Max Küng hat bei seinen Spaziergängen am Basler Rheinufer Bilder aus der Sammlung der Helvetia gedanklich mitgenommen und webt daraus eine Reisereportage. Spätestens seit der Übernahme der Nationale Suisse im Jahr 2014 gehört die Helvetia mit ihrem Kunstengagement zu den führenden in der Schweiz. Mehr als 2000 Werke von 400 Künstlern umfasst die Kunstsammlung des Versicherers aus St. Gallen. Sie alle haben Bezug zur Schweiz. Auf seinem literarischen Spaziergang giesst der Basler Schriftsteller Max Küng Werke aus dem Bestand der Helvetia-Sammlung in eine Erzählung («Vieles ist im Grunde ein Wunder – Ein Spaziergang durch die Helvetia Kunstsammlung mit Max Küng», About Books, 38 Franken), darunter Werke der Basler Malerin Miriam Cahn, des Kunstinstallateurs Beni Bischof, der Malerin Julia Steiner und des Vertreters der Zürcher Schule der Konkreten, Camille Graeser. 

Ausstellungen im Helvetia Art Foyer in Basel

Nach der Übernahme der in Basel beheimateten Nationale Suisse vor sechs Jahren ist die Helvetia zum bedeutendsten Kunstversicherer der Schweiz avanciert. Ganz in der Tradition der Nationale Suisse bleibt es beim Thema Kunst nicht beim Geschäft. Für die Helvetia gehört sie fest zur Unternehmenskultur. Der Versicherer besitzt nicht nur eine der ältesten Firmenkunstsammlungen der Schweiz, sondern engagiert sich auch als Kunstförderer. «Es geht nicht nur um Image. Als Nummer eins in der Kunstversicherung legitimieren wir unser Fachwissen mit der Erfahrung, die wir dank unserer langjährigen Sammlertätigkeit besitzen», erklärt Andreas Karcher, Leiter der Fachstelle Kunstim Mitarbeitermagazin «Viva». 

Zusammen mit der Kuratorin Nathalie Loch konzipiert Karcher thematische Ausstellungen mit Werken aus der Helvetia-Sammlung. Derzeit ist im Art Foyer der Helvetia am Steinengraben in Basel die Ausstellung «Gipfeltreffen» zu sehen (geöffnet jeden Donnerstag von 16 bis 20 Uhr), mit Giovanni Giacomettis Gemälde «Piz Duan» von 1908 und Werken des Expressionisten Hermann Scherer, der Schweizer Malerin Miriam Cahn und vielen anderen. «So aufgewühlt und bedrohlich Miriam Cahns Berge von 1985 erscheinen, so friedlich und still wirkt die Berglandschaft von 2014. Vielleicht liegt in dieser Bandbreite auch ein Grund, warum die Welt der Berge für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler ein spannendes und inspirierendes Motiv bleibt», schreiben Karcher und Loch im Begleittext der Ausstellung.

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Helvetia Kunstpreis dieses Jahr in Fribourg vergeben

Zum festen Bestandteil des Kunstengagements der Helvetia gehört der mit 15’000 Franken dotierte Helvetia Kunstpreis, der 2004 erstmals als Nationale Suisse Kunstpreis vergeben wurde. Er richtet sich an Abgänger von Kunsthochschulen im Bereich Bildende Kunst und Medienkunst. Neben dem Preisgeld erhalten die Gewinner traditionell die Gelegenheit, ihre Werke an der Liste auszustellen, einer Parallelmesse der Art Basel, die auf junge Kunst spezialisiert ist. Ziel der Helvetia ist es, Ideen und Kunstformen neuer Künstlergenerationen mehr Beachtung zu verschaffen. 

Verliehen wird der Preis in diesem Jahr in der Kunsthalle Fribourg Fri Art im Rahmen der Ausstellung Plattform 2020, die zwischen dem 8. und 23. August Arbeiten von Absolventinnen und Absolventen Schweizer Kunsthochschulen zeigt. Nominiert sind die Teilnehmer der Ausstellung, darunter Sitara Abuzar Ghaznawi, die für ihre Rauminstallationen bereits im vergangenen Jahr mit dem Werkpreis der Kantone Ob- und Nidwalden ausgezeichnet wurde, und die Malerin Anita Semadeni. 

Der Jury werden in diesem Jahr neben Andreas Karcher und Nathalie Loch von der Helvetia Joanna Kamm (Liste), Nicolas Brulhart (Fri Art), Julian Denzler (Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen), Ines Goldbach (Kunsthaus Baselland) und Karine Tissot (CHUV Lausanne) angehören. 

Mit Kunst am Bau ein reizvolles Umfeld bieten

Mit seinem Kunstengagement geht es dem Versicherer auch um die Verantwortung gegenüber Gesellschaft und eigenen Mitarbeitenden. «Kunst schafft ein reizvolles Umfeld für alle, die hier arbeiten», sagt Karcher. Für die Mitarbeitenden der Helvetia sei die Kunst «einfach da», Schwellenangst wie etwa beim Besuch einer Galerie komme nicht auf. «Viele Mitarbeitende erachten es als Privileg, von Kunst umgeben ihrer Arbeit nachzugehen.» 

Aktuell stossen die Kunstliebhaber auf ein neues Problem: Durch die Tendenz zu Grossraumbüros verschwindet immer mehr Wandfläche, die zur Hängung klassischer Gemälde unverzichtbar ist. Deshalb sucht die Helvetia jetzt den Weg zur Kunst am Bau und bindet künstlerische Werke unmittelbar in die Architektur ein. Im Treppenhaus am Basler Steinengraben ist beispielsweise Pipilotti Rists raumbezogene Installation «Aufgeweckter Rosenscheitel» (2014) erlebbar und auch Hans Danusers künstlerische Intervention «Joggeli» ist im Basler Verwaltungsgebäude zu bewundern. Daniel Robert Hunziker gestaltete dort die Decke des Personalrestaurants. «Sicher werden diese Voraussetzungen künftig auch unsere Sammlertätigkeit beeinflussen und verändern», sagt Karcher.