«Mobiliar-Versicherung hat mehr Geld als gute Ideen», «Vaudoise belohnt Aktionäre nach Erfolgsjahr» und «Baloise protzt mit Dividende» – so titelten drei Zeitungen in den vergangenen Wochen die Abschlüsse der schweizerischen Versicherungen. Die Körpersprache der Executives an den Medienveranstaltungen signalisierte deutliche Entspannung.

In diesem Jahr wird sich das ändern. Denn die Branche muss auf drei Herausforderungen reagieren: Zunächst verändert sich – in der Schweiz bisher unmerklich – das wirtschaftliche Umfeld rapide. Deutschland und Italien sind noch ein, zwei Eskalationsstufen von einer Gas- und Energiekrise entfernt. In der Schweiz müssen sich Finanzdienstleister auf Anweisung der Behörden überlegen, wie sie mit einer sich abzeichnenden Strommangellage im März 2023 umgehen. Selbst die Rechenzentren mittelgrosser Schweizer Versicherungen sind nicht alle für tagelange Ausfälle gewappnet. «Bisher haben Investoren hier zu wenige Fragen gestellt, und die Versicherer wurden auch nicht mit höheren Aktienkursen belohnt, wenn sie Vorkehrungen getroffen hatten», sagte kürzlich ein ehemaliger Versicherungs-CEO.

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Dann stellen sich immer mehr Fragen zur Versicherbarkeit von Cyberrisiken. Was in den vergangenen Jahren zu einem neuen Wachstumsfeld im KMU-Umfeld geworden war, droht jetzt selbst zum Risiko zu werden. Der Druck, hier die Risiken zu limitieren, kommt nicht von den Mitarbeitenden der Versicherungen, sondern von den Rückversicherungen. Natürlich können die Gesellschaften ihre Risiken zur Not über Lloyds weitergeben – aber auch da steigen die Preise für Cyberdeckungen stark, denn die möglichen Schadenprofile ähneln denen einer Pandemie, nicht denen einer lokalen Epidemie.

Schliesslich müssen die Versicherungsgesellschaften ihren Kundinnen und Kunden sowie den Investoren zeigen, wie sie mit den vielen Digitalprojekten der vergangenen Jahre Geld verdienen möchten. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen wird hier kaum Geld gemacht, geschweige denn ein Gewinn erwirtschaftet. Als Corpo-rate-Risikoinvestoren machten die Versicherer in den letzten Jahren einen guten Job. Als Innovatoren, die digitale Tools überzeugend zu Ökosystemen zusammenbauen, glänzen sie dagegen nicht. Immerhin: Einige der in den vergangenen Jahren gekauften Startups und Proptechs sind zu Unicorns aufgestiegen. Die hier verbuchten Wertsteigerungen werden zukünftig die Wertverluste bei anderen Bilanzpositionen ausgleichen.

Dieser Beitrag ist erstmalig erschienen am 21. April 2022 im HZ Special Unternehmensversicherungen unter dem Titel "Mehr Geld als gute Ideen".