Leider scheiterte der Plan mit dem Gymnasium. Damals hätte ich nicht gedacht, welch positive Auswirkungen dieser Rückschlag haben würde.

Einstieg ins Versicherungswesen

Die berufliche Grundbildung als Kauffrau absolvierte ich bei Allianz Suisse. Im Halbjahrestakt konnte ich die Abteilung wechseln und lernte so die verschiedenen Aufgaben kennen. Da ich nicht übermässig gern die Schulbank drückte, entschied ich mich nach Abschluss der Lehrzeit gegen die Berufsmaturität und für ein Förderprogramm von Allianz Suisse in der Westschweiz. In Neuenburg hatte ich die Chance, die Aufgaben einer Generalagentur von innen kennenzulernen und gleichzeitig meine Französischkenntnisse zu erweitern. 

Porträt: Tiziana Schneider, Underwriting Kranken/Unfall, Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG.
Quelle: Chancen-Heft «Banken und Versicherungen», SDBB, Bern, 2020.
Autorin: Brigitte Schneiter, text-bar, Münchenbuchsee.

Einstieg als Underwriterin 

Nach neun Monaten Westschweiz wurde mir von der Direktion eine Stelle angeboten. Ich nutzte die Chance und bin seither als Underwriterin tätig. Mein Aufgabengebiet ist vielfältig. Ich habe Kontakte mit internen Abteilungen, mit dem Aussendienst, mit Generalagenturen und mit Kunden. Ich unterstütze die Mitarbeitenden der Generalagenturen beim Erstellen von Offerten oder bei speziellen Kundenanfragen. Ist ein Versicherungsantrag unterzeichnet, kommt er zu uns und wir überprüfen ihn auf Vollständigkeit, führen die Risikoanalyse durch und bestimmen die Annahmebedingungen. Gelegentlich arbeite ich auch mit der Schadenabteilung zusammen, wenn es um Unklarheiten zum Vertragsinhalt oder um die Verletzung einer Anzeigepflicht geht.Von der Versicherungsfachfrau zur Versicherungswirtschafterin HF 

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Weil mir das Versicherungswesen gefällt, wollte ich mich ins Fachgebiet vertiefen. Während anderthalb Jahren besuchte ich die Modulkurse und bestand anschliessend die eidg. Berufsprüfung als Versicherungsfachfrau. Nach der Prüfung gönnte ich mir eine Auszeit. Ich bereiste den australischen Kontinent und verbesserte gleichzeitig meine Englischkenntnisse. Zurück in der Schweiz, verspürte ich Lust, mich noch intensiver mit dem Versicherungsbusiness auseinanderzusetzen. Die Möglichkeit, mich mit dem Fachausweis in nur anderthalb Jahren zur dipl. Versicherungswirtschafterin HF auszubilden, war für mich die perfekte Lösung. Der Lehrgang war die optimale Ergänzung zum Fachausweis. 

Highlights und Herausforderungen 

Mir gefällt die Vielseitigkeit meiner Tätigkeit. Ich kann selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen. Es ist spannend, Kundenprofile zu analysieren und risikogerechte Prämien zuzuweisen. Jedes Risiko ist anders. Schwieriger finde ich Situationen, wo ich zum Beispiel Anträge aufgrund eines schlechten oder unerwünschten Risikos ablehnen muss. 

Die Wertschöpfungskette verstehen

Das Studium hat mich angesprochen, weil ich mir Wissen aneignen und die komplette Wertschöpfungskette verstehen wollte. Ich will nicht nur meinen Teil der Arbeit kennen, sondern den Gesamtzusammenhang nachvollziehen können. 

Zusätzliche Aufgaben übernehmen

Demnächst werde ich zusätzliche Aufgaben mit mehr Verantwortung und Kompetenzen übernehmen. Bisher habe ich mich um die Verträge bis zu einem Prämienvolumen von 10’000 Franken gekümmert. Neu werde ich auch Grosskunden betreuen und enger mit den Generalagenturen zusammenarbeiten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in Zukunft eine Führungsfunktion zu übernehmen, habe mich aber mit dieser Frage noch nicht konkret beschäftigt. 

Alles unter einen Hut gebracht

Die Studienzeit war intensiv. Ich schrieb die Diplomarbeit, legte alle Prüfungen ab und spielte gleichzeitig zum ersten Mal in meinem Leben in einem Freilichttheater mit. Ich bin unglaublich froh, dass ich die Herausforderung nicht gescheut und alles unter einen Hut gebracht habe.