Vor wenigen Jahren war die firmeneigene Pensionskasse für viele KMU selbstverständlich. Sie galt als Ausdruck unternehmerischer Eigenständigkeit: Man bestimmte die Anlagestrategie, legte Vorsorgepläne fest und übernahm Verantwortung für die Belegschaft. Der Stiftungsrat, bestehend aus Vertretern des Arbeitgebers und der Arbeitnehmerschaft, steuerte die Vorsorgeeinrichtung eigenständig und trug die volle Verantwortung für Finanzierung, Risikomanagement und die langfristige Stabilität.
Heute ist die Situation komplexer. Seit 2013 haben über sechshundert Unternehmen ihre eigene Vorsorgeeinrichtung aufgegeben. Die regulatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Governancevorgaben, verschärfte Aufsichtspraxis sowie höhere Anforderungen an Transparenz und Dokumentation erhöhen den Aufwand deutlich. Der Stiftungsrat bleibt als oberstes Organ verantwortlich und haftet bei Pflichtverletzungen persönlich. Gleichzeitig verlangt die Führung einer autonomen Vorsorgeeinrichtung zum Beispiel vertiefte Kenntnisse in der Vermögensverwaltung, in versicherungstechnischen Themen und in der Reglementsgestaltung.
Hohe Sicherheit durch Vollversicherung
Oft beginnt die strategische Auseinandersetzung mit der firmeneigenen Pensionskasse aus einem Anlass: Ein langjähriges Stiftungsratsmitglied oder der Geschäftsführer tritt zurück, eine Nachfolge lässt sich schwer finden, und die Kosten für Revision, Experten und Verwaltung steigen. Dazu zeigt die Jahresrechnung, dass die Fixkosten pro versicherte Person überdurchschnittlich hoch sind. Spätestens dann stellt sich die Frage nach der strukturellen Tragfähigkeit.
Eine firmeneigene Pensionskasse verursacht Kosten, die unabhängig von der Grösse anfallen. Bei kleineren Versichertenbeständen sinkt die Effizienz, da sich die Fixkosten auf weniger Versicherte verteilen und die Kosten pro Kopf steigen. Dazu beeinflusst die Altersstruktur die Risikofähigkeit: Ein höherer Rentneranteil führt zu grösseren Verpflichtungen, bindet Reserven und schränkt den Handlungsspielraum in der Finanzierung und Anlagestrategie ein. Hier stellt sich die Frage: Kann das Unternehmen die Verantwortung dauerhaft tragen – personell, fachlich und finanziell? Oder ist die Integration in eine kollektive Vorsorgestruktur sinnvoller?
Alain Grand ist Fachleiter Vorsorge bei Tellco, einem unabhängigen Schweizer Finanzdienstleister mit Sitz in Schwyz, der seit 1995 umfassende Lösungen in den Bereichen Vorsorge (2. und 3. Säule), Vermögensverwaltung, Banking und Immobilien anbietet.
In der Praxis kommen Vollversicherungen und teilautonome Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen infrage. Bei einer Vollversicherung garantiert ein Lebensversicherer die Altersguthaben und die vereinbarten Leistungen. Er trägt das Anlagerisiko und die versicherungstechnischen Risiken. Eine Unterdeckung ist ausgeschlossen. Für das Unternehmen bedeutet das hohe Sicherheit und Planbarkeit, jedoch zu höheren Kosten und mit wenig Einfluss auf die Ausgestaltung der Lösung.
Teilautonome Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen sind anders organisiert. Die Risiken Tod und Invalidität werden in der Regel rückversichert, während das Alterskapital kollektiv am Kapitalmarkt angelegt wird. Das Anlagerisiko trägt die Stiftung. Administration, Governance, Compliance und Vermögensanlage erfolgen in professionellen Strukturen mit klar definierten Verantwortlichkeiten.
Nicht nur die Kosten sind entscheidend
Für KMU ist das von Vorteil: Die Fixkosten verteilen sich auf einen breiteren Versichertenbestand, regulatorische Anforderungen werden zentral erfüllt, und die operative Führung entfällt. Gleichzeitig kann das Unternehmen – je nach Modell – seinen Vorsorgeplan und dessen Finanzierung ausgestalten. Die Verantwortung verschiebt sich damit von der Führung einer Stiftung hin zur Auswahl einer Vorsorgelösung, bei der die Möglichkeit besteht, die Anlagestrategie weiterhin individuell zu bestimmen.
Nicht nur die Kosten sind entscheidend. Zu beurteilen sind auch der Deckungsgrad, die Finanzierung der technischen Rückstellungen, die strukturelle Risikofähigkeit und die langfristige Stabilität der Vorsorgeeinrichtung. Ebenso sind Servicequalität, digitale Plattformen und transparente Berichterstattung relevant. Die Frage lautet daher weniger, ob Autonomie erstrebenswert ist. Entscheidend ist, ob sie langfristig tragfähig bleibt.
Eine firmeneigene Pensionskasse bindet dauerhaft Ressourcen und verlangt ausgewiesene Fachkompetenz und eine robuste Governance. Fehlen diese Voraussetzungen oder stehen sie nicht mehr im Verhältnis zur Unternehmensgrösse und -strategie, wird Autonomie zum Risiko. Dann ist der Anschluss an eine kollektive Lösung kein Rückschritt, sondern ein unternehmerisch konsequenter Entscheid zur Stärkung von Stabilität, Professionalität und Risikokontrolle.
Dieser Beitrag ist Teil des am 26. März 2026 erschienenen HZ-Insurance-Print-Specials «Vorsorge».


