Riskwolf! Ihr Firmenname klingt für mich bedrohlich. Wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?
Risk steht für Risiko – das ist im Kontext der Versicherungsindustrie klar positioniert. Der Wolf hat im Alpenraum eine ambivalente Bedeutung. Ganz im Gegenteil dazu ist er in Asien ein integraler Teil der Geschäftskultur und steht für Ausdauer, Unabhängigkeit, Teamwork und einen guten Riecher haben. 

Riskwolf steht für ein agiles Team, das sich unter schwierigen Umständen orientieren und fokussiert Ziele erreichen kann. 

Es ist für uns absolut zentral, dass wir unsere Firmenkultur mit starken Werten verknüpfen: einfach, zuverlässig, schnell. Diese Werte vertreten wir intern und extern. Wir glauben, dass eine positive Firmenkultur sowie ein absolut professionelles Verhalten gegenüber unseren Kunden und Investoren die entscheidenden Faktoren zum Erfolg sind.

Parametrische Versicherung

  • Im Gegensatz zu traditionellen Versicherungslösungen stehen beim parametrischen Deckungsansatz eindeutige Kennwerte (daher «Parameter» als Namensgeber) im Zentrum der Betrachtung. Im Falle einer Über- oder Unterschreitung der vereinbarten Schwellenwerte wird die entsprechende Deckungssumme bis zur Höhe der vom Kunden bestätigten, tatsächlich entstandenen Schäden gezahlt.
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Riskwolf arbeitet mit Versicherungen zusammen, um «die digitale Wirtschaft gegen Unterbrüche zu schützen». Was sind Sie nun? Versicherer, Broker oder Consultant?
Riskwolf bietet eine technische Plattform, die es Versicherungen erlaubt, parametrische Produkte zu entwickeln, zu kalibrieren, den Kundenbedürfnissen entsprechend anzupassen sowie zu betreiben.

Unsere Plattform unterstützt Underwriting, Pricing und Schadenabwicklung, bietet vielfältige Datenquellen und erlaubt es Versicherern, unter eigenem Namen parametrische Produkte digital zu vertreiben.

Bezüglich Look und Feel kann ich Sie gerne zu unser Product-Studio-Demo einladen.

«Riskwolf hat ein tragfähiges Ausfall-Reporting aufgebaut, das in der Lage ist, potenzielle Schadenereignisse aufgrund von Signalen in den Datenströmen zu erkennen.»

Vielen Dank für Ihre Einladung, ich komme darauf zurück. Auf Ihrer Website schreiben Sie, die Handhabung von «connectivity risks» sei Ihre Kernkompetenz. Was verstehen Sie darunter?
Es handelt sich dabei um drei Kompetenzen: erstens um die Fähigkeit, das Risiko zu verstehen und einen fairen Preis zu bestimmen. Riskwolf hat die historischen Daten sowie die statistischen Modelle, Unterbrüche und Probleme in der Konnektivität im Internet zu erkennen, zu vermessen sowie versicherungstechnisch zu bepreisen. Wir haben einen Datenpool mit mehr als 20 Quellen, der kontinuierlich wächst, und können eine Historie von einigen Jahren abbilden. Da sich das Internet bezüglich Performanz, Topologie und Technologie ständig ändert, reichen – im Gegensatz zu traditionellen Versicherungsprodukten – wenige Jahre. Jedoch braucht es sehr viele Datenpunkte.

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Zweitens: Riskwolf hat ein tragfähiges Ausfall-Reporting aufgebaut, das in der Lage ist, potenzielle Schadenereignisse aufgrund von Signalen in den Datenströmen zu erkennen. Probleme wie Internet-Ausfälle und andere digitale Risiken werden identifiziert und vermessen sowie mit einer entsprechenden parametrischen Versicherungspolice verknüpft. Diese Real-Time-Komponente kann je nach Produkt im notwendigen Takt umgesetzt werden.

Und drittens: Agilität bei der Umsetzung. Sobald der Preis vom Aktuariat genehmigt ist, kann der Underwriter kundengerecht die Produkt-Kalibrierung vornehmen. Durch die digitale Natur kann dies von jedem Ort der Welt aus passieren, d. h., Versicherer können auch in neue Märkte vorstossen. Danach können die Produkte auf Knopfdruck in Betrieb gesetzt werden und das Ausfall-Reporting wird aktiviert. Wir unterstützen dabei die Integration zum Versicherer mit API und verwenden – wo vorhanden – Industriestandards wie jene von Acord.

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Dies ist ein HZ Insurance-Artikel

Weitere Artikel von HZ Insurance finden Sie auf der Übersichtsseite.

«Unser Ziel ist es, für Versicherer der präferierte Partner für digitale Risiken zu werden.»

Mit Verlaub: Selbst als parametrische Versicherungsplattform gehören Sie nicht zu den Ersten im Markt. Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie aus?
Die 2020er Jahre werden das goldene Jahrzehnt der Plattform-Ökonomie sein. Diese ist hochvernetzt und läuft im 24/7-Betrieb. Parametrische Versicherung ist das natürliche Modell für digitale Plattformen. Versicherungsprodukte müssen einfach kalibrierbar, schnell und kundengerecht umsetzbar sein sowie einen automatisierten Schadenprozess und schnelle Zahlungsprozesse unterstützen. Diese Bedürfnisse können mit traditionellen Versicherungsprodukten nicht mehr effizient gelöst werden. Technisch sprechen wir hier von der automatischen Verwaltung von Millionen von Mikro-Verträgen.

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Im Bereich Internet-Ausfall gehen wir von einem globalen Marktvolumen von 40 Milliarden Franken aus. Dies ist konservativ berechnet und umfasst die parametrisch versicherbaren Produktivitätsverluste auf Basis der Datenlage von historisch gemeldeten Netzwerkstörungen der letzten fünf Jahre. Wir sehen täglich neue Probleme. Z. B. hat der Ausfall der Internetservices des CDN-Dienstes Fastly vom 8. Juni 2021 laut unseren Berechnungen einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht.

Eine weltweit führende Rückversicherung nutzt Riskwolf, um ein «Internet-Outage»-Produkt zu lancieren, das wir via digitalen Plattformen und Telekommunikationsanbietern im Endkundengeschäft positionieren. Dieses zielt auf sieben süd- und südostasiatische Länder mit einem potenziellen Prämienvolumen von mehreren 100 Millionen Franken ab. 

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Wir sind zudem daran, ein «Cloud-Outage»-Produkt im Auftrag eines führenden europäischen Versicherers und eines globalen Rückversicherers für Zielmärkte in Osteuropa zu definieren und zu kalibrieren.

Kurzum, unser Ziel ist es, für Versicherer der präferierte Partner für digitale Risiken zu werden.

«Wir glauben, dass Versicherungsprozesse sich der Technologie sowie der Logik der Plattform-Ökonomie anpassen müssen.»

Sie haben ambitionierte Ziele, wie ich sehe. Wenn ich mir die Kurz-Viten von Ihnen und Ihren Partnern René Papesch, Peter Belko und Ashish Trivedi anschaue, konstatiere ich, dass Sie alle – etwas überspitzt gesagt – aus der Technikecke kommen, ohne direkte Erfahrung in der klassischen Industrie, die einmal zu Ihrer Kundschaft zählen soll. 
Wie schon erwähnt ist Riskwolf eine Technologieplattform, die Versicherungsunternehmen unterstützt. Daher sehen wir unseren Technologiefokus als Vorteil. Der parametrische Ansatz ist hochgradig analytisch und datenbasiert. Diese Kompetenzen sind tief im Team verankert. Zudem wird das vorhandene Business-Know-how durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden stets weiterentwickelt.

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Wir glauben, dass Versicherungsprozesse sich der Technologie sowie der Logik der Plattform-Ökonomie anpassen müssen. Die Beispiele von integrierten Versicherungslösungen bestätigen dies: Swiss Res Iptiq-Hausratversicherung bei Ikea, Grabs wachsendes Versicherungsgeschäft in Südostasien oder Teslas integrierte Autoversicherung. Es werden täglich mehr und es gibt keinen Weg zurück.

Sie selber waren zwei Jahrzehnte in der Versicherungs- und Rückversicherungsindustrie tätig. Was hat Sie dazu bewogen, auszusteigen und Riskwolf zu gründen?
Ich sehe das nicht als Ausstieg, mit Riskwolf wollen wir unseren Beitrag zur Modernisierung der Versicherungsindustrie leisten. Insofern ist die Gründung von Riskwolf die logische Konsequenz des bisherigen Werdegangs. Für mich persönlich geht es darum, eine faszinierende Business-Idee konkret umzusetzen, ein starkes Team aufzubauen und Riskwolf in der Versicherungsindustrie zu positionieren.

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«Eine wichtige Stärke des Wolfes ist die Unabhängigkeit, und dies gilt auch für Riskwolf als Plattformbetreiber.»

Ich beobachte oft, dass erfolgversprechende Insurtech-Geschäftsmodelle rasch von etablierten Marktteilnehmern kopiert oder dass Startups zur Kooperation «eingeladen» oder schlicht übernommen werden ...
Es ist noch zu früh, um uns Gedanken über allfällige Veränderungen zu machen. Wir haben die Reise erst begonnen und sind nun neugierig auf die weiteren Etappen. Wir versuchen, das Beste für unsere Kunden und deren Kunden zu erreichen. Wir integrieren kontinuierlich neue Fähigkeiten und schaffen Mehrwert. 

Um auf den Namen zurückzukommen: Eine wichtige Stärke des Wolfes ist die Unabhängigkeit, und dies gilt auch für Riskwolf als Plattformbetreiber. 

Konnektivität, also die Fähigkeit einer Maschine oder eines Geräts, mit anderen Maschinen, Geräten oder Einrichtungen verbunden zu werden, ist vermutlich das Zauberwort jeder digitalen Wirtschaft. Wie wollen Sie es schaffen, stets an der Spitze mitzumischen?
Unsere Vision ist es, eine einfach erweiterbare Plattform zu entwickeln, die es erlaubt, einfach und schnell neue Datenquellen und neue Funktionen zu integrieren. Die Skalierung erreichen wir mit einem offenen Modell und Partnerschaften.

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Unser Team ist global aufgestellt. Unsere Leute sind vor Ort in den wichtigen Wirtschaftsregionen am Puls der Märkte. Ausserhalb der Schweiz sind dies per Stand heute Deutschland und Österreich sowie Osteuropa, London, New Delhi, Bangkok und Singapur.