Showdown bei Wefox: Ende Juni verabschiedete die Wefox-Spitze an einer ausserordentlichen Generalversammlung in Zürich einen Sanierungsplan. Die beiden Grossinvestoren Chrysalis Investments und Target Global sollen jetzt zusammen 25 Millionen Euro einschiessen, um die Liquidität für die kommenden Wochen zu sichern. Für später erhofft man sich vom Verkauf der E-Bike-Versicherungssparte Assona 50 Millionen Euro frisches zusätzliches Geld.

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Staatsfonds mit Spezialkonditionen

Weitere wichtige Aktionäre hatten andere Pläne vorgeschlagen. So beispielsweise Mubadala, der Staatsfonds von Abu Dhabi. Im Juli 2022 war Mubadala im Rahmen einer 400 Millionen Dollar grossen Serie-D-Runde zusammen mit weiteren illustren Investoren wie LGT, Horizons Ventures und Target Global beim Versicherungsvermittler eingestiegen. «Anders als die meisten Direkt-zu-den-Konsumenten-Insurtechs agiert Wefox als Ökosystem-Enabler», hatte sich damals Ibrahim Ajami, Leiter der Ventures bei Mubadala, zitieren lassen. «Dabei geht es um die Bestärkung der unterschiedlichen Distributionskanäle und nicht um eine Konkurrenz zu diesen.»

Neue Pläne und Bewertungen

Heute sieht man die Lage anders. Mubadala wollte zusammen mit dem erst seit März amtierenden Firmenlenker Mark Hartigan einige der wichtigsten nicht technologiebezogenen Assets von Wefox, also Teile des solide laufenden Brokergeschäfts, an die britische Versicherungsgruppe Ardonagh verkaufen. Dahinter steht die Abu Dhabi Investment Authority, ein weiterer Staatsfonds aus dem Emirat. Die Analyse ergab eine Bewertung von 350 Millionen Euro zuzüglich 200 Millionen, wenn gewisse operative Fortschritte erzielt werden. Mubadala würde dabei von einer besonderen Klausel in den Verträgen zur letzten Aufstockungsrunde profitieren.

Liquiditätsvorzugsbehandlung und Diskussionen

Die «zweimalige Liquiditätsvorzugsbehandlung» sieht vor, dass Mubadala den selber eingesetzten Betrag bei einem Verkauf von Firmenteilen doppelt so hoch ausbezahlt bekommt, bevor weitere Aktionäre noch etwas abbekommen. Mit dieser Klausel waren allerdings Diskussionen mit Chrysalis Investments, Target Global und weiteren frühen Wefox-Aktionären vorprogrammiert – sie wären erst entschädigt worden, nachdem die Bevorzugten ausbezahlt worden wären.

Offene Fragen zur Finanzierung

Ob die 25 Millionen jetzt ausreichen, um die Löcher im operativen Geschäft zu decken, ist offen. 2023 hatte man einen Verlust von 100 Millionen verzeichnet und in diesem Jahr sollen es laut einem Bericht von Bloomberg 70 Millionen sein. Das Versicherungsgeschäft, das in der Wefox Insurance AG zusammengefasst ist, wird nicht länger Teil des Kerngeschäfts sein. Gemäss den Geschäftszahlen für das Jahr 2023, die HZ Insurance vorliegen, würden die 25 Millionen für ein, zwei Monate operativen Betrieb reichen. Bereits jetzt wird deshalb gespart: Laut einem Bericht des «Manager Magazins» wurden bereits 75 von 175 Mitarbeitenden in zentralen Funktionen in den vergangenen Wochen entlassen.

Marktpositionen und strategische Ausrichtung

Die laut eigenen Angaben «führenden» Marktpositionen in den Niederlanden, in Österreich und in der Schweiz sollen «ausgebaut» werden. In der Schweiz ist Wefox vorwiegend in der Kurzzeit-Absenzenversicherung tätig – einem Bereich, der bei etablierten Versicherungsgesellschaften als etwas anrüchig gilt und deshalb nicht abgedeckt wird.

Herausforderungen für weitere Aktionäre

Offen ist, wie damit die 1,5 Milliarden der weiteren Aktionäre wieder hereingeholt werden sollen, die von den Aktionären eingeschossen worden waren. Hätte sich Hartigan mit seinem ursprünglichen Verwertungsplan durchgesetzt, wären die Altaktionäre inklusive Gründer und vormaligem CEO Julian Teicke leer ausgegangen. Jetzt drohen Klagen von Mubadala und weiteren spät hinzugekommenen Miteignern, die auf die Vorzugsklauseln in ihren Verträgen beharren.

Teickes frühere Verkäufe und Auswirkungen auf Aktionäre

Teicke selber hatte laut Medienberichten bereits im Rahmen von früheren Kapitalrunden Kasse gemacht und einen Teil seiner Aktien verkauft – ein Vorgehen, wie es bei solchen Unternehmen durchaus üblich ist, weil die Erstaktionäre sehr grosse Klumpenrisiken ansammeln.

Aktuelle Situation und Konkurrenzvorteile

Für die weiteren Aktionäre sieht es dagegen düster aus. Auf Forge Global, einem Marktplatz für nicht kotierte Aktien, gibt es derzeit keine Kaufpreise mehr – die letzten potenziellen Interessenten halten sich zurück. Von Wefox gibt es abgesehen von einer dürren Mitteilung keine Nachrichten. «Wir kommentieren keine Gerüchte und Spekulationen», lässt ein Sprecher verlauten.

Chancen für die Konkurrenz

Und für die Wefox-Konkurrenz ergeben sich neue Chancen. «Ein Teil unserer besten Leute war zu Wefox abgewandert», sagte ein Manager eines Konkurrenten. «Seit einigen Wochen melden sich viele wieder – die möchten alle wieder zurückkommen.»

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