Angesichts schrumpfender Umwandlungssätze in der zweiten Säule, späteren Rentenbeginns und zunehmender Finanzierungsprobleme in der AHV sorgen immer mehr künftige Rentner auf eigene Faust vor. «Der Leistungsrückgang der zweiten Säule führt zu einem Anstieg bei der individuellen Vorsorge, entsprechend registriert auch die Mobiliar eine zunehmende Nachfrage bei der Sparversicherung 3a», schreibt die Mobiliar. Auch bei Generali, Axa und Baloise spürt man ebenfalls die in den letzten Jahren gestiegene Nachfrage. Gemäss einer Studie des BAK Economics zur volkswirtschaftlichen Bedeutung des Schweizer Finanzsektors verwalten Banken und Versicherer hierzulande mittlerweile insgesamt 123 Milliarden Franken in der dritten Säule.

Keine geeigneten Produkte

Die Anhäufung von Vermögen in der privaten Vorsorge befriedigt aber noch nicht das Bedürfnis der Rentner nach einer Aufstockung der monatlichen Rentenzahlungen. «Das Bedürfnis der Zielgruppe Ü-60 nach Lösungen zur Finanzierung der Pensionierung sehen wir durchaus. Die Herausforderung gerade in diesem Segment ist, dass das Bedürfnis nach garantierten Kapitalzahlungen ebenfalls sehr hoch ist. Dieses Bedürfnis ist im aktuellen Marktumfeld schwer zu bedienen», schreibt Generali.

Geeignete Produkte wären eine Leibrente oder ein Auszahlungsplan – beide Angebote lohnen sich im zähen Niedrigzinsumfeld jedoch kaum noch. Nur wenige Versicherer bieten überhaupt noch entsprechende Verträge an, darunter die Mobiliar – und Helvetia als «Pionierin für solche Leistungen im Schweizer Markt», wie der Versicherer sich selbst bezeichnet. Helvetia bietet einen Auszahlungsplan an, der einmalig oder periodisch finanziert werden kann und dem Kunden ein garantiertes Zusatzeinkommen über einen vordefinierten Zeitraum garantiert, ähnlich einer temporären Rente.

Zeitlich befristete Auszahlungen

Bei einem Auszahlungsplan leistet der Versicherte eine Einmalzahlung, die der Versicherer in zeitlich befristete monatliche oder jährliche Auszahlungen umwandelt, es handelt sich also um eine reine Kapitalbildung ohne Deckung des biometrischen Risikos. Das eingezahlte Vermögen wird seitens der Versicherer am Kapitalmarkt investiert, unterliegt also den dort inhärenten Risiken, aber eröffnet auch die Chance auf die Auszahlung eines – nicht garantierten – Überschusses. Um dem Sicherheitsbedürfnis des Kunden entgegenzukommen, geben die Versicherer Zins- und Kapitalgarantien, was die Produkte nochmals verteuert. Unter dem Strich liegt die Rendite für den Kunden bei einem Auszahlungsplan meist knapp bei null oder sogar darunter.

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Zusatzrente bis zum Schluss

Eine Leibrentenversicherung garantiert dem Versicherten ein Zusatzeinkommen bis an sein Lebensende, sie versichert also tatsächlich das Langlebigkeitsrisiko. Wer eine Leibrenten-Police abschliesst, zahlt entweder einen fixen Betrag X auf einmal ein oder zahlt erst über einen bestimmten Zeitraum auf eine Police ein und spart somit erst einen Betrag X an, der dann von der Versicherung in eine regelmässige Rentenauszahlung umgewandelt wird. Der Versicherer übernimmt die Garantie, diese Rente bis ans Lebensende des Versicherten auszuzahlen – zumindest den garantierten Teil der versprochenen Rente, nicht aber die oft in Aussicht gestellten Überschüsse; deren Auszahlungen sind für die Versicherungsgesellschaft nicht verbindlich.

Sicherheit kostet zu viel

Allein die Garantie auf die Auszahlung kostet, sodass bei der Leibrente eine negative Rendite resultiert – der Empfänger erhält in der Summe also weniger Geld zurück, als er eingezahlt hat. Zudem sind Leibrenten für den Käufer auch steuerlich gesehen nicht sonderlich attraktiv, da beim Abschluss einer Versicherung mit Einmaleinlage eine Stempelsteuer von 2,5 Prozent anfällt und die späteren Rentenauszahlungen zu 40 Prozent der Einkommenssteuer unterliegen.

Ob Leibrente oder Auszahlungsplan, beides ist wenig attraktiv für künftige Rentner und Alternativen sind keine in Sicht. Was bleibt, ist die frühzeitige individuelle Planung. «Vorsorgethemen rund um die Zeit während und nach der Pensionierung scheitern an ihrer Finanzierung. Potenzielle Einkommenseinbussen bei Frühpensionierung müssen – will man sie kompensieren – angespart werden. Hierzu hilft eine persönliche Finanzplanung. Der Umgang mit dem Thema Langlebigkeit kann durch persönliche finanzielle Kontrolle und Planung erleichtert werden. Hier sehen wir auch bei professionellen Dienstleistungen Wachstumspotenzial», schreibt Baloise.