Die Corona-Pandemie zwingt die Unternehmen zu einschneidenden Massnahmen bei den Mitarbeitenden. Mit Kurz- und Teilzeitarbeit wurde der erste wirtschaftliche Schock abgefangen. Jetzt gilt es, die Möglichkeiten für eine Anpassung des Personalbestandes während einer drohenden Rezession auszuloten. Dazu gehören auch flexible Pensionierungsmodelle. Immer mehr Firmen erleichtern in der beruflichen Vorsorge mit neuen Lösungen den gleitenden Übergang in den Ruhestand. Die Beschäftigten sollen früher, später oder gestaffelt den Arbeitsprozess verlassen können. Und dies gespickt mit weniger reglementarischen Hürden.

Weniger Einbussen

Im aktuellen Dreisäulensystem ist vor allem die staatliche AHV wenig flexibel ausgestaltet. Der Rentenbezug  lässt sich lediglich zwei Jahre vorziehen und bis maximal fünf Jahre aufschieben. Wer früher in Pension geht, muss zudem mit happigen Abstrichen kalkulieren. Das soll nach den Vorstellungen des Bundesrats künftig etwas abgefedert werden. Statt eines lebenslangen Abzugs von 6,8 Prozent soll die Rente bei einer Pensionierung ein Jahr früher lediglich um 4 Prozent vermindert werden. Erfolgt die Frühpensionierung schon zwei Jahre vorher, sind anstelle  der Reduktion um 13,6 Prozent  nur 7,7 Prozent vorgesehen. Und neu soll der Bezug einer AHV-Rente schon drei Jahre vor dem ordentlichen Pensionierungsalter möglich sein – allerdings mit einer Schmälerung von 11,1 Prozent.

Lücken durch freiwilligen Einkauf schliessen

Auch in der beruflichen Vorsorge ist es teuer, wenn ein Versicherter vorzeitig in Pension geht. In vielen Fällen kann man sich bereits mit 58 Jahren pensionieren lassen, aber die meisten Vorsorgeeinrichtungen kürzen die Rente lebenslang um 3 bis 5 Prozent pro Vorbezugsjahr. Das lässt sich aber durch einen zusätzlichen Einkauf in die Pensionskasse teilweise oder vollständig ausgleichen. Mögliche Lücken in der Altersvorsorge können auch durch den Kauf einer Leibrente vermindert werden. Dabei gilt es aber zu beachten, dass der Umwandlungssatz bei einer Leibrente deutlich tiefer liegt als im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge. Angesparte Gelder aus der Säule 3a sorgen zudem für besseres finanzielles Gleichgewicht. Bei einer zwangsweisen Frühpensionierung zahlt die Pensionskasse oft eine Überbrückungsrente aus, bis die betroffene Person das ordentliche Rentenalter erreicht.

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Versicherer mit fortschrittlichen Modellen

Neuartige Pensionierungsmodelle stehen schon lange zur Diskussion. Obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen sind, werden die Statuten der Vorsorgeeinrichtungen jedoch nur zögerlich angepasst. Dabei wirkt sich der Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Verschiebungen vor allem in den technischen Berufen aus. Angestammte Expertise und Know-how sind für die Unternehmen wichtig. Aus einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz geht allerdings hervor, dass die Arbeitgeber bei älteren Mitarbeitenden eine möglichst geringe vertragliche Abhängigkeit wollen. Demgegenüber möchten die Beschäftigten vorab eine längerfristige Arbeitsplatzsicherheit. Wenn es um flexible Ruhestandsregelungen geht, zeigen sich speziell Grossfirmen innovativ. Schon vor Jahren hat etwa die SBB Modelle vorgestellt, mit denen die Mitarbeitenden ihre Erwerbstätigkeit und den Übergang in den dritten Lebensabschnitt individueller gestalten können. Eine Variante setzt dabei gezielt Anreize, um länger im Arbeitsprozess zu verbleiben.

Mit gutem Beispiel voran

Nicht zufällig haben sich jüngst die im Vorsorgegeschäft engagierten Versicherungsgesellschaften mit fortschrittlichen Pensionierungsmodellen für die eigenen Mitarbeitenden profiliert. So bietet etwa Axa den Beschäftigten über 58 Jahren eine Reduktion des Arbeitspensums um maximal 20 Prozent an, dies unter Beibehaltung des versicherten Lohns in der Pensionskasse. Bei Swiss Life gestaltet rund ein Drittel der älteren Mitarbeiter den Übergang in den Ruhestand flexibel und manche bleiben bis ins Alter von 70 Jahren beruflich aktiv. Wichtig auch bei diesem Lebensversicherer: Ein verminderter Beschäftigungsgrad führt nicht zu Verlusten in der Pensionskasse. Ohne die kreative Neuorientierung in einer digitalen Arbeitswelt geht es allerdings nicht. Dazu gehören nebst Teilzeitarbeit die fliessende Pensionierung mit einem reduzierten Pensum vor dem ordentlichen Rentenalter und die Verlängerung über die Pensionierung hinaus.