Die Unsicherheiten der Corona-Pandemie belasten auch den Immobilienmarkt und sind bei den grossen Investoren wie Versicherungen, Immobilienfonds, Pensionskassen oder Anlagestiftungen zu spüren. Im ersten Quartal 2020 hielt sich der Markt noch gut, die effektiven Folgen der Corona-Krise dürften sich erst im zweiten Quartal deutlich zeigen. «In der aktuell schwierigen Situation für die Schweizer Wirtschaft wird es zu Wertberichtigungen in verschiedenen Immobiliensegmenten kommen», sagt Matthias Holzhey, Ökonom und Leiter Swiss Real Estate bei der UBS.

Eigenheimmarkt und Renditeliegenschaften stabil

Erhebungen des Investment Research der UBS halten eine Wertberichtigung von über 10 Prozent bei Verkaufsflächen für wahrscheinlich, sollte sich die Wirtschaft ab Mitte des Jahres wieder erholen. Überhöhte Preise im Büromarkt und bei Luxuswohnungen könnten ebenfalls unter Druck geraten. Bei einem Grossteil des Eigenheimmarkts und der Renditeliegenschaften gehen die UBS-Experten hingegen nicht von grösseren Wertkorrekturen aus. 

Eine Ende März von EY Schweiz durchgeführte Befragung in allen Bereichen der Immobilienwirtschaft bestätigt diese Ansicht. 62 Prozent erwarten zwar für das laufende Jahr ein sinkendes Transaktionsvolumen. Eine nach wie vor hohe Stabilität wird aber Wohn- und Logistikimmobilien beigemessen, während die Lage bei Büro- und Detailhandelsimmobilien kritischer gesehen wird, ganz zu schweigen vom Hotelimmobilienmarkt. «Die Schweizer Immobilienwirtschaft steht angesichts der Covid-19-Krise vor gewaltigen Herausforderungen. Pessimismus ist aber fehl am Platz», fasst Claudio Rudolf, Partner und Leiter Transaction Real Estate bei EY in der Schweiz, die Ergebnisse der Befragung zusammen.

Weiterhin tiefes Zinsniveau erwartet

Unter Berücksichtigung aller Unsicherheiten gelangen auch die aktivsten Investoren zu einer ähnlichen Einschätzung. In einer zwischen dem 20. und 24. April durchgeführten Umfrage des Immobilien-Dienstleisters Jones Lang LaSalle (JLL) gehen über 70 Prozent von einem mittelfristig gleichbleibend tiefen Zinsniveau aus. Da die Zinserwartungen für die Preisfindung bei langfristigen Immobilienanlagen zentral sind, unterstützt das Ergebnis die Stabilität des Immobilienmarktes. 

62 Prozent der von JLL befragten Investoren bleiben im Transaktionsmarkt unverändert aktiv, eine Abkühlung zeichnet sich vorerst also nicht ab. Core-Liegenschaften sind dabei die Marktlieblinge, am attraktivsten schätzen die Investoren Wohnnutzungen und Büroliegenschaften an A-Lagen ein, dahinter folgen Logistikimmobilien. Laut Gregor Strocka, Leiter Transaktionen bei JLL in der Schweiz, sind bei attraktiven Akquisitionsgelegenheiten keine Nachfrage- und Preiseffekte zu beobachten, und auch operativ lassen sich Transaktionen unverändert durchführen.

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Quelle: JLL

Swiss Life hält an Immobilien-Strategie fest 

Bestätigen lassen sich die Marktbeobachtungen durch die unveränderte Immobilienstrategie von Swiss Life, die das grösste private Immobilienportfolio der Schweiz hält und zu den führenden institutionellen Immobilien-Asset-Manager Europas gehört. Als Anlegerin denke Swiss Life sehr langfristig und halte an der strategischen Asset-Allokation fest, welche auf einem soliden und dynamischen Asset- und Liability-Management beruhe, erklärt Mediensprecher Florian Zingg. «Dabei interessiert uns insbesondere der stabile wiederkehrende Cashflow und der sogenannte Spread-over-Riskfree, also die Prämie gegenüber Staatsanleihen. Deshalb wird sich aus heutiger Sicht die Immobilien-Investment-Strategie nicht ändern», so Zingg.