Mit der Corona-Krise schlägt auch die Stunde der digitalen Geschäftsmodelle: Wo kein virenverseuchtes Bargeld mehr die Hand wechselt, schwindet die Infektionsgefahr. Und wo die Geschäftsprozesse digital sind, gibt es ebenfalls keine Ansteckungsrisiken mehr. Damit schlägt jetzt die Stunde der digitalen Versicherungen.

Umgekehrte Verkaufsrichtung

Ein anschauliches Beispiel ist Hongkong. Hier sind die Verhältnisse viel offener als in China, wo die grossen Digitalkonzerne neuerdings mit den Apps auch die Infektionsrisiken ständig tracken – und im Zweifelsfall den Kauf einer Versicherungspolice über die Super-Apps unterbinden. In Hongkong zeigen sich gemäss einem Bericht des Branchenportals DigFin die Grenzen des digitalen Versicherungsvertriebs: Selbst wenn es wie bei der lokalen Generalagentur von Prudential, der global aufgestellten britischen Versicherung, gewisse Produkte online zu kaufen gibt – die Mehrheit der Kunden verlangt weiterhin nach Beratung durch einen Menschen. Das gilt vor allem für die komplexeren Produkte wie Lebensversicherungen inklusive einer Spar- und/oder Anlagekomponente. Hier müssten digitale Lösungen nicht nur Elemente des traditionellen Vertriebs ersetzen, sondern gleichzeitig müsste auch die Richtung der Informationsvermittlung drehen. Denn die Produkte müssen aktiv vermarktet und vertrieben werden. Nur gelegentlich vergleichen Endkunden die Angebote der grossen Gesellschaften von sich aus.