Das Aktuellste zuerst: Die Corona-Pandemie hat sich – wenig überraschend – auch für eine Mehrheit der Befragten stark bis sehr stark ausgewirkt. Ein Umfrageteilnehmer bringt es auf den Punkt: «Umsatzrückgang, dafür bessere Work-Life-Balance». Doch auch gegensätzliche Erfahrungen wurden gemacht: «Als Aussendienst-Mitarbeiter war das Homeoffice ohne physischen Kundenkontakt schlecht.» Eine andere ergänzt: «Wir haben zwar weniger Neukunden, bei bestehenden sind wir aber mit Mehrarbeit konfrontiert, weil zum Teil Anfragen für virtuelle Beratungen eingehen.» Das Verhalten der Kundinnen und Kunden sei zudem von Unsicherheit geprägt.

Besonders schlimm ist die Situation von Mitarbeitenden ohne Kundenkontakt, weil sie Umsatzeinbussen nicht kompensieren können. Doch auch der Aussendienst (AD) hat zu kämpfen. Einige Stichworte hierzu: Betriebsschliessungen, kaum Termine, weniger Abschlüsse, keine physischen Besuche mehr, erhebliche Mehrarbeit ohne Entschädigung. Mehr Aufwand durch erhöhte Informationsbedürfnisse der Kunden. Firmenkunden setzen auf Sparen und Abwarten. Neukundengewinnung ist schwieriger durch das Fehlen von Direktkontakten. Weniger Kundentermine und dadurch weniger Einkommen ...

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Tabelle Branchenumfrage 2020

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Verstärktes Informationsbedürfnis

Vor allem das Neugeschäft sei eingebrochen, so in den Segmenten KMU, Motorfahrzeug, Lebenproduktion; persönliche Termine seien schwieriger zu erhalten, mehr Leistung für angemessene Entlöhung nötig. Gleichzeitig sei jedoch ein verstärktes Informationsbedürfnis zu spüren, etwa bei Gastro-Kunden. Informationsbedürfnis bestehe etwa zu Betriebsunterbrechungen oder Reiseannulationen. Auch wenn keine Kundenbesuche möglich waren – die Unterstützung für KMU war gefragt, «und wenn es nur ein Zuhören ist», so eine Stimme, «denn das ist genau der Unterschied zu digitalen Kanälen».

Marianne Chapuis Borgeaud, Präsidentin FSAGA/SVVG.

Marianne Chapuis, Präsidentin FSAGA/SVVG: «Das Profil der Versicherungsberufe wird sich ändern.»

Quelle: ZVG

Insgesamt sei die Erkenntnis gewonnen worden, «dass alternative Arbeitsformen wie Homeoffice sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken und die Dienstleistungsqualität dennoch hoch bleibt». Und: «Engere Führung führte zu mehr Spass und Erfolg. Online-Beratung und Homeoffice werden teilweise bleiben.» Die Verstärkung der Digitalisierung habe zu einer Entschleunigung geführt. Für Marianne Chapuis, Präsidentin des Schweizerischen Verbandes der Versicherungs-Generalagenten FSAGA/SVVG, ist klar, dass es auch nach Corona kein Zurück mehr gibt: «Das Profil der Versicherungsberufe wird sich für die Mitarbeitenden ändern und dessen sind sie sich bewusst; ebenso, dass sich das Geschäftsmodell verändern wird.»

Grosse Zufriedenheit

Nach 2017 hat die Branchenplattform HZ Insurance zusammen mit den Berufsverbänden Asda (Schweizerische Vereinigung der diplomierten Versicherungsfachleute), FSAGA/SVVG (Schweizerischer Verband der Versicherungs-Generalagenten) sowie dem FPVS (Finanzplaner Verband Schweiz) erneut der Versicherungswirtschaft mithilfe eines Online-Fragebogens den Puls gefühlt. Mitgemacht haben 203 Akteure der Assekuranz aus der gesamten Schweiz.

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Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Akteure der Schweizer Assekuranz grundsätzlich sehr zufrieden sind mit ihrem Beruf, ihrem Arbeitgeber, dem beruflichen Umfeld, den Rahmenbedingungen und der Branche allgemein. So bietet ihr Job Anerkennung und Erfüllung, gute Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. «Es ist schön festzustellen, dass sich die Verbindung und die Freude im Job gegenüber dem Vorjahr weiter verbessert haben. Dies zeigt mir, dass wir in einer attraktiven Branche leben», freut sich Hanspeter Weber, Zentralpräsident der diplomierten Versicherungsfachleute (Asda). Ins gleiche Horn stösst Marianne Chapuis: «Die Mitarbeitenden der Versicherungsbranche sind mit ihrer Arbeit zufrieden und halten es dennoch für wichtig, dass ein gutes Arbeitsklima herrscht.»

Reto Spring, Präsident FPVS

Reto Spring, Präsident FPVS: «Herausforderungen und Unsicherheit nehmen zu.»

Quelle: ZVG
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Potenzial nach oben

Zu den Resultaten im Detail (vgl. Tabelle): Insgesamt sind die Befragten mit ihrem Beruf nach wie vor sehr zufrieden, eine überwältigende Mehrheit fühlt sich äusserst wohl als Akteur in der Finanzmarktbranche. Und wenn möglich, wollen sie ihren Job noch länger ausüben. Eine «erfüllendere Tätigkeit» kann sich entsprechend nur eine Minderheit vorstellen. Auch den Arbeitgebern werden durchwegs gute Noten erteilt. Selbst mit der Entlöhnung ist man zufrieden. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage sind für Reto Spring, Präsident des Finanzplaner Verbands Schweiz FPVS, nicht überraschend: «Sie repräsentieren die Situation vieler Finanzplaner im mittleren Karriere-Alter: Der technologische Wandel geht rascher vonstatten, Herausforderungen und Unsicherheit nehmen zu.»

 

 

Hanspeter Weber, Asda-Zentralpräsident

Hanspeter Weber, Asda-Zentralpräsident: «Hybride Prozesse werden sich weiter durchsetzen.»

Quelle: alabus ag
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Bezüglich Karrierechancen besteht bei den Versicherern und Brokern dagegen noch Potenzial nach oben. An den Befragten kann es eher nicht liegen, denn diese – so ihre Aussage – bilden sich konstant weiter, um auch in einem sich konstant verändernden Umfeld à jour zu bleiben. Doch auch hier sind die Zeichen zum Teil widersprüchlich. Beispiel Vorsorge: «Der Bedarf und das Verständnis für Vorsorgeplanung muss und wird steigen; die Kaufkraft für effiziente Umsetzung sinkt jedoch seit Jahren im Retail», so eine Stimme in der Umfrage. «Der persönliche Berater wird in Zukunft weiter eine starke Bedeutung haben und die Digitalisierung wird den Prozess weiter unterstützten», ist Asda-Präsident Hanspeter Weber überzeugt. Hier sei es aber wichtig, dass die Berater sich den Herausforderungen stellen und sich fit mit und nicht gegen die Digitalisierung machen. «Die Berufsbilder werden sich weiter verändern und die Transformation wird zunehmen. Hier ist es wichtig, dass man sich mit permanenter Weiterbildung fit hält», so Weber.

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Eine Stimme aus der Umfrage sieht primär die Arbeitgeber in der Pflicht: «Ich stelle eine grosse Personalfluktuation fest. Leute, welche langfristig in der Kundenberatung tätig sind, werden immer rarer. Neue Kolleginnen und Kollegen werden im Quartalsmodus ein- und ausgestellt. Den Vorgesetzten und den Firmen scheint dies egal zu sein. Fragt sich nur, was die Einarbeitung und Rekrutierung die Gesellschaften schlussendlich kostet. Oder bringen die Neuen im ersten Jahr so viele Neukunden aus dem Bekanntenkreis, dass sich die kurzfristige Sicht lohnt?» Wohl kaum.

Dieser Problematik ist sich auch FPVS-Präsident Reto Spring bewusst: «Zurzeit bauen viele Konzerne die Finanzplanungsteams ab – trotzdem sehen viele einen steigenden Bedarf.» Es zeige sich, dass immer noch viele Finanzplaner nicht in Verbänden organisiert sind und somit entscheidende Inputs zu Neuerungen, Weiterbildungen und die Vorteile des Austauschs und Networkings verpassen. Spring: «Das Berufsbild des Finanzplaners verändert sich zum Sparringspartner und Finanzcoach, der unabhängig, umfassend, individuell und transparent beraten und mit Risiko-Aufklärung und Finanz-Know-how eine honorarbasierte Dienstleistung erbringen kann.»

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Skepsis zur Regulation

Etwas skeptischer als vor drei Jahren urteilen die Befragten bei der Frage, ob die regulatorischen Entwicklungen die Finanzmarktbranche langfristig stabiler machen. Die «Eher Nein»-Fraktion hat hier zugelegt, obwohl die Mehrheit die Frage nach wie vor bejaht. SVVG-Präsidentin Chapuis ist mit dieser Einschätzung zufrieden: «Im Vergleich zu 2017 wird die Zukunft der Versicherung besser wahrgenommen und die verschiedenen Vorschriften scheinen für die Zukunft weniger hinderlich zu sein.»

«Durch diese Umfrage sehen wir, dass in der Branche immer noch Vertrauen in das Handwerk herrscht, dass es aber einer Anpassung bedarf», fasst Marianne Chapuis zusammen. Insgesamt, so das Fazit, sind die Beschäftigten in der Assekuranz zufrieden mit Job und Arbeit, auch wenn Digitalisierung und veränderndes Kundenverhalten die bisherigen Geschäftsmodelle der Industrie infrage stellen. Auch in einem schwankenden Kahne lässt sich oft ein sicherer Hafen ansteuern.

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Teilnehmerstatistik

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