Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet es, die dritte studiert Kunstgeschichte, die vierte verschleudert es. Dieses Otto von Bismarck zugeschriebene Zitat bringt es auf den Punkt: Wohlstand über Generationen hinweg zu sichern, ist nicht selbstverständlich. Umso mehr gewinnt Family-Banking, die professionelle Begleitung von Unternehmerfamilien und Privatpersonen in allen Vermögensfragen, an Bedeutung.

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Vermögen wird häufig mit Aktien, Obligationen oder Liquidität gleichgesetzt. Wohlhabende Familien besitzen jedoch häufig – auch über Landesgrenzen hinweg – Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und andere Sachwerte. Eine tragfähige Nachlass- und Steuerplanung bezieht auch die jeweilige Familiensituation – zum Beispiel bei internationalen Patchworkfamilien – mit ein, da die Wahl des Wohnsitzes erheblichen Einfluss auf Nachfolge, Vermögensstruktur und Steuerlast hat. Wer seinen Wohlstand über Generationen sichern will, muss auch an die eigene Vorsorge denken. Altersvorsorge und Lebensversicherungen sind dabei wichtige Instrumente – sei es zur Steuerersparnis oder um bestimmte Personen gezielt zu begünstigen.

Über die Autoren

Thomas Bamert, Head Wealth & Pension Planning, Rothschild & Co., Zürich.

Andreas Feller, Head Private Banking, Rothschild & Co., Zürich.

Neue Gesetze, neue Herausforderungen

Die Erbschaftsinitiative, über die am 30. November abgestimmt und die vom Stimmvolk deutlich abgelehnt wurde, führte zu Unsicherheit bei Firmeninhabern. Die Initiative sah vor, auf Bundesebene eine Steuer von 50 Prozent auf Nachlässe und Schenkungen über 50 Millionen zu erheben. Hinterlässt eine Person in der Schweiz 120 Millionen Franken, wären auf dem übersteigenden Betrag von 70 Millionen 35 Millionen Franken Bundessteuer fällig geworden. Zusätzliche kantonale Steuern wären möglich gewesen. Um die Abgaben zu begleichen, hätten Erben Firmenteile verkaufen oder Kredite aufnehmen müssen. Die Kontinuität des Unternehmens wäre gefährdet gewesen. Kein Wunder, dass sich viele Unternehmer nach Alternativen im Ausland umsahen, um ihr Unternehmen zu sichern.

Die Situation ist für Unternehmerfamilien grundsätzlich herausfordernd. Ihr Vermögen steckt oft zum grössten Teil im Unternehmen – eine Aufteilung ist nicht einfach. Auch der Tod eines Familienmitglieds, Erbstreitigkeiten, Eheschliessungen oder Scheidungen gefährden häufig die Fortführung des Unternehmens oder die Verteilung von Vermögenswerten. Folgende Fragen stehen dabei im Raum: Wer soll das Unternehmen dereinst führen? Wie werden nicht aktive Familienmitglieder abgefunden? Neben klaren Governance-Regeln, die Entscheidungsprozesse und Zuständigkeiten definieren, ist eine Liquiditätsplanung notwendig, um Spannungen zu reduzieren und faire Lösungen zu erreichen.

Ganzheitliche Betrachtung durch Family Office

Ein Beispiel macht die Problematik deutlich: Eine Unternehmerfamilie mit drei Kindern will das Unternehmen in Familienhand halten. Zwei Kinder gelten als fähig, Verantwortung zu übernehmen, doch dem dritten trauen die Eltern keine solide Vermögensverwaltung zu. Die Lösung: Sein Anteil wird nur unter Auflagen oder zu einem späteren Zeitpunkt übertragen. Nachfolgeplanung ist nicht nur juristisch und finanziell, sondern auch emotional. Viele Familien haben zwar eine Nachfolgeregelung, doch nicht alle Erben kennen die Details. Transparenz und offene Kommunikation sind deshalb ebenso wichtig wie notarielle Verträge.

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Family-Banking bedeutet, Familie und Vermögen ganzheitlich zu betrachten – über Generationen und Grenzen hinweg. Dies setzt mehr als klassisches Anlage-Know-how voraus. Gefragt sind interdisziplinäre Kompetenzen in Steuerrecht, Unternehmensberatung, Familien-Governance sowie Philanthropie. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, familiäre Gespräche sensibel zu moderieren. Im Zentrum steht das Vertrauen: Familien müssen heikle Themen wie Tod, Erbe oder Rollenverteilung offen besprechen können. Ein erfahrener Berater wirkt dabei als neutraler Mediator, der Konflikte entschärft und tragfähige Lösungen ermöglicht.

Es gibt kein Patentrezept, denn familiäre und finanzielle Ausgangslagen sind einzigartig. Eine tragfähige Nachlassplanung muss deshalb immer die individuelle Situation einbeziehen. Je früher Familien bereit sind, schwierige Fragen offen anzusprechen und professionelle Unterstützung zu nutzen, desto grösser sind die Chancen, dass ihr Vermögen bis in die dritte oder gar vierte Generation Bestand hat. Wer diesen Weg geht, kann Bismarcks Zitat widerlegen.

Dieser Beitrag ist Teil des am 13. November 2025 erschienenen HZ Insurance-Print-Specials «Finanzplanung und Vorsorge».