Rund 14 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz sind selbstständig. Viele davon investieren nicht nur ihre Zeit und Energie in das eigene Unternehmen, sondern auch einen substanziellen Teil ihrer finanziellen Mittel. Was die Vorsorge betrifft, sind Selbstständige per Gesetz lediglich zur Einzahlung in die AHV, die IV und EO verpflichtet, denn eine berufliche Vorsorge und damit der Anschluss an eine Pensionskasse ist nicht obligatorisch.

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Diese Regelung führt oft zu grossen Vorsorgelücken. Laut Bundesamt für Statistik sind nur 45,1 Prozent der Selbstständigen einer Pensionskasse angeschlossen, bei den Frauen sogar nur 39,8 Prozent. Fast ein Viertel zahlt weder in eine Pensionskasse noch regelmässig in die Säule 3a ein.

Über den Autoren

Tashi Gumbatshang ist Leiter des Kompetenzzentrums Vermögens- und Vorsorgeberatung der Raiffeisen Schweiz.

Das zeigt: Viele sind sich ihrer Eigenverantwortung nicht bewusst und verfügen über keine ausreichende Altersvorsorge. Auch die Absicherung von Angehörigen bei Invalidität oder im Todesfall kommt dadurch oftmals zu kurz. Die AHV erfüllt zwar den verfassungsrechtlichen Auftrag der Existenzsicherung, doch selbst die Maximalrente reicht bei heutigen Lebenshaltungskosten kaum dafür aus. Umso wichtiger ist es, dass Selbstständige ihre Vorsorgesituation aktiv gestalten.

Besondere Vorsorgeherausforderungen

Die Vorsorgeplanung für Selbstständige unterscheidet sich grundlegend von jener für Angestellte. Die Herausforderung liegt oftmals in der engen Verflechtung von Privat- und Geschäftsvermögen. Entscheidungen wie die Höhe des eigenen Lohns oder die Entnahme von Liquidität haben direkte Auswirkungen auf die Vorsorgesituation.

Ein zentraler Aspekt ist die strategische Nutzung der verschiedenen Vorsorgeinstrumente. Neben der ersten Säule bieten auch die zweite Säule sowie die Säulen 3a und 3b Möglichkeiten zur Optimierung. Gerade bei Selbstständigen sind der Anschluss an eine Pensionskasse oder die regelmässige Einzahlung von überschüssiger Liquidität in die dritte Säule ein guter Weg, um die Altersvorsorge gezielt zu optimieren.

Mit PK besser abgesichert

Wer sich als Selbstständiger freiwillig einer Vorsorgeeinrichtung anschliesst, kann über die Jahre gezielt Alterskapital aufbauen und sich selbst und die Angehörigen besser gegen Invalidität und Todesfall absichern. Die Einzahlungen sind steuerlich abzugsfähig und können später in Form von Renten oder Kapitalleistungen bezogen werden.

Selbstständige mit Angestellten müssen sich nicht zwingend der gleichen Pensionskasse anschliessen wie ihre Mitarbeitenden. Ein Vergleich lohnt sich, denn Eintrittsbedingungen, Prämienhöhe, Umwandlungssätze und Verzinsung variieren je nach Stiftung stark.

Attraktiv ist auch die Möglichkeit von nachträglichen Einkäufen in die Pensionskasse. Viele Selbstständige investieren in der Startphase vor allem ins Unternehmen. Später können sie entstandene Vorsorgelücken damit gezielt schliessen. Ab dem Jahr 2026 sind dank einer neuen gesetzlichen Regelung auch nachträgliche Einzahlungen in die Säule 3a möglich. Damit eine Nachzahlung möglich ist, muss jedoch im laufenden Jahr bereits der geltende Maximalbetrag in die Säule 3a einbezahlt worden sein.

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Die maximal mögliche Nachzahlung entspricht dem regulären jährlichen 3a-Maximalbetrag. Im Jahr 2025 sind dies 7258 Franken für Erwerbstätige mit Pensionskasse. Dieser Betrag gilt bei der Nachzahlung auch für Personen ohne Pensionskassenanschluss. Sowohl der Pensionskasseneinkauf als auch die Nachzahlung in die Säule 3a schaffen finanzielle Flexibilität und eröffnen darüber hinaus Potenzial für Steuereinsparungen.

Frühzeitige und ganzheitliche Planung

Die Vorsorge für Selbstständige ist herausfordernd und komplex, aber bei frühzeitiger Planung gut gestaltbar. Ob durch einen freiwilligen Anschluss an eine Pensionskasse, eine Säule-3a-Lösung oder eine Kombination beider Ansätze: Wichtig ist, dass die Vorsorgeplanung zu den individuellen Lebensumständen und zur familiären Situation passt.

Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung, die sowohl das Unternehmen als auch die private Lebenssituation einbezieht. Wer sich rechtzeitig mit den eigenen Vorsorgefragen auseinandersetzt, schafft Klarheit und Sicherheit im Alter.

Dieser Beitrag ist Teil des am 13. November 2025 erschienenen HZ Insurance-Print-Specials «Finanzplanung und Vorsorge».