missbraucht werden, eine vermeintliche Lebendigkeit vorzutäuschen und auf diese Weise unrechtmässig Auszahlungen zu erschleichen, etwa für bereits verstorbene Versicherte oder für im Ausland lebende Personen. Ohne robuste Technik riskieren Unternehmen enorme Umsatzeinbussen, aber auch Bussgelder, Rechtsstreite und nicht zuletzt Imageverluste. 

Technische Schutzmassnahmen

Die technische Erkennung von Deepfake-Betrügen ist allerdings sehr anspruchsvoll. Zwar zeigen Forschungsergebnisse unter Laborbedingungen oft hohe Erfolgsraten; in der Umsetzung in echte produktive Systeme ist die Erkennung aber deutlich komplexer. Deepfake-Modelle, die gezielt darauf trainiert werden, bestimmte Kontrollmechanismen zu umgehen, können immer noch durch Prüfprozesse schlüpfen, und so setzen moderne Sicherheitskonzepte auf mehrschichtige Ansätze. Denn nur mit einer Technologie, die den Betrügern einen Schritt voraus ist, lassen sich professionelle Deepfakes von Betrügern stoppen.

Moderne Ansätze kombinieren deshalb unterschiedliche Ebenen der Prüfung wie biometrische Verfahren, mit denen typische Bewegungs- oder Reflexionsmuster analysieren werden. Hinzu kommt der Einsatz von Lebendigkeits-Checks, bei der das System prüft, ob tatsächlich eine reale Person vor der Kamera steht, sowie Ausweisprüfungen, die via NFC (Near Field Communication) auf kryptografisch gesicherte Echtheitsdaten des Ausweisdokuments zugreifen.

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Ergänzt werden Systeme ausserdem durch andere dokumentenforensische Methoden, die Bildartefakte, Mikrostrukturen oder Manipulationsmuster identifizieren. Darüber hinaus erhöhen mehrstufige Modelle aus der Biometrie- und Dokumentenanalyse in Kombination mit Anomalieerkennung und nicht zuletzt auch Device-Fingerprinting die Erfolgschancen. Bei Letzterem werden anhand gerätespezifischer Eigenschaften ungewöhnliche Zugriffsmuster identifiziert und so zusätzliche Hinweise auf betrügerische oder KI-gestützte Angriffe geliefert. 

Mehrstufige Schutzkonzepte

Versicherungsunternehmen sollten proaktiv handeln und mehrere Schutzebenen gegen Identitätsbetrug kombinieren – gerade wenn die Versicherten digital verifiziert werden. Dabei ist zunächst eine kontinuierliche Beobachtung regulatorischer Entwicklungen wichtig, ebenso wie die Sensibilisierung operativer Mitarbeitender durch Fraud-, Risk- und Compliance-Teams. Um Dokumente zuverlässig zu verifizieren, sollten insbesondere moderne biometrische Verfahren einschliesslich Liveness-Detection integriert und NFC-basierte Verfahren eingesetzt werden. Ebenso empfiehlt sich die Evaluierung neuer Deepfake-Erkennungstechnologien sowie regelmässige Wirksamkeitstests durch Experten.

Deepfake-Betrug gefährdet digitale Geschäftsmodelle zunehmend, da Angriffe immer ausgefeilter und schwieriger zu identifizieren sind. Neben möglichen finanziellen Verlusten und zusätzlichem operativem Aufwand steht vor allem auch die Einhaltung regulatorischer Vorgaben im Fokus. Schwache Kontrollprozesse können rasch zu Compliance-Verstössen führen – etwa wenn manipulierte Identitäten unentdeckt KYC-Prüfungen passieren oder wenn elektronische Signaturen ohne verlässliche Authentifizierung akzeptiert werden.

Um Risiken zu reduzieren, gewinnen mehrschichtige Sicherheitskonzepte an Bedeutung. Die Kombination aus verschiedenen Technologien und Analysemethoden bildet eine tragfähige Grundlage für widerstandsfähige Abläufe. Frühzeitige Investitionen erhöhen nicht nur den Schutz der Systeme, sondern fördern auch das Vertrauen der Kundschaft.

Dieser Beitrag ist Teil des am 12. März 2026 erschienenen HZ-Insurance-Print-Specials «Cyber Risk».