Im Gegensatz zur Eigenkapitalrendite – die mitunter stark vom gewählten Kapitalmanagementansatz einer potenziellen Mutter- bzw. Holdinggesellschaft abhängt – liefert der ROI einen soliden Überblick über die Anlageperformance des Versicherers. Abbildung 1 verdeutlicht, dass acht Schadenversicherer (Anteil: 17,0 Prozent) zwischen 2015 und 2018 im Mittel einen Verlust aus ihren Kapitalanlagen erwirtschaftet haben – massgeblich bedingt durch das schlechte Finanzjahr 2018. Demgegenüber stehen drei Schadenversicherer, denen es gelungen ist, ROI über der 5-Prozent-Schwelle zu generieren. Ein Vergleich der beiden Sparten zeigt, dass die Schadenversicherer in diesem Zeitraum einen durchschnittlichen ROI in Höhe von 4,2 Prozent erzielen konnten, wohingegen die Krankenversicherer mit 2,1 Prozent einen niedrigeren durchschnittlichen ROI zu verzeichnen hatten. 

Abbildung 1: Verteilung ROI im Zweig Nichtlebensversicherung, 2015-2018

Abbildung 1: Verteilung ROI im Zweig Nichtlebensversicherung, 2015-2018,

Quelle: ZVG

Florian Schreiber ist Dozent und Projektleiter Insurance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ. Dort fungiert er auch als Co-Studienleiter des neuen IFZ-Weiterbildungslehrgangs CAS Future of Insurance, der im März 2021 erstmalig durchgeführt wird. florian.schreiber@hslu.ch

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Sowohl grössere Unternehmen als auch Nischenversicherer in den Top 15 vertreten

Die Top 15 des Zeitraums 2015 bis 2018 werden von der Solen Versicherungen mit einem ROI von 17,2 Prozent angeführt (vgl. Tabelle 1), gefolgt von der Dextra Rechtsschutz mit 8,0 Prozent. Deren Ergebnis ist massgeblich durch die 2018 erfolgte Veräusserung der gehaltenen Beteiligung an der Dextra Versicherungen in Höhe von circa 3,53 Millionen Franken getrieben. Komplettiert werden die Top 3 durch die auf Tierversicherungen spezialisierte EPONA société coopérative mutuelle d’assurance générale des animaux mit einem durchschnittlichen ROI von 5,1 Prozent. Über alle Top 15 hinweg beträgt der durchschnittliche ROI der Periode 2015 bis 2018 4,6 Prozent. Mit der Helsana Zusatzversicherungen und der Concordia Versicherungen finden sich zwei Krankenversicherer unter den Top 15.

Tabelle 1: Return on Investments, Top 15, 2015-2018

Tabelle 1: Return on Investments, Top 15, 2015-2018.

Quelle: ZVG

Acht grösste Schadenversicherer erwirtschafteten 2018 durchschnittliche ROI von 4,1 Prozent[1]

Abbildung 2 veranschaulicht die Entwicklung der von den acht grössten Schadenversicherern generierten ROI über den Zeitraum von 2015 bis 2018. Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass insbesondere das Jahr 2017 durch eine grosse Homogenität geprägt war. 2018 haben sich hingegen zwei Cluster gebildet, mit durchschnittlichen ROI von 2 und 4 Prozent. Neben der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft gehören auch die Zürich Versicherungs-Gesellschaft und die Axa Versicherungen zu den Gesellschaften mit den höheren ROI. Der Gewinn aus den Kapitalanlagen der Axa Versicherungen nahm im Vergleich zu 2017 um 59,41 Millionen Franken zu und ist hauptsächlich mit der positiven Entwicklung der Immobilien zu erklären, welche wiederum von geringeren Abschreibungen profitiert haben. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft konnte mit 3,76 Milliarden Franken ebenfalls ein deutlich verbessertes Kapitalanlageergebnis als im Vorjahr präsentieren (+27,3 Prozent). Mit durchschnittlich 4,1 Prozent liegt der ROI 2018 der Big-8-Schadenversicherer leicht über dem langfristigen Durchschnittswert von 4,0 Prozent.

Abbildung 2: ROI 2015-2018, Big 8-Schadenversicherer

Abbildung 2: ROI 2015-2018, Big 8-Schadenversicherer.

Quelle: ZVG

Lediglich einer der acht grössten Krankenversicherer kann den ROI im Vergleich zum Vorjahr steigern

Die Entwicklung der Big-8-Krankenversicherer ist in Abbildung 3 dargestellt. Hervorstechend ist die deutlich überdurchschnittliche Performance der Helsana Zusatzversicherungen, die zwischen 2015 und 2018 einen mittleren ROI von 5,0 Prozent erwirtschaften konnte. Im Jahresvergleich zu 2017 ist 2018 allerdings ein deutlicher Rückgang des ROI von 5,0 auf 0,3 Prozent zu notieren: Während sich der Aktiengewinn 2017 auf 67,02 Millionen Franken belief, ist dieser aufgrund der schlechten Finanzmarktentwicklung 2018 auf einen Verlust in Höhe von circa 0,5 Millionen Franken zusammengeschrumpft. Hinsichtlich der ausserordentlich hohen Performance 2015 ist anzumerken, dass der Jahresabschluss per 31. Dezember 2015 erstmals nach Swiss GAAP FER erfolgte und sich ein Vergleich mit den Vorjahreszahlen daher verbietet. Mit der Visana Versicherungen ist es 2018 lediglich einem Versicherer gelungen, den ROI im Vergleich zu 2017 zu steigern (ROI 2018: 2,6 Prozent). Begründet werden kann dieser Anstieg durch ein verbessertes Ergebnis der übrigen Kapitalanlagen. Mit einem durchschnittlichen ROI von 0,2 Prozent aller Big-8-Krankenversicherer wurde aufgrund der Kapitalmarktentwicklung 2018 das mit Abstand schlechteste Ergebnis des Beobachtungszeitraums erzielt (2017: 3,7 Prozent). Dieses liegt somit auch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 2,2 Prozent.

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Abbildung 3: ROI 2015-2018, Big 8-Krankenversicherer

Abbildung 3: ROI 2015-2018, Big 8-Krankenversicherer.

Quelle: ZVG

[1] Grundlage der Analyse bildet der jüngste Finma-Versicherer-Report, der wiederum auf den Geschäftsberichten 2018 der Gesellschaften basiert.