Die finanzielle Freiheit im Alter ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ein zentrales Ziel – doch im Alltag dominiert das Geschäft. Eine strategische Vorsorgeplanung bleibt darum häufig auf der Strecke. Dabei entscheidet sie langfristig über Unabhängigkeit, Steuern und Sicherheit – privat wie unternehmerisch. Diese fünf Fehler treten besonders oft auf:
1. Die BVG-Lücke – verschenktes Alterskapital und Steuerpotenzial
Die berufliche Vorsorge (zweite Säule) ist für Selbstständige freiwillig – und bleibt deshalb häufig ungenutzt. Schätzungen zufolge sind rund 30 Prozent der Selbstständigen in der Schweiz nicht angeschlossen. Auch viele Inhaber von Kapitalgesellschaften sind suboptimal versichert. Wer darauf verzichtet, lässt doppelt Geld liegen: Erstens fehlt ein zentraler Baustein der Altersvorsorge, zweitens gehen steuerlich attraktive Einkaufsmöglichkeiten verloren. Daher wird empfohlen, den Anschluss an eine BVG- und zusätzlich gegebenenfalls an eine 1e-Lösung zu prüfen. Freiwillige Einkäufe sollten konsequent als strategisches Instrument zur Steueroptimierung und Kapitalbildung genutzt werden.
Sascha Näf ist Leiter Entrepreneur Banking bei Maerki Baumann & Co.
2. Klumpenrisiko Betrieb – zu viel Vermögen in der eigenen Firma
Das grösste Kapital vieler Unternehmer ist ihr Betrieb. Studien zeigen, dass bei Familienunternehmern über 80 Prozent des Gesamtvermögens in Firmenanteilen oder Unternehmensimmobilien stecken. Diese Konzentration birgt erhebliche Risiken: Ein Konjunktureinbruch, ein gesundheitlicher Ausfall oder eine missglückte Nachfolge können so auch das private Vermögen gefährden. Daher ist es wichtig, Geschäfts- und Privatvermögen konsequent zu trennen. Das Privatvermögen sollte zudem breit diversifiziert werden – über Immobilien, Aktien, Obligationen und Liquidität –, zudem ist regelmässig zu überprüfen, wie stark die persönliche Bilanz vom Unternehmen abhängt.
3. Steueroptimierung – legale Vorteile bleiben ungenutzt
Die Schweiz bietet Unternehmern zahlreiche Möglichkeiten zur steuerlich effizienten Vorsorge. Dennoch schöpfen laut Studien rund 50 Prozent der Erwerbstätigen die Säule 3a nicht aus. Auch BVG-Einkäufe werden oft nur punktuell genutzt. Damit verschenken Unternehmer nicht nur sofortige Steuerersparnisse, sondern auch künftiges Vorsorgekapital. Besser wäre es, die Steueroptimierung als festen Bestandteil der Jahresplanung zu verankern. Zudem sollten Maximalbeiträge in die Säule 3a sowie regelmässige BVG-Einkäufe budgetiert werden. Eine auf die Unternehmensstruktur abgestimmte Steuerberatung ist dabei zentral.
4. Nachfolgeplanung – der vergessene Exit
Viele Unternehmer schieben die Nachfolgefrage vor sich her. Laut einer Studie der Credit Suisse aus dem Jahr 2022 haben nur rund 15 Prozent der Firmeninhaber ihre Nachfolge formell geregelt. Fehlt ein klarer Plan, drohen im Ernstfall Wertverluste, Streitigkeiten oder Notverkäufe – und damit Risiken für Firma und Familie. Hier gilt es, frühzeitig zu planen, idealerweise fünf bis zehn Jahre vor dem Rückzug. Zur Planung gehören die Wahl der Nachfolge sowie das Erstellen notwendiger Rechtsdokumente (Testament, Erbvertrag, Vorsorgeauftrag) und einer abgestimmten Finanzplanung. Die Unternehmensnachfolge ist damit ein integraler Bestandteil der persönlichen Vorsorge.
5. Risikoabsicherung – unterschätzte Lebensader
Der Unternehmer ist das Herz des Betriebs. Sein Ausfall durch Unfall, Krankheit oder Tod kann rasch existenzielle Folgen haben. Dennoch ist die Risikoabsicherung – etwa für Berufsunfähigkeit, Todesfall oder Krankentaggeld – oft lückenhaft oder veraltet. Für Selbstständige ist im Gegensatz zu Angestellten vieles nicht obligatorisch. Daher ist es ratsam, eine unabhängige Risikoanalyse durchzuführen und den Schutz individuell anzupassen. Eine Erwerbsunfähigkeits- und Todesfallversicherung schützt Einkommen, Familie und Unternehmen – und sichert die Handlungsfähigkeit im Krisenfall.
Fazit: Vorsorge ist Strategie, nicht Pflichtübung
Die finanzielle Vorsorge eines Unternehmers ist so individuell wie sein Betrieb. Wer sie aufschiebt, riskiert, dass andere über die eigene Zukunft entscheiden – das Steueramt, die Erben oder der Zufall. Wer frühzeitig plant, gewinnt dagegen doppelt: mehr Sicherheit im Heute und mehr Freiheit im Morgen. Der beste Zeitpunkt, zu handeln, ist jetzt.
Dieser Beitrag ist Teil des am 13. November 2025 erschienenen HZ Insurance-Print-Specials «Finanzplanung und Vorsorge».


