Grundlage der Analyse bilden die jüngsten Zahlen des Finma-Versicherer-Reports, welcher wiederum auf den Geschäftsberichten 2018 basiert. Der Zweig Krankheit im Bereich der Krankenversicherung nach VVG verzeichnete zwischen 2015 und 2018 gebuchte Bruttoprämien in Höhe von 41,65 Milliarden Franken (38 Prozent des Gesamtmarkts) und ist somit der mit Abstand bedeutendste Sektor des direkten Schweizer Geschäfts. Gemäss Angaben der Finma waren 2018 insgesamt 49 Versicherer registriert, von welchen sich zwei im Run-off befinden. 

Der Zweig Krankheit teilt sich in insgesamt sechs Segmente auf, die wir anhand ihrer ähnlichen Risikoprofile wie folgt aggregiert haben[1]

  1. Krankentaggeld (Erwerbsausfall Einzel und Kollektiv; KTG)
  2. Ambulante Heilbehandlungen
  3. Stationäre Heilbehandlungen

Florian Schreiber ist Dozent und Projektleiter Insurance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ. Dort fungiert er auch als Co-Studienleiter des neuen IFZ-Weiterbildungslehrgangs CAS Future of Insurance, der im März 2021 erstmalig durchgeführt wird. florian.schreiber@hslu.ch

Höhere Bruttoschadenquoten im Segment Krankentaggeld unterstreichen den Wettbewerbsdruck

Abbildung 1 zeigt die Bruttoschadenquoten der elf grössten Versicherer des Zweigs Krankheit in den drei obigen Segmenten für die Berichtsperiode 2018. Die Grafik verdeutlicht, dass die Bruttoschadenquoten im Segment stationäre Heilbehandlungen die grösste Homogenität aufweisen und mehrheitlich zwischen 60 Prozent und 70 Prozent liegen. Demgegenüber stehen die Segmente Krankentaggeld (KTG) und ambulante Heilbehandlungen, welche durch eine grössere Heterogenität gekennzeichnet sind. Wie im Markt schon seit mehreren Jahren zu beobachten ist, liegen die Bruttoschadenquoten insbesondere im Segment KTG auf einem höheren Niveau (∅ 2018: 82,9 Prozent) und unterstreichen den dort herrschenden Wettbewerbsdruck.

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Bruttoschadenquoten der elf grössten Versicherer des Zweigs Krankheit

Abbildung 1

Quelle: ZVG

Profitabilität im Segment Krankentaggeld vermutlich durch zwei Faktoren bestimmt

Die Höhe der Bruttoschadenquote im Segment KTG wird massgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: Durch die Struktur des Portfolios und durch den Grad der aktiven Betreuung des Portfolios. So sind insbesondere diejenigen Anbieter profitabel, deren Portfolio eine grössere Anzahl kleinerer Risiken aufweist und die gleichzeitig höhere Investitionen in ein aktives Case Management tätigen. Im Optimalfall ist Letzteres auf die betroffene Person individuell angepasst und führt dank einer koordinierten Vorgehensweise zwischen den einzelnen Parteien (persönliches Umfeld, Ärzte, verschiedene Sozialversicherungsgefässe, Arbeitgeber etc.) zu einem schnelleren Heilungs- und Wiedereingliederungsprozess sowie schlussendlich zu geringeren Kosten für den Versicherer.

Gegenwärtige Form des Segments Krankentaggeld finanziell nicht langfristig tragbar

Die Profitabilität der zehn grössten Versicherer (gemessen an den verdienten Bruttoprämien 2018) im Segment KTG über die letzten vier Berichtsperioden ist in Abbildung 2 dargestellt. Aus der aggregierten Betrachtung der Jahre 2015 bis 2018 (linke Spalte) werden zwei Kernresultate ersichtlich: Alle Bruttoschadenquoten liegen zwischen 75 Prozent und 95 Prozent und es sind keine signifikanten Unterschiede zwischen grossen und kleinen Gesellschaften festzustellen. Die Einzelbetrachtung der Jahre 2015 bis 2018 bestätigt das erste Kernresultat. Hinsichtlich der Grösse ist festzuhalten, dass sich der grösste Anbieter im Markt, die Swica Krankenversicherung, durchgängig im Mittelfeld befindet. Die höchste Profitabilität, verbunden mit einem Prämienzuwachs um 26,9 Prozent im Vergleich zu 2017, ist für die Mutuel Assurances zu verzeichnen (Bruttoschadenquote 2018: 75,6 Prozent). Viele der betrachteten Gesellschaften haben dieses Segment während der letzten Jahre saniert bzw. befinden sich noch immer im Sanierungsprozess, da die gegenwärtige Form des Geschäfts langfristig finanziell nicht tragbar ist. Diese Entwicklung lässt sich in Abbildung 1 zum einen an der relativ hohen Volatilität einzelner Gesellschaften wie beispielsweise der Visana Versicherungen ablesen. Zum anderen ist seit 2016 eine sinkende durchschnittliche Bruttoschadenquote zu beobachten (∅2018: 84,3 Prozent).

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Profitabilität der zehn grössten Versicherer

Abbildung 2

Quelle: ZVG

[1] Aufgrund der geringen Marktanteile wird auf eine tiefergehende Analyse der beiden Segmente Pflege und Übrige Produkte verzichtet.

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Partner IFZ Versicherungsstudie 2020
Quelle: ZVG