Versicherungsbroker geraten in der Öffentlichkeit vermehrt unter Druck. Vorwürfe von überzogenen Courtagen in der zweiten Säule und der fehlenden Unabhängigkeit kratzen am Image der ungebundenen Vermittler. In der beruflichen Vorsorge droht ihnen gar ein Courtageverbot. Der Verband der Schweizer Versicherungsbroker Siba möchte insbesondere dem Courtageverbot mit einer neuen Aufsichtsorganisation gegensteuern. «Der Brokermarkt ist zu wenig reguliert – es tummeln sich schwarze Schafe, die der ganzen Branche Schaden zufügen», sagt Verbandspräsident Markus Lehmann.

Finanzen und Ausbildung im Fokus

Für einen transparenten Markt brauche es eine Kontrollstelle, die insbesondere Finanzströme, Ausbildung und Marktverhalten überwacht. «Wenn die neue Stelle Anfang Jahr bei jedem Broker die nötigen Dokumente einfordert – etwa das Testat der Revisionsstelle und die Zertifikate für absolvierte Weiterbildungen – dann wird es relativ schnell eine Bereinigung geben», ist Lehmann überzeugt. Entlarvt wären all jene, die ihre eigenen Finanzen nicht im Griff haben, mit unsauberen Geschäftsmodellen operieren oder Weiterbildungen nicht für nötig befinden.

Einige Broker sind laut Lehmann längst im Pensionsalter und betreuen nur noch wenige Kunden. Nach ein paar Jahren ohne Weiterbildung seien diese vermutlich nicht mehr auf dem neusten Stand.  Und auch auf das lukrative Geschäft jener reinen Krankenkassenvermittler, die einfach einmal im Jahr den ganzen Kundenstamm zu einer neuen Kasse überführen, gelte es ein Augenmerk zu legen . Ein weiterer kritischer Punkt ist die Vereinbarung von volumen- oder schadenabhängigen Courtagen, wodurch ein Vermittler faktisch seine Unabhängigkeit verliert.

Als Stiftung organisiert

Beim Aufbau einer eigenen Kontrollstelle will die Siba zwar Hand bieten, danach soll diese aber unabhängig, beispielsweise als Stiftung agieren. Schliesslich muss sie den ganzen Markt kontrollieren und beschränkt sich nicht auf die 96 Mitglieder des Verbands, bei denen es sich mehrheitlich um die grössten Schweizer Brokerfirmen handelt.

Die Aufsicht über den Versicherungsmarkt haben die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) und, für die berufliche Vorsorge, die Oberaufsichtskommission (OAK BV). Das neue Organ wird ihnen die Aufgaben nicht streitig machen, sondern vielmehr durch seine Vorarbeit wichtige Hinweise liefern. Die letzte Sanktionierung, der Entzug der Zulassung, müsste ohnehin seitens der Finma beziehungsweise der OAK BV durchgeführt werden.

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Ähnlich wie Vermögensberater

Der Effekt einer brancheneigenen Aufsichtsorganisation ist nicht zu unterschätzen. Durch intensive Kontrollen könnten einige der heute rund 7’500 registrierten Vermittler in Schwierigkeiten geraten und im schlechtesten Fall ihre Registrierung verlieren. Gleichzeitig würde die Branche aber auch selber dafür sorgen, dass ihre Akteure die vereinbarten Spielregeln einhalten. Das Modell wäre ähnlich wie das der Vermögensberater. Sie sind ebenfalls der Finma unterstellt, kontrollieren sich aber durch den Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF) selbst.

Wann die angedachte Kontrollstelle in die Realität umgesetzt wird, hängt mit der Revision des VAG zusammen. Diese wird voraussichtlich im nächsten Jahr durchs Parlament gehen und frühestens per 1.1.2022 in Kraft gesetzt. Die Siba hat sich zum Ziel gesetzt, bis dahin die nötigen Weichen zu stellen.