API steht für Application Programming Interface. Das sind Schnittstellen, über die Computersysteme untereinander kommunizieren, wie beispielsweise neue mobile Schaden-Apps mit den auf altem Computercode basierenden Claims-Management-Systemen. API haben sich in einigen Teilen des Banking etabliert, nachdem sie standardisiert worden sind. 

Im Schweizer Banking sträuben sich wichtige Vertreter gegen solche Standard-Schnittstellen, denn dadurch könnten Fintechs, Tech-Plattformen und Konkurrenten Daten wie etwa Kundenbeziehung abgreifen. API gibt es auch im Versicherungsbereich an vielen Stellen. Bei Hypotheken-Plattformen sind sie Standard, damit die beteiligten Kreditgeber ihre Systeme anschliessen können. Wenn technische Details vereinheitlicht werden, dann am ehesten innerhalb von grösseren Konzernen. 

Der Druck zur Öffnung und Standardisierung kommt teilweise von anderen Branchen. Daimler hat für seine Marke Mercedes-Benz beispielsweise eine «OAuth API» entwickelt, über die nach jeder Fahrt Daten an Versicherungspartner übermittelt werden. Die Versicherungen können diese Daten dann in ihre Risikosysteme einspeisen und entsprechende Preise bestimmen. 

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Der grosse Vorteil von standardisierten API liegt in der Möglichkeit, hoch integrierte, friktionsfreie Customer Journeys aufzubauen. API sind deshalb im Online-Geschäft sehr wichtig: Wenn Reisende mit der Buchung von Flügen gleich auch noch Reiseversicherungen abschliessen, fliessen die entsprechenden Daten via API zwischen der Buchungsplattform und der Versicherung. 

Im Versicherungsbereich haben Axa XL, die Firmenkundensparte von Axa, das Startup Lemonade und der Broker Aon ihre API-Spezifikationen für unterschiedliche Interessentengruppen veröffentlicht.

Alle drei Firmen argumentieren mit den Vorteilen wie tieferen Distributionskosten, breiterer erreichbarer Kundenbasis und effizienterer Zusammenarbeit mit weiteren Partnerfirmen. In der Schweiz zählt beispielsweise die Softwarefirma Sobrado zu den Treibern: In den vergangenen Jahren hat man so das vormals von den Brokern von Hand abgewickelte Offertengeschäft digitalisiert. 

Sobrado hat damit Erfolg und alleine in diesem Jahr mit der Vaudoise, Elips Life/Swiss Re und der Allianz weitere strategische Partner gewonnen. 

Den grössten Wert standardisierter Schnittstellen sehen die Experten des Marktforschungsunternehmens CB Insights bei der Schaffung neuer Geschäftsmodelle. 

Swiss Re beispielsweise hat eine White-Label-Autoversicherung unter der Marke AutoMate entwickelt, welche die Prämienhöhe vom Fahrverhalten abhängig macht. 

Das wahre Disruptionspotenzial liegt hier weniger bei der App selber oder bei den Schnittstellen zu den Fahrzeugen, sondern bei den möglichen neuen Anbietern: Grössere Autohändler und Garagen könnten das auch direkt ihren Kunden anbieten – sie stehen den Endkunden viel näher als manche Versicherungsgesellschaft.