Die Corona-Krise hat das Informationsbedürfnis der Menschen sprunghaft gesteigert. Das gilt auch in der beruflichen Vorsorge. Die Pensionskassen müssen vermehrt über Fakten und Zusammenhänge orientieren, die für alle Versicherten wichtig sind. Erwerbstätige und Rentner möchten wissen, welche finanziellen Spuren der wirtschaftliche Einbruch bei der eigenen Vorsorgeeinrichtung hinterlassen hat. Die eingetrübte Stimmung verdeutlicht auch eine im Sommer durchgeführte Umfrage des Schweizerischen Versicherungsverbandes: Drei von vier Befragten erwarten tiefere Renten und befürchten, dass die Pensionskassen ihre Leistung nicht erbringen können. Auch stellen sich vermehrt Fragen etwa zur Kurzarbeit und wie solche lohnmässigen Veränderungen die Beiträge für die Altersvorsorge beinträchtigen. Das Interesse ist begründet: Für die meisten Berufsleute befindet sich der grösste Teil des Vermögens in der Pensionskasse. Da reicht es nicht, einmal pro Jahr den Versicherungsausweis zu verschicken. Gefragt sind zusätzlich bedarfsgerechte Informationen, um je nach individueller Situation die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Vertrauen schaffen

Bei den grossen Vorsorgeeinrichtungen geht es ähnlich wie bei gewichtigen Konzernen um Vermögenswerte in Milliardenhöhe. Darum ist es nicht nachvollziehbar, weshalb die Pensionskassen nicht gleichwertig kommunizieren. Fortschrittliche Kassen verstehen sich heute als betriebliche Einheiten, die im Wettbewerb bestehen müssen. Ein gutes Beispiel dafür sind unabhängige Sammelstiftungen, die um Neukunden werben. Sie versuchen sich mit einer umfassenden Kommunikationsstrategie gegenüber der Konkurrenz zu profilieren. Die Versicherten schätzen das. Verschiedene Studien zeigen, dass bei der beruflichen Vorsorge leicht verständliche Unterlagen und eine gute Kommunikation in der Wichtigkeitsskala ganz oben stehen. Vorbildliche Pensionskassen geben möglichst viele Informationen in einem hohen Rhythmus heraus. Auch wenn eine Vorsorgeeinrichtung mit einer solchen Kommunikationsstrategie nicht alle Versicherten erreicht, schafft sie damit ganz klar mehr Vertrauen. 

Lesefreundliche Kommunikation

Längst nicht alle Verantwortlichen in der beruflichen Vorsorge haben sich einer offensiven Informationspolitik verschrieben. Bei vielen Stiftungsräten herrscht weiterhin die Meinung vor, die komplexe Materie stosse bei den Versicherten auf wenig bis gar kein Interesse. Dabei ist es eben gerade wichtig, diese vermeintliche Komplexität mit lesefreundlichen Kommunikationsmitteln zu überwinden. Weitsichtige Pensionskassen haben ihr Informationsangebot über die pflichtgemässe Abgabe von Daten zum angesparten Altersguthaben und den zu erwartenden Leistungen an die Versicherten wesentlich ausgeweitet. Dazu gehören regelmässig versandte Newsletter, die über kassenspezifische Themen wie zum Beispiel Performance, Verzinsung, Deckungsgrad oder Anpassungen im Reglement informieren. Zentral ist auch die Ansprache von generellen Herausforderungen, denen sich die berufliche Vorsorge im aktuellen Tiefzinsumfeld gegenübersieht. 

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Als attraktiver Arbeitgeber profilieren

Zu einem zeitgemässen Haushalt gehören heute Desktop-Computer, Laptop, Tablet und Smartphone. Die persönlichen Finanzangelegenheiten werden praktisch nur noch über diese Kanäle abgewickelt. Mit dem Ausbau der IT-Systeme sind Lebensversicherer und gewichtige Vorsorgeeinrichtungen in der Lage, den Stand des Altersguthabens aktualisiert auszuweisen. Das ist eine Chance für den intensivierten Dialog zwischen der Pensionskasse und den Versicherten. Via solche Plattformen lassen sich auch allfällige Einkaufsmöglichkeiten bis zum jeweiligen Jahresschluss aufzeigen. Mit einer gut ausgebauten Pensionskassenlösung und der entsprechenden Information nach aussen kann sich eine Firma als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Je mehr das Management mit eingängigen Fakten und bildlichen Darstellungen über die eigene Vorsorgeeinrichtung orientiert, umso höher ist das Verständnis in der gesamten Belegschaft. Der Austausch geschieht in der zweiten Säule grundsätzlich im Spannungsfeld zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Politik. Dabei wird die Diskussion durch zahlreiche Akteure mit zum Teil gegensätzlichen Interessen geprägt. Umso wichtiger ist eine professionelle Kommunikation.