Jahrelang waren die Preise bei Rückversicherungen unter Druck: Einerseits gab es viel Geld, das über alternative Wege wie Cat-Bonds und Rückversicherungs-Sidecars in den Sektor drängte; angezogen wurde dieses Geld durch hohe Coupons von 6 bis 10 Prozent, für den Fall, dass die Cat-Bonds nicht durch einen Hurrikan oder ein anderes Ereignis ausgetriggert wurden. Anderseits gab es zwischen 2013 und 2016 relativ wenige Naturkatastrophen mit hohen Versicherungsschäden. Wo die Stürme die Häuser nicht verwüsteten, fehlte auch der Druck der Besitzer, sich um teure Policen zu kümmern.

Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert: Die Preise in einzelnen Linien steigen seit 2019. Die grössten Zuwächse gibt es dort, wo es zuvor die grössten Schäden gegeben hatte. Dazu gehören Sturmschäden in Teilen von Nordamerika sowie in Japan.

Laut Hannover-Rück-Vorstandsmitglied Sven Althoff gibt es mit Covid-19 in diesem Jahr einen ähnlichen Auslöser für höhere Preise, wie es der 11. September 2001 oder die drei Hurrikane Katrina, Rita und Wilma im Jahr 2005 gewesen waren. 

Noch ist unklar, wie hoch der Covid-19-Schaden für die Rückversicherer tatsächlich ausfallen wird.

«Die hohen Katastrophenschäden durch Hurrikane, Waldbrände und Taifune im Rückversicherungsmarkt seit 2017 setzen sich auch im Jahr 2020 fort», sagt Kathrin Verbeck, Managing Director bei Twelve Capital in Zürich, einer auf Versicherungsinvestments spezialisierten Firma in Zürich. «Noch ist unklar, wie hoch der Schaden für die Rückversicherungsindustrie durch Covid-19 tatsächlich ausfallen wird, doch bereits heute gilt es als gesichert, dass die Schadensumme einen zweistelligen Milliardenbereich erreichen wird.» Ebenso sei die Kapitaldecke der Versicherungskonzerne durch die hohe Finanzmarktvolatilität belastet. «Hierdurch verstärkt sich die Kapitalknappheit im weltweiten Rückversicherungsmarkt und als Folge erwarten wir weiterhin steigende Rückversicherungsprämien », so Verbeck. In erster Linie wird sich dies im Markt für US-amerikanische Naturkatastrophen, also vor allem Hurrikane und Erdbeben, zeigen, da hier das grösste Klumpenrisiko besteht. «In diesen Bereichen ist auch für die Erneuerungsphase zu Ende 2020 von Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich auszugehen», sagt Verbeck. Bei diversifizierenden Risiken erwartet sie ebenfalls steigende Prämien, wenn diese auch typischerweise etwas geringer ausfallen als bei den sogenannten Hauptgefahren in den USA. 

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Cat-Bonds reagieren 

Die Gespräche, welche die Analysten von Morgan Stanley Mitte September mit Rückversicherungen führten, zeigen ein differenziertes Bild: Die Leistung im Underwriting sieht nicht erbaulich aus. Hinzu kommen weiterhin (zu) niedrige Zinsen und damit (zu) niedrige Anlageerträge aus Bonds. Ob und wie sich bessere Preise dann auch in höheren Margen und Gewinnen bei den Versicherungsgesellschaften niederschlagen, ist laut den Morgan-Stanley-Analysten eine andere Frage: Dafür sind vor allem die teuren Verlustereignisse entscheidend.

Vor allem im Firmenkundengeschäft konnten Erst- und Rückversicherungen wieder höhere Preise durchsetzen. Allerdings betraf das vor allem die Preise von konventionellen Deckungen und bei den Rückversicherungen. Und auch die Insurance Linked Securities (ILS) verteuern sich. «Vor allem der Cat-Bond-Markt hat bereits stark reagiert und die Prämien sind im Laufe des Jahres 2020 auf ein Mehrjahreshoch gestiegen, während gleichzeitig das Emissionsvolumen stark zugenommen hat», sagt Verbeck. «Wir erwarten ähnliche Prämienanstiege vor allem auch im Retrozessionsmarkt, der wie der Cat-Bond-Markt hauptsächlich von US-amerikanischen Naturkatastrophenrisiken dominiert wird.» Für ILS-Investoren hat damit vor allem der Cat-Bond-Markt an Attraktivität gewonnen, wie man an stetigen Zuflüssen in Cat-Bond-Fonds erkennen kann.