Sparen gehörte schon immer zu den Tugenden der Schweizerinnen und Schweizer. Die Corona-Krise hat sie nur noch mehr darin bestärkt. Und die Banken und Versicherungen haben mit innovativen Produkten auf das wachsende Interesse an der individuellen Altersvorsorge reagiert. Die ersten beiden Pfeiler im Dreisäulensystem, AHV und berufliche Vorsorge, sind mit Finanzierungsproblemen konfrontiert. Umso wichtiger wird die dritte Säule. Das erleichtert nun auch politische Vorstösse. Diesen Sommer hat nach dem Ständerat auch der Nationalrat einer Motion zum nachträglichen Einkauf in die steuerbegünstigte Säule 3a zugestimmt. Damit lassen sich Vorsorgelücken von Personen schliessen, die in jungen Jahren kein solches Konto hatten, als Selbstständige die finanziellen Mittel nicht aufbringen konnten oder über ein zu geringes Einkommen verfügten. Der Einkauf soll auf den für Selbstständige geltenden Betrag von 34’128 Franken beschränkt werden, und nur alle fünf Jahre wären Einkäufe möglich. Jetzt liegt es am Bundesrat, rasch eine mehrheitsfähige Lösung zu finden. 

Potenzial vorhanden

In der dritten Säule ist noch viel Potenzial vorhanden. Derzeit verfügen rund 60 Prozent der Erwerbstätigen über eine Vorsorgelösung in der Säule 3a, aber lediglich ein Viertel investiert in Wertschriften. Zur Hauptsache fliessen die Gelder in diesem 120-Milliarden-Franken-Vorsorgemarkt auf ein Konto mit bescheidenen Zinssätzen zwischen null und 0,35 Prozent. Verglichen mit den knapp 1000 Milliarden Franken in der beruflichen Vorsorge ist das erst ein kleiner Bruchteil. Studien zur Nutzung der Säule 3a zeigen, wo die Wachstumschancen liegen. Momentan beläuft sich der durchschnittliche Einzahlungsbetrag von Erwerbstätigen lediglich auf 3400 Franken pro Jahr. Nur gerade 13 Prozent der Steuerzahlenden schöpfen den jährlichen Maximalbetrag von 6826 Franken aus. Damit ergibt sich ein zusätzliches Einkaufspotenzial von jährlich rund 10 Milliarden Franken. Die veränderte Arbeitswelt stellt das jetzige Vorsorgesystem ohnehin auf die Probe. Teilzeitarbeit und andere flexible Arbeitsformen sind im digitalen Zeitalter immer häufiger anzutreffen. Zudem hat die private Vorsorge speziell bei Personen unter 40 Jahren oft einen geringen Stellenwert. 

Attraktiver Markt der Jungen

Neue Anbieter aus der Fintech-Szene haben sich in den letzten Jahren mit Smartphone-Apps speziell diesem Markt der Jungen zugewandt. Volumenmässig bewegen sich Startups wie VIAC, in Verbindung mit der WIR-Bank, aber ebenso die Nischenplayer Selma, Descartes Finance oder PSS noch auf einem bescheidenen Niveau. Ganz andere Dimensionen strebt seit diesem Frühjahr die Zürcher Kantonalbank (ZKB) mit ihrer App Frankly an: «Wir wollen schweizweit im Säule-3a-Geschäft Fuss fassen und mehrere Milliarden Franken anziehen», gibt sich ZKB-CEO Martin Scholl optimistisch. Operiert wird mit einer All-in-Fee von 0,48 Prozent. Damit kann man in einen von acht bestehenden Swisscanto-Fonds investieren, je zur Hälfte aktiv oder indexiert gemanagte Produkte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere grosse Banken und Versicherungen ähnliche Angebote lancieren. Finanzexperte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern geht davon aus, dass die Branche ihre Vorsorge-Dienstleistungen zunehmend automatisiert. 

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Produkte mit hohem Aktienanteil

Wertschriftenlösungen mit einem hohen Aktienanteil sind für junge Leute im aktuellen Tiefzinsumfeld interessant. Bei einem langfristigen Investment von 20 Jahren und mehr lassen sich deutliche höhere Renditen erzielen. Der Lebensversicher Swiss Life offeriert mit 3a Start neu eine Sparlösung auch ohne Versicherungsschutz. Bei Axa entfallen derzeit zwei Drittel des Neugeschäfts auf das jüngst lancierte Dritte-Säule-Produkt Smart Flex, mit einem wählbaren Prämiensplit zwischen Sicherheitsguthaben (Festverzinsliche Wertschriften) und Ertragsguthaben (Aktien). Grundsätzlich gilt für 3a-Fonds bei der Anlage gleich wie in der beruflichen Vorsorge eine Obergrenze von 50 Prozent Aktien. Dank einer gelockerten Regulierung kann diese Limite überschritten werden, wenn die notwendige Aufklärung und Beratung garantiert ist. Dazu gehört insbesondere der Hinweis auf die höheren Risiken mit Aktien. Entsprechend werden bereits verschiedene 3a-Fonds mit einem Aktienanteil bis 100 Prozent angeboten. Die aktiv gemanagten Wertschriftenfonds sind allerdings nicht ganz billig. Die jährlichen Gebühren reichen bis zu 2 Prozent. Allgemein gilt: je mehr Aktien, umso höher die Kosten und die Rendite.