Wer wissen möchte, wo Swiss Re steht, sollte den langfristigen Rahmen im Auge behalten. So hielt es CEO Christian Mumenthaler an der Jahresmedienkonferenz. Die vergangenen drei Jahre hatten Swiss Re vergleichsweise wenig Gewinne erzielt: Sie lagen unter einer Milliarde Dollar. In den sechs Jahren davor waren es immerhin zwischen drei und fünf Milliarden gewesen.

Mumenthaler erinnert das an die Zeit um die Jahre 2000 und 2001: Auch seinerzeit seien die Preise relativ niedrig und die Schäden hoch gewesen. Am besten sind für Rückversicherungen (natürlich) hohe Preise und eine niedrige Schadenbelastung. Die Schadenbelastung lag 2019 aufgrund grosser Natur- und von Menschen verursachten Schäden mit 2,7 Milliarden Dollar überdurchschnittlich hoch. Und die Preise beginnen sich erst zu erholen.

Das «neue Normal»

Was ist, wenn das aktuelle Bild das «neue Normal» darstellt, zumal die Phase der niedrigen Zinsen zum Open-End-Umgebungsfaktor zu werden scheint? Gemäss Mumenthaler sehen die Swiss Re-Experten bei kleinen Schäden einen klar steigenden Trend, der auf die Klimaerwärmung zurückzuführen ist. Bei den ganz grossen Schäden sei dieser Zusammenhang aber nicht so klar. Und die riesigen Ereignisse, die etliche Milliarden Dollar kosten können, die möchte man bei Swiss Re auch nicht in den eigenen Büchern haben, sondern diese, so Finanzchef John Dacey, an Investoren weiter geben. Swiss Re will im Bereich des alternativen Kapitals, zu dem auch Cat-Bonds gehören, weiterhin eine wichtige Rolle als Sponsor spielen. Ein Sponsor konstruiert solche Bonds und verkauft sie an institutionelle Investoren weiter.

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Problemsparte Corporate Solutions

Laut Christian Mumenthaler möchte man bei solchen Entwicklungen nicht gegen Trends, wie sie beispielsweise durch die Klimaveränderung bewirkt werden, ankämpfen. Verträge mit Erstversicherern laufen typischerweise ein Jahr und so läuft man nicht das Risiko, jahrelang viel mehr zu bezahlen, als man mit den Prämien einnimmt.

Eine solche Situation hat Swiss Re bei der Corporate Solutions-Sparte bereits: Hier ist der gestiegene Verlust auf die Kombination von höheren Schadenforderungen im US-Haftpflichtgeschäft und den internen Umbauarbeiten zurückzuführen. Seit Sommer 2019 arbeitet hier ein neues Sparten-Management. Wenn es gut läuft, wird die Phase der Verluste 2021 zu Ende sein. Im laufenden Jahr werden die Kosten aus Schäden und der Verwaltung noch über den Einnahmen liegen. Swiss Re veranschlagt einen Kosten-Schadensatz von 105 Prozent.

Das Bild in der Problemsparte ist so düster, dass sie die Eigenkapitalquoten des gesamten Konzerns deutlich nach unten zieht. Geld verdient Swiss Re lediglich in der Leben-Sparte, die auf eine Eigenkapitalrendite von 12,4 Prozent kommt. Der Rest, inklusive der Paradesparte P&C-Rückversicherung, verdient die eigenen Kapitalkosten nicht.

Eine gewisse Entspannung soll von den Märkten kommen. Die Januar-Erneuerungsrunde, die für Europa wichtig ist, brachte eine tatsächliche Verbesserung der Preise um plus 1,5 Prozent. Nominal wären es zwar 5 Prozent gewesen, aber wenn man den Einfluss gefallender Zinsen sowie die höheren Verlustannahmen einkalkuliert, bleibt unter dem Strich eine Null bei der Januar-Runde.

Punktuell höhere Preise

Mehr ist gemäss Mumenthaler für die April-Runde zu erwarten, die für den japanischen Markt das Stichdatum ist. Taifune hatten 2019 in Japan Milliardenschäden verursacht. In einzelnen Linien könnte man durchaus zweistellige prozentuale Prämiensteigerungen erwarten. Offen sind bisher die Wirkungen des Corona-Virus. Gemäss Finanzchef John Dacey müsse man die bisher 2000 gestorbenen Menschen in Relation zu einer durchschnittlichen Grippe-Saison setzen, bei der jährlich zwischen 300‘000 und 650‘000 Menschen sterben. Aber man beobachtet bei Swiss Re die Situation «sehr besorgt». Das gleiche gilt für die Situation beim Flugzeughersteller Boeing und den beiden Abstürzen. Swiss Re hatte Boeing eine spezielle Police für den Fall des Groundings der Flotte verkauft und gleichzeitig steht man als Rückversicherung hinter den Erstversicherungsgesellschaften, welche die Passagiere und Fluggesellschaften versichert hatten.

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Die Annahmen, dass Swiss Re im laufenden Jahr einen Kosten- und Schadensatz unter 100 Prozent erreicht, basiert auf solchen Annahmen zu höheren Preisen, Skaleneffekten und tieferen Belastungen durch Naturkatastrophen.

Und auch die digitalen Lösungen wie IptiQ, mit der andere Unternehmen Versicherungspolicen verkaufen können, auch wenn sie die Versicherungsrisiken nicht in den eigenen Büchern haben möchten bzw. können, tragen erst wenig zum Gesamtergebnis bei: Insgesamt waren mit 29 Distributionspartnern 2019 rund 377‘000 Policen verkauft worden. Sie spielten 616 Millionen Prämiendollars ein. Die Zusammenarbeit mit Ikea, die zwei Tage vor der Bilanzmedienkonferenz angekündigt worden war, bildet lediglich ein prominentes Beispiel. Gemäss Swiss Re hatte diese Ankündigung weitaus mehr Aufmerksamkeit in den Medien gefunden als andere Ereignisse wie beispielsweise Jahresergebnisse.

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Hier finden Sie weitere Informationen von den Kollegen von Cash.

 

Eine gewisse Entspannung soll von den Märkten kommen.