Das lokale Organisationskomitee habe die bestehenden Versicherungspolicen bereits zum grössten Teil für die Kosten der Verschiebung um ein Jahr auf 2021 aufgebraucht, sagten mehrere Insider aus der Assekuranz der Nachrichtenagentur Reuters. Tokio hatte in der vergangenen Woche alle Zuschauer ausgeschlossen, weil sich das Coronavirus im Land wieder stärker verbreitet. Die japanische Metropole hatte mit Zuschauererlösen von umgerechnet rund 815 Millionen Dollar gerechnet. Diese dürften fast auf Null zusammenschmelzen, auch wenn an Veranstaltungsorten ausserhalb der Millionenstadt einige Zuschauer zugelassen sind.

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Während die Sponsoring- und Fernseheinnahmen bei Olympia an das Internationale Olympische Komitee (IOC) gehen, kassieren die Veranstalter die Ticketerlöse. Die Ratingagentur Fitch schätzt, dass sich beide zusammen mit rund 2,5 Milliarden Dollar gegen Ausfälle versichert haben. Branchenkreisen zufolge ist Tokio mit 500 bis 800 Millionen Euro gegen Ausfälle versichert - aber ein grosser Teil davon sei schon im vergangenen Jahr für Umbuchungen von Hotels und Sportstätten verwendet worden. Ingesamt hatte das Tokioter Organisationskomitee die Kosten der Spiele auf 15,4 Milliarden Dollar beziffert.

Hohe Kosten für Rückversicherer

Für das IOC dürfte sich die Lage günstiger darstellen, das durch die Zuschauerausfälle indirekt ebenfalls mit Einbussen rechnen muss. Von seiner Versicherungssumme von 800 Millionen Dollar sei noch mehr übrig, sagte ein Brancheninsider. Denn das IOC sei gegen eine Verschiebung nicht versichert gewesen, so dass es 2020 noch keine Schäden habe anmelden können.

Einen grosser Teil der Schäden durch die fehlenden Zuschauer, die Tokio und das IOC noch geltend machen können, dürften laut Fitch die Rückversicherer begleichen müssen. Die Ratingagentur schätzt deren Belastung durch die «Geister-Spiele» auf 300 bis 400 Millionen Dollar. Swiss Re bekräftigte am Montag, ihr Risiko im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen liege bei 250 Millionen Dollar, bei der Münchener Rück ist das Engagement Branchenkreisen zufolge in etwa doppelt so hoch. Der Weltmarktführer wollte sich nicht äussern. Das IOC und das Tokioter Organisationskomitee nahmen zu Anfragen von Reuters keine Stellung.

(reuters/hzi/kbo)