In 1945 bzw. 1950 entwickelten die beiden Ökonomen A. O. Hirschman und O. C. Herfindahl den sogenannten Herfindahl-Index. Dieser bis heute das am weitesten verbreite statistische Mass zur Messung von Marktkonzentration, d. h. zur Beantwortung der Frage, wie Marktanteile auf einzelne Unternehmen verteilt sind. Für die Benchmarking-Analyse der IFZ Versicherungsstudie 2020 übertragen wir diese Überlegungen von einer Marktperspektive mit unterschiedlichen Anbietern auf eine Unternehmensperspektive mit unterschiedlichen Produkten. Anders ausgedrückt, wir wollen ermitteln, wie hoch die Konzentration eines Versicherers auf einzelne Produktlinien ist. Als Ausgangslage dienen die gebuchten Bruttoprämien der Versicherer im direkten Schweizer Geschäft. Grundsätzlich gilt, je geringer der Konzentrationsgrad auf einzelne Produktlinien, desto besser die Diversifikation des Versicherers.[1]

Florian Schreiber ist Dozent und Projektleiter Insurance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ. Dort fungiert er auch als Co-Studienleiter des neuen IFZ-Weiterbildungslehrgangs CAS Future of Insurance, der im März 2021 erstmalig durchgeführt wird. florian.schreiber@hslu.ch

Schweizerische Mobiliar und Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft mit höchster Diversifikation in 2017 und 2018[2]

Für die überwiegende Mehrheit der Schweizer Lebensversicherer (12 von 16 Gesellschaften) präsentiert sich ein PLKG kleiner als 75 Prozent (100 Prozent würden bedeuten, dass alle gebuchten Bruttoprämien aus nur einer einzigen Produktlinie entstammen). Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, belegt die Schweizerische Mobiliar Lebensversicherungs-Gesellschaft mit einem PLKG von 33,0 Prozent den Spitzenplatz im Ranking 2018. Nahezu die Hälfte der Prämien erwirtschaftete die Gesellschaft zwar im Bereich der Kollektivlebensversicherung berufliche Vorsorge (46,0 Prozent), die restlichen Prämien verteilen sich jedoch auf mehrere Produktlinien. Auf Rang zwei findet sich 2018 die Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft (PLKG 2018: 37,8 Prozent), dicht gefolgt von der Pax, Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft (PLKG 2018: 42,7 Prozent). Mit 53,8 Prozent ihrer gebuchten Bruttoprämien hat die Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft einen stärkeren Fokus auf dem Bereich der Kollektivlebensversicherung berufliche Vorsorge. Noch ausgeprägter ist dieser Anteil bei der drittplatzierten Pax, Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft mit 59,4 Prozent. Der durchschnittliche PLKG der Top-8-Lebensversicherer beläuft sich 2018 auf 51,1 Prozent, welcher als sehr gut im Sinne einer «gesunden Diversifikation» zu werten ist.

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Tabelle 1: Konzentrationsgrad, Top 8, 2015-2018

Tabelle 1: Konzentrationsgrad, Top 8, 2015-2018.

Quelle: ZVG

Diversifikation über die Zeit hinweg äusserst stabil

Auch im langjährigen Vergleich von 2015 bis 2018 sind die Top-3-Versicherer identisch. Für diesen Zeitraum ist unter den Top 8 auch die Groupe Mutuel Vie GMV mit einem PLKG von 66,7 Prozent vertreten. Im Gegensatz zu den Top 3 erwirtschaftet die Groupe Mutuel Vie GMV den Grossteil ihrer gebuchten Bruttoprämien allerdings im Bereich klassisches Einzelkapital (durchschnittlicher Anteil: 79,0 Prozent). Der durchschnittliche PLKG aller Top 8 beläuft sich im Zeitraum von 2015 bis 2018 auf 51,6 Prozent und verdeutlicht die Stabilität der Diversifikation. Hinsichtlich des Unterschieds zwischen kleineren und grösseren Gesellschaften – gemessen an den gebuchten Bruttoprämien im direkten Schweizer Geschäft – existiert lediglich ein schwacher positiver Zusammenhang mit dem PLKG. Anders ausgedrückt, eine Kenntnis der Unternehmensgrösse lässt keinen verbindlichen Rückschluss auf die Höhe des PLKG und damit die Diversifikation der Prämieneinnahmen zu.

Die kleineren der neun grössten Schweizer Lebensversicherer sind besser diversifiziert

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des PLKG der Big-9-Lebensversicherer. Auf den ersten Blick wird erkennbar, dass es für die einzelnen Gesellschaften über die Jahre hinweg nur wenig Veränderung gibt. Dies wird auch durch den konstanten durchschnittlichen PLKG verdeutlicht, der sich zwischen 66,4 Prozent 2015 und 66,5 Prozent 2018 bewegt. Im Gegensatz zur gesamten Stichprobe ist für die Big 9 ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen der Grösse und dem PLKG zu erkennen: Über alle Jahre hinweg zeigt sich, dass die kleineren Versicherer – gemessen an den gebuchten Bruttoprämien im direkten Schweizer Geschäft – eine bessere Diversifikation ihrer Prämien aufweisen als die grösseren Gesellschaften.

Abbildung 1: Entwicklung des Konzentrationsgrads 2015-2018, Big 9-Lebensversicherer

Abbildung 1: Entwicklung des Konzentrationsgrads 2015-2018, Big 9-Lebensversicherer.

Quelle: ZVG

[1] Ein PLKG von 100 Prozent bedeutet, dass alle Prämien in einer Produktlinie erzielt werden, wohingegen niedrigere PLKG-Werte eine bessere Diversifikation mit der Verteilung der Prämien auf mehrere angebotene Produktlinien signalisieren.
[2] Grundlage der Analyse bildet der jüngste Finma-Versicherer-Report, der wiederum auf den Geschäftsberichten 2018 der Gesellschaften basiert.

Wollen Sie mehr über die Entwicklung der Schweizer Assekuranz erfahren?

Dann besuchen Sie uns am IFZ Insurance Summit 2020 in unserem topmodernen Campus Zug-Rotkreuz. Neben der Vorstellung der IFZ Versicherungsstudie 2020 werden angesehene Branchenexperten/-innen ihre Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen im Versicherungssektor abgeben.

Die Teilnahme an der Konferenz kostet CHF 560.–. Als Teilnehmer/-in erhalten Sie die rund 300-seitige IFZ Versicherungsstudie 2020 im Wert von CHF 290.–. Bitte melden Sie sich unter ifz@hslu.ch, wenn Sie nur die Studie bestellen möchten (Auslieferung erfolgt nach der Konferenz).

Die folgenden Partner haben die Erstellung der IFZ Versicherungsstudie 2020 unterstützt (alphabetische Auflistung):

Partner IFZ Versicherungsstudie 2020
Quelle: ZVG