Darum geht's

  • Die Werte und Wünsche der Zoomer stellen Banken, Versicherer und Produktanbieter vor grosse Herausforderungen.
  • Wie in ihrem Arbeitsleben orientieren sie sich auch beim Investieren nicht an den Mustern älterer Generationen.
  • Die jungen Kundinnen verlangen nach Transparenz, auch in Bezug auf Gebühren und Investmentstrategien.

Die Generation Z setzt neue Massstäbe in der Investitions- und Arbeitswelt. Ihre Prioritäten unterscheiden sich deutlich von denen älterer Generationen, und Technologie und Individualismus stehen im Mittelpunkt. Geprägt von Umwelt, geopolitischer Lage, Wirtschaft und gesellschaftlichen Strömungen und Problemen hat jede Generation ihre eigenen Werte und Verhaltensmuster. So «tickt» die Generation Z – die Zoomer, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden – denn auch anders als die Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) und wieder anders als ältere Generationen wie die Babyboomer (Jahrgänge 1946 bis 1964). Auch wenn die individuellen Wertvorstellungen innerhalb einer Generation sehr grosse Unterschiede aufweisen können, gibt es doch eine Reihe spezifischer Merkmale, die die verschiedenen Altersgruppen kennzeichnen – in Bezug auf Lebensphilosophie, Arbeit, Freizeit, Geld und Investitionen.

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Kommunikation und Job-Hopping

Studien zufolge strebt die Generation Z in der Arbeitswelt nach Nachhaltigkeit, sozialem Engagement und hohen moralischen Standards. Sie legt Wert auf digitale Mobilität und Flexibilität, und die Identifikation mit dem Arbeitgeber ist ihnen wichtig. Zoomer wünschen sich am Arbeitsplatz in erster Linie eine ehrliche und offene Kommunikation, aber das Einkommen steht bei der Jobwahl an zweiter Stelle. Sie möchten als junge Beschäftigte ernst genommen werden, und trotz ihrem Wunsch nach Trennung zwischen Beruf und Privatleben sind sie als erste echte Digital Natives stets über diverse Kanäle erreichbar.

Wurde früher ein häufiges Wechseln der Arbeitsstelle von Arbeitgebern als negativ wahrgenommen, müssen sie sich nun an das Verhalten der Zoomer und jüngeren Millennials anpassen: Für junge Arbeitnehmende ist es selbstverständlich, Job-Hopping zu nutzen, um Gehalt und Qualifikationen zu steigern. Gemäss Daten des amerikanischen Employee Benefit Research Institute aus dem Jahr 2022 blieb ein Viertel der Arbeitnehmenden, die über zwanzig Jahre alt waren, nur ein Jahr oder weniger bei einem Arbeitgeber.

Die Gastautoren

Luba Schoenig und Tonia Zimmermann, Gründerinnen von Umushroom

 

Individuell und Tech-getrieben

Welchen Einfluss haben die Wertvorstellungen der Zoomer auf ihr Anlageverhalten? Investieren wird persönlicher, selbstbestimmter und spiegelt individuelle Werte, dient aber auch dem Aufbau von Vermögen, da Vorsorgeeinrichtungen nicht zwingend überleben. Eine gute Finanzausbildung und zugänglichere Finanzdienstleistungen werden als entscheidend erachtet, um die gewünschte Welt und Umgebung zu gestalten.

Wie in ihrem Arbeitsleben orientieren sie sich auch beim Investieren nicht an den Mustern älterer Generationen. Während ältere Personen den Fokus oft auf Immobilien und stabile Aktienportfolios legen, zeigen sich Zoomer besonders interessiert an Investitionen, die einen direkten Einfluss auf ihre Lebensqualität haben. Ihre Entscheidungsfindung wird von technologiegetriebenen Plattformen und Investment-Communities beeinflusst. Zudem sind Robo-Berater, Investment-Apps und Kryptowährungen für sie keine Neuheit, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Zoomer favorisieren häufig Investitionen in Tech-Giganten wie Apple, Amazon und Google, die sich laut einer Umfrage des Assetmanagers Charles Schwab unter den Top-Holdings junger Investierenden befinden. Aber auch Startups, vor allem in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT) und erneuerbare Energien, sind beliebt. Anstelle von breit gefächerten Marktindizes bevorzugen sie themenorientierte ETFs und Fonds, die sich auf bestimmte Branchen oder Trends konzentrieren.

Viele Zoomer sehen in Kryptowährungen nicht nur eine Investitionsmöglichkeit, sondern auch eine Form des Protests gegen das traditionelle Finanzsystem und eine Möglichkeit, die finanzielle Zukunft zu demokratisieren. Neue Daten von Bloomberg zeigen, dass fast die Hälfte der investierenden Zoomer bereits in Kryptowährungen angelegt hat– ein deutlich höherer Prozentsatz als bei den Millennials und noch älteren Generationen.

Einige nutzen P2P-Kreditplattformen, um Direktkredite an Einzelpersonen oder kleine Unternehmen zu vergeben. Dies ermöglicht ihnen, direkten sozialen oder wirtschaftlichen Einfluss auszuüben und gleichzeitig potenziell höhere Renditen zu erzielen als mit traditionellen Anleihen. Über Crowdfunding-Plattformen können sie direkt in vielversprechende Startups investieren.

Traditionelle Finanzinstitute sollten Fintech-Startups als Partner betrachten.

Transparenz als Schlüssel

Die Werte und Wünsche der Zoomer stellen Banken, Versicherer und Produktanbieter vor grosse Herausforderungen. Investitionen in fortschrittliche Technologien wie Blockchain und KI-gestützte Beratung sind unerlässlich, um Online-Dienstleistungen zu optimieren. Die Einbindung von Gamification kann das Kundenengagement erhöhen, doch ist es ebenso wichtig, die Kundschaft umfassend über Risiken und Chancen zu informieren. In diesem Zusammenhang können Bildungsinitiativen, Webinare und interaktive Tools hilfreich sein.

In unserer Informationsära verlangen die jungen Kundinnen nach Transparenz, auch in Bezug auf Gebühren und Investmentstrategien. Der Schlüssel zur Stärkung des Vertrauens liegt in klarer Kommunikation und Offenheit. Traditionelle Finanzinstitute sollten Fintech-Startups nicht als Konkurrenten, sondern als Partner für Innovationen betrachten. Letztendlich erfordert das Überleben in der künftigen, von neuen Generationen geprägten Finanzwelt eine Mischung aus technologischer Anpassungsfähigkeit, ethischem Handeln und Kundenfokus.