Braucht es für die Beratung und Vermittlung von Versicherungen neue Regulierungen? Das Thema, das anlässlich der Revision des Versicherungsaufsichtsgesetzes hochaktuell ist, stiess beim ersten Online Future.Talk des Instituts für Versicherungswirtschaft (IVW) der Uni St. Gallen auf grosses Interesse. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer loggten sich ein, um den Fachreferaten und der Podiumsdiskussion zu folgen. Der Direktor des IVW, Martin Eling, und der geschäftsführende Direktor Hato Schmeiser führten durch den Nachmittag und verwiesen auch auf ihre aktuelle Studie, welche das Vergütungssystem in der Schweiz, mit einem Blick über die Landesgrenzen hinaus, erörtert.

Hato Schmeiser startete – mangels anwesender Kritiker – mit jenen Punkten, die in Bezug auf das heutige Modell für Unmut sorgen: die Intransparenz, weil die Versicherungsnehmer die Höhe der Courtagen nicht kennen, und mögliche Fehlanreize. Diese könnten dazu führen, dass Vermittler den Kunden eher jene Produkte anbieten, die eine höhere Courtage abwerfen. Schmeiser zeigte denkbare Alternativen auf; beispielsweise eine Begrenzung in der Höhe, volle Transparenz gegenüber den Versicherungsnehmern oder Honorarberatungen statt Provisionen. Er warnte aber auch vor Trugschlüssen: «Es gibt kein Modell ohne Nachteile beziehungsweise ohne andere Fehlanreize.» Wenn die Courtagen den Versicherungsnehmern ausgewiesen würden, seien diese geneigt, das Produkt mit den tiefsten Kosten zu nehmen. «Das ist nicht zwingend das Produkt, das ihren Bedürfnissen gerecht wird.» Bei Honorarberatungen hingegen, wie das in Grossbritannien und anderen Ländern zum Teil gesetzlich verankert wurde, hätten kleinere Firmen das Nachsehen. Diese könnten sich teure Beratungen tendenziell nicht leisten und es entstünde eine Lücke.

SIBA und SVV gegen Verbot

Auch Urs Arbter vonseiten des SVV sowie Jean-Michel With, der als SIBA-Vorstandsmitglied die Brokerseite vertrat, lehnten ein mögliches Verbot in der beruflichen Vorsorge ab. Arbter wies darauf hin, dass heute Wahlfreiheit besteht und viele Kunden sich bewusst für das Courtagenmodell entscheiden. «Das ist freie Marktwirtschaft und wir sind überzeugt, dass das mehr wert ist als Regulierungen.» Er verwies auch noch einmal auf den kritischen Art. 69 BVG, der «im letzten Moment und ohne Vernehmlassung» in die kürzlich vom Bundesrat verabschiedete Botschaft aufgenommen wurde. Dieser würde dem Bund die Kompetenz zur Marktregulierung, bis hin zu einem Courtagenverbot, erteilen. 

Jean-Michel With ging auf weitere Auswirkungen der vorgesehenen Gesetzesänderung ein. So wird es in Zukunft beispielsweise nicht mehr möglich sein, sowohl als gebundener wie auch ungebundener Vermittler tätig zu sein. Er ging auch auf die Folgen von stärkeren Regulierungen für die Praxis ein: «Wenn heute ein Unternehmenskunde viel Zeit in Anspruch nimmt und ein anderer weniger, entsteht faktisch ein Ausgleich.» Vermehrte Regulierungen hätten zur Folge, dass die einzelnen Kunden immer rentieren müssen, weil keine Überschüsse mehr zulässig sind. «Nicht rentable Kunden können so entweder nicht mehr betreut werden oder müssen etwas dazuzahlen.»

Umfrage für mehr Transparenz

In der anschliessenden Kurzumfrage sprach sich denn auch die Mehrheit gegen Regulierungen und für die in der Gesetzesrevision vorgesehene Transparenz aus. Wenn weitere Eingriffe nötig werden, favorisierten die Teilnehmenden als ergänzende Mittel weitere Transparenzpflichten, denkbare Zusatzausbildungen oder eine stärkere Haftung bei Fehlverhalten.

Nach einer kurzen Podiumsdiskussion zog Hato Schmeiser abschliessend das Fazit: «Ein spannendes Thema in der Schweiz, besonders weil es sich bei der beruflichen Vorsorge um eine weitgehend obligatorische Versicherung handelt. Bevor man anfängt, in einem so bedeutenden Markt zu regulieren, wäre es aber wichtig zu wissen, wie erheblich die Fehlanreize tatsächlich sind.»