Das ungarische Innenministerium hat mitgeteilt, dass der geplante Erwerb der Aegon-Töchter in Ungarn durch ein ausländisches Unternehmen untersagt werde. Dies teilte Vienna Insurance Group (VIG) kürzlich mit. Laut einem VIG-Unternehmenssprecher sei der Bescheid des Ministeriums «völlig überraschend» gekommen. Vom ungarischen Finanzminister habe man bisher ganz andere Signale bekommen, nämlich: «Alles ist auf Schiene». Der Konzern gehe von einer zeitnahen positiven Klärung aus.

Das ungarische Innenministerium sowie das Finanzministerium reagierten auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht. Die ungarische Regierung unter Viktor Orban will gewisse Sektoren und Industriezweige gerne mehrheitlich in ungarischem Eigentum sehen. Dazu gehörten der Finanzsektor, die Energiewirtschaft, Medien und der Handel.

VIG hatte im November die Übernahme des Osteuropa-Geschäfts der niederländischen Aegon vereinbart. Für 830 Millionen Euro kauft sie 15 Gesellschaften in Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei. Aegon sei am Vortag von den Österreichern über die Blockade informiert worden. Der niederländische Konzern teilte danach mit, man werde weiterhin eng mit VIG zusammenarbeiten, um den Deal abzuschliessen. Wie Reuters im Oktober unter Berufung auf Insider berichtet hatte, wollte Aegon mit dem Verkauf die Folgen der Corona-Krise besser bewältigen. Damals war von erhofften Erlösen von rund 650 Millionen Euro die Rede.

Das Geschäft umfasst Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Asset Management- und Servicegesellschaften mit einem Prämienvolumen von rund 600 Millionen Euro und einem zusätzlichen Kundenstock von insgesamt 4,5 Millionen Kunden. Das ungarische Geschäft macht den Hauptanteil aus. «Ungarn ist uns dabei das Wichtigste, weil wir hier Marktführer werden», sagte der VIG-Sprecher. Zwei Drittel des zugekauften Prämienvolumens entfallen auf die ungarischen Gesellschaften. «Ohne Ungarn müsste man wohl den gesamten Deal hinterfragen.» (reuters/hzi/jal)