Zurich, die grösste Versicherungsgesellschaft der Schweiz, legte am Donnerstagmorgen die Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 vor. Der Betriebsgewinn stieg um 16 Prozent auf 5,3 Milliarden US-Dollar. Auch der Reingewinn kletterte um 10 Prozent. Aktionäre können sich über eine um einen Franken und damit auf 20 Franken aufgestockte Dividende freuen. In einer Mitteilung schreibt der Versicherer, dass die Gruppenziele der Periode zwischen 2017 und 2019 übertroffen worden waren.

Gemäss den Analysten von Morgan Stanley waren indes im Schadengeschäft in der zweiten Jahreshälfte die Ziele verfehlt worden. Und die Analysten der Zürcher Kantonalbank führen die leichte Verschlechterung des Combined Ratios auf eine höhere Schadenbelastung in der US-Ernteversicherung zurück. Der operative Gewinn im Nichtlebengeschäft hat hier die Erwartungen leicht verfehlt.
 

Immun gegenüber Corona-Virus

Gemäss Gruppen-CEO Mario Greco sind die Aussichten für das laufende Jahr günstig. Auch das Corona-Virus dürfte keine grösseren Probleme mit sich bringen, wenn es sich lediglich um ein zeitlich kürzeres Ereignis handelt. Typischerweise sind in den Business Interruption-Policen, die Zurich verkauft, solche Risiken ausgeschlossen. Gedeckt werden Schäden infolge physischer Beschädigungen von Gebäuden. Indirekt könnte das Corona-Virus eine gewisse Wirkung haben, wenn sich deswegen das Wirtschaftswachstum abschwächt, wie Greco gegenüber der «HZ Insurance» sagte.

Ebenso scheint das Thema «Social Inflation», also die überproportionale Zunahme der Schadenmeldungen in den USA, an Bedeutung zu verlieren. Gemäss Greco hatte man in den vergangenen Jahren das entsprechende Risiko systematisch verringert. Laut Zurich-Finanzchef George Quinn hatten waren die Preise auf dem wichtigen US-Markt in den vergangenen Jahren ständig gestiegen. Dieser Effekt habe sich als wichtiger und stärker erwiesen als die Zunahme von Schadenfällen. Und Gemäss Quinn dürfte sich dieser positive Trend, also die Kombination von höheren Preisen und eine sich abschwächende Social Inflation, im laufenden Jahr fortsetzen.
 

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Keine strategischen Übernahmen geplant

Greco wies gegenüber «HZ Insurance» auch auf die zahlreichen Fintech-Aktivitäten hin. Dazu zählt er nicht nur den eigenen globalen Wettbewerb, für den in der zweiten Runde mehr als 1‘300 Bewerbungen eingetroffen waren. Auch und gerade intern würden neue Technologien genutzt. So hatte Zurich ein kleines Startup übernommen, mit dem man die internen Datenanalysen verbessert. Solche Zukäufe, so Greco, würden von ausserhalb kaum wahrgenommen werden, weil sie klein sind, sie hätten aber intern eine grosse positive Wirkung.

Grundsätzlich sieht Greco die Digitalisierung als grosse Chance. Am Vortag habe man sich ein grosses, globales «Well-Care»-Projekt vom Verwaltungsrat absegnen lassen. Hier werde Zurich nicht primär als Versicherung, sondern vielmehr als Dienstleister auftreten.

Die jüngst mit der UBS vereinbarte Partnerschaft (wir berichteten darüber) sei «erst der Anfang von etwas Grösserem», sagte Greco weiter, es sei aber noch kein digitales Ökosystem. «Wir glauben, dass diese Zusammenarbeit sehr wichtig für beide ist», sagte Greco auf die Frage nach dem Stellenwert.

Strategische Übernahmen plant man nicht. «Wir möchten unsere Ziele organisch erreichen», so Greco. Einzelne taktische Zukäufe würde man lediglich bei guten Gelegenheiten vornehmen. «Und diese Käufe sind teilweise auch nicht sofort sichtbar», so Greco weiter.

Nachhaltigkeit soll nachhaltig sein

«Den Einfluss des Klimawandels haben wir als Versicherung bereits vor Jahren gespürt», sagte Mario Greco. Als das grösste damit einhergehende Problem für die Menschen bezeichnet Greco Hochwasser und Überflutungen. Eine Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz soll diese Problematik entschärfen. Auch liesse sich einiges über das Underwriting bewirken. Wenn man klimaschädliche Firmen nicht weiter durch den Verkauf von Versicherungspolicen unterstützt, habe dies eine gewisse Steuerungswirkung. Umgekehrt will man bei Zurich den Sektor der erneuerbaren Energien unterstützen. Bis 2022 soll der  Strom, den die Versicherung benötigt, ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen kommen.

Zum Thema Nachhaltigkeit zählt Greco auch die Jobs innerhalb der Versicherung, die durch Künstliche Intelligenz gefährdet werden könnten. Eine eigentliche Job-Garantie könne man zwar nicht geben. In einem internen Manifest habe sich Zurich aber verpflichtet, den eigenen Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, dass sie sich intern weiter entwickeln können, wenn ihre ursprünglichen Jobs durch neue Technologien überflüssig werden.

Das dritte wichtige Thema der Nachhaltigkeit sind für Zurich Daten und Datennutzung. «Wir möchten die Daten nur im Interesse der Kunden nutzen», verspricht Mario Greco. Viele Ideen zu diesem Thema kommen von den jüngeren eigenen Angestellten. «Auch das ist ein gutes Zeichen, wie man sich als gesamte Organisation Richtung Nachhaltigkeit bewegen kann.»

«Den Einfluss des Klimawandels haben wir als Versicherung bereits vor Jahren gespürt.»