Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie stellte die Federation of European Risk Management Associations (FERMA) den neuesten «European Risk Manager Report 2020» fertig, der seit 2002 regelmässig erscheint. Die Datenerhebung erfolgte bei 764 Expertinnen und Experten in 34 Ländern, rund 30 Personen antworteten aus der Schweiz. 

Corona-Pandemie setzt neue Prioritäten 

Wäre die Erhebung nach Ausbruch der Pandemie erfolgt, hätten sich die Prioritäten natürlich verschoben, stellt Dirk Wegener, Präsident der FERMA, im Vorwort der Studie fest. Der ökonomische Schaden stünde kurz- und mittelfristig an erster Stelle der Sorgen-Rangliste. Durch den Digitalisierungsschub der Corona-Pandemie erhielten Cyberrisiken nochmals eine grössere Bedeutung. Der Trend, dass Risikomanager die digitale Transformation der Firmen mitgestalten, dürfte sich akzentuieren. 

Erstmals Sorge um Spezialkompetenzen 

Doch schon vor der Corona-Pandemie beschäftigte das Risiko der ungewissen ökonomischen Entwicklung die Experten kurz- und mittelfristig stark, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Risikomanager in Versicherungen thematisierten insbesondere den hohen Wettbewerbsdruck im Unternehmensgeschäft. Als neuer Risikoaspekt im Vergleich zu den vorhergehenden Studien ist 2020 erstmals das Thema der Verfügbarkeit gewisser Spezialkompetenzen aufgetaucht. Dies akzentuiert sich insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung neuer Technologien oder Arbeitsmodelle. 

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Tech-Risiken dominieren den Alltag 

Die Risiken digitaler Technologien stehen im Bewusstsein einschlägiger Expertinnen und Experten weit vorn. Der Studie zufolge sind Cyberrisiken auf kurze Sicht (zwölf Monate) und auch mittelfristig (drei Jahre) die grösste Sorge von Risikomanagern in den Unternehmen. Das Thema Datendiebstahl und -missbrauch findet sich mittlerweile auf Platz vier der grössten Risiken für die kommenden zwölf Monate. 

Als langfristiges Risiko – der Zeithorizont beträgt hier zehn Jahre – wurden die Auswirkungen des Klimawandels genannt. In ähnlichem Ausmass machen sich die Risikoexperten Sorgen über die Gefahren aus extremen Wetterereignissen und über ein verändertes Kundenverhalten.

Branchenkonsolidierung in der Schweiz?

Die Antworten der Befragten aus der Schweiz zeigen, dass für sie die Wachstumsaussichten der kommenden zwölf Monate vor allem durch Cyberrisiken bedroht werden. Rund ein Drittel nennt zudem geopolitische Unsicherheiten an dieser Stelle. Beim Blick in die fernere Zukunft stehen die Themen Klimawandel, Umweltschäden und extreme Wetterereignisse ganz oben. Weitere Risiken werden in der möglichen weiteren Konzentration der Versicherungsunternehmen am Standort Schweiz sowie dem Wandel der Marktbedingungen gesehen. 

Die in der Schweiz befragten Risikomanager arbeiten zu über 90 Prozent in grossen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Sie verfügen zumeist über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung und eine einschlägige Qualifikation. Die Spanne der Einkommen beträgt zwischen 110’000 und 220’000 Franken jährlich. 

Risikomanager entscheiden bei neuen Technologien mit 

Angesichts der Relevanz von Risiken, die mit der Computernutzung einhergehen, ist es nicht verwunderlich, dass mehr als die Hälfte aller für die Studie befragten Risikomanager eng mit der IT- und Informationssicherheitsabteilung ihrer Unternehmen zusammenarbeiten. Ein Drittel entscheidet bei der Nutzung neuer Technologien durch das Unternehmen mit. 

Neue Technologien halten auch im Risikomanagement Einzug: Gut zwei Drittel der Befragten nutzen Verfahren wie Datenanalyse, Datenvisualisierung, Prozessautomatisation oder künstliche Intelligenz für ihre Arbeit. 

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ESG-Risiken bekommen mehr Aufmerksamkeit 

Zudem spielen die Risikomanager eine wachsende Rolle mit Blick auf Risiken, die aus ESG-Kriterien erwachsen (Environmental, Social, Governance). Bereits heute sind 40 Prozent der Befragten entweder in entsprechende Risikomanagement-Prozesse involviert oder ihr Einbezug ist vorgesehen.