Bundesrat Alain Berset hat bekannt gegeben, dass die mittlere Prämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im nächsten Jahr um 0,2 Prozent steigt. Was sagen Sie dazu?
Ich bin kein Verfechter von durchschnittlichen Prämienveränderungen. Es gibt sicher Kantone, in denen die Prämie gesenkt wurde, und Kantone, in denen die Prämie aufschlägt. Daher sind die 0,2 Prozent für mich wenig aussagekräftig.

Der Anstieg falle dabei im Vergleich zu den Vorjahren moderat aus, was auch auf die bereits getroffenen Massnahmen zur Kostendämpfung zurückzuführen ist, sagte Berset. Ist das auch Ihre Einschätzung?
Zum Teil. Es ist sicher zu begrüssen, dass Bundesrat Berset Kostendämpfungsmassnahmen angeordnet hat und die moderate Prämienerhöhung ist sicher auch auf diese zurückzuführen. Corona spielt sicher auch eine wesentliche Rolle. Spitäler durften über Monate keine Wahleingriffe vornehmen, was sich sicher positiv auf die Kosten auswirkte. Der aktuelle Mix aus Corona-bedingten Mehr- und Minderkosten ist daher schwierig zu beurteilen. 

«Corona hat gezeigt, dass viele Eingriffe nicht durchgeführt werden mussten, weil sie medizinisch nicht begründbar waren.»

Wie stark werden die Prämien bei Atupri steigen?
Wenn wir Bundesrat Bersets Durchschnitt anwenden wollen, dann steigen die Prämien bei uns um 1,9 Prozent.

Der Bundesrat verlangt weitere Massnahmen, damit die Kosten nur in dem Umfang steigen, welcher medizinisch begründbar ist. Was halten Sie von dieser Aussage?
Es ist wichtig, dass auf der Kostenseite angesetzt wird, was wir mit Nachdruck unterstützen. Corona hat gezeigt, dass viele Eingriffe nicht durchgeführt werden mussten, weil sie medizinisch nicht begründbar waren. Die Leistungserbringer müssen daher stärker in die Pflicht genommen werden und Hand bieten für weitere Kostendämpfungsmassnahmen. Die zentrale Frage ist jedoch, ob das Parlament auch gewillt ist, solche kostendämpfende Massnahmen zu unterstützen.

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Zudem will Alain Berset, dass Krankenversicherer ihre Reserven abbauen, um Prämien zu verbilligen. Liegt das bei Atupri drin?
Die Reserven gehören den Versicherten und dienen als Sicherheit gegen unvorhergesehene Ereignisse wie Corona. Daher ist es wenig sinnvoll, Reserven aufzulösen, dies würde einzig einer künftigen einmaligen, moderaten Prämienrunde dienen. Aufgrund der unsicheren Entwicklung, speziell auch wegen der ausserordentlichen Situation ist es wenig angebracht, diesbezüglich Versprechen abzugeben.

Wie sieht Ihr Szenario aus, wenn dereinst ein Impfstoff gegen das Covid-19-Virus entwickelt ist? Werden Sie die Kosten finanziell stemmen können?
Eine Impfung ist keine Krankheitsbehandlung, sondern eine präventive Leistung. Der Bundesrat wird entscheiden, wer die Impfung zu bezahlen hat. Selbstverständlich sind aber die Krankenversicherer bereit, ihren Anteil an den Kosten zu leisten, genau für solche unvorhergesehene Kosten haben wir die Reserven.

«Unsere Kunden sind verantwortlich für ihre Gesundheit, weil dies das höchste Gut eines jeden ist.»

Im Jahr 2016 hat Atupri die Strategie letztmals angepasst. Ist keine Neuauflage geplant? 
Nein, es ist keine Neuauflage geplant. Die Strategie wurde 2016 klar geschärft und definiert und der Stiftungsrat überprüft diese alle drei Jahre und nimmt, wenn notwendig, Korrekturen vor. Wir sind gut unterwegs und ein Kurswechsel scheint nicht angezeigt.

Damals hatten Sie auch die Umbenennung vorgenommen. Seither ist Atupri keine klassische Krankenkasse mehr, sondern eine «Gesundheitsversicherung». Was hat diese Marketing-Strategie konkret gebracht?
Unsere Kunden sind verantwortlich für ihre Gesundheit, weil dies das höchste Gut eines jeden ist. Dafür ist er verantwortlich – genau nach unserem Slogan «dein Leben, deine Gesundheit». Unsere Kunden sind sich dessen bewusst und wir befähigen sie dazu, ihren Beitrag zu leisten, damit sie sich gesund fühlen können.

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Atupri will einen nachhaltig gesunden Lebensstil fördern und nicht kurzfristige Veränderungen. Wie machen Sie das?
Indem wir die Versicherten befähigen und unterstützen, das zu machen, was ihnen guttut. Atupri setzt nicht auf Belehrung oder einseitige Empfehlungen. Gesund ist, was dir guttut. Wir heben nicht den Mahnfinger, sondern wollen Lebensfreude vermitteln. Dabei setzen wir auf die Selbstverantwortung unserer Versicherten und helfen ihnen dabei. Dies z. B. in Form von Beiträgen aus unseren Zusatzversicherungen, mit einer Sporttyp-Beratung in Zusammenarbeit mit der Universität Bern oder mit einem Ernährungsfragebogen mit der Ernährungsberatungsstelle.

Atupri ist von den Wurzeln her eigentlich die Kasse der Eisenbahner und Pöstler. Haben Sie abgesehen von den Staatsbediensteten und ihren Familien auch Privatkunden gewinnen können? 
Atupri war ursprünglich die Krankenkasse SBB für die SBB-Angestellten. Heute haben wir noch ca. 12 Prozent treue SBB-Angestellte mit ihren Familien in unserem Kundenstamm. Tönt nach wenig; wir sind seit der Öffnung fünfmal grösser geworden und von den rund 200’000 Versicherten hat die Mehrheit keinen SBB-Hintergrund mehr. 

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In Kooperation mit Mammut Alpine School bieten Sie Events wie etwa eine zweitägige Hochtour für Einsteiger auf das Breithorn, eine dreitägige Tour über den grossen Aletschgletscher oder einen Kurs zu Stress- und Schlafmanagement. Was bezwecken Sie mit solchen Anlässen?
Vorab bieten wir mit diesen Events interessierten Personen ein unvergessliches Erlebnis an. Die Events spiegeln aber auch die Vielfalt der Möglichkeiten, wie man sich etwas Gutes tun kann. Das kann sowohl gemütliches Stand-up paddeln wie auch eine anspruchsvolle Tour oder gesunder Schlaf sein. Gesund ist, was guttut. Und das ist individuell.

«Wir gehen davon aus, dass Kryptowährungen zunehmend auch als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen werden. Das Erweitern um diese Zahlungsmöglichkeiten ist deshalb ein logischer Schritt.»

Solche Events passen sicherlich zur einer «Gesundheitsversicherung». Denken Sie über einen Ausbau zu einem eigenständigen und gewinnorientierten Geschäftssegment neben den Bereichen Kranken- und Unfallversicherung für Private nach? 
Selbstverständlich ja, lassen Sie sich überraschen.

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Atupri akzeptiert als erster Schweizer Versicherer Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Wir gehen davon aus, dass Kryptowährungen zunehmend auch als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen werden. Das Erweitern um diese Zahlungsmöglichkeiten ist deshalb ein logischer Schritt. Erste Kunden haben dies denn auch schon genutzt.

Und wie gehen Sie denn mit den teilweise massiven Preisschwankungen bei Bitcoin und Ethereum um?
Atupri ist dem sorgsamen Umgang mit den Prämiengeldern und den Reserven verpflichtet. Wir tragen daher kein Währungsrisiko. Das Risiko für Kursschwankungen trägt die Bitcoin Suisse AG. Die Zahlung an Atupri erfolgt immer in Schweizer Franken. Atupri hält selbst keine Kryptowährungen.