Markus Braun, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der skandalumwitterten Wirecard, der seit fast einem Jahr im Gefängnis sitzt, hat den Versicherungsriesen Chubb Limited verklagt, damit dieser für seine Anwaltskosten aufkommt.

Chubb ist ein international tätiger Zürcher Versicherungskonzern mit in den Bereichen Direkt- und Rückversicherungen. Die Firma ist am New York Stock Exchange kotiert und Teil des S&P 500.

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Wirecard hatte D&O-Versicherung abgeschlossen

Braun, gegen den im Zusammenhang mit dem Niedergang von Wirecard ermittelt wird, hatte im Januar vor einem Frankfurter Gericht ein erstes Urteil erwirkt, wonach die Chubb die Kosten im Rahmen der so genannten D&O-Versicherung übernehmen muss, berichtet die Wirtschaftsagentur «Bloomberg» unter Berufung auf Personen, die nicht genannt werden wollten, weil sie nicht befugt sind, über die Angelegenheit zu sprechen. Die Spezialversicherung hatte offenbar Brauns inzwischen aufgelöster Arbeitgeber für seine Top-Manager abgeschlossen.

Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt und der Ausgang des Verfahrens sei weiter offen, so die Personen.

Eine Sprecherin des Frankfurter Landgerichts bestätigte das Urteil, lehnte es aber ab, den Namen der Versicherungsgesellschaft zu nennen. In den vergangenen Wochen habe Braun zwei weitere Prozesse gegen das Unternehmen in dieser Angelegenheit gewonnen, sagte sie.

Chubb lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Sprecher von Braun sagte, er könne sich nicht zu laufenden Rechtsstreitigkeiten äussern.

Einige der teuersten Anwälte Deutschlands engagiert

Wirecard brach im Juni letzten Jahres zusammen, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hatte, dass 1,9 Milliarden Euro an Bargeld, die auf seinen Konten aufgeführt waren, wahrscheinlich nie existierten. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Braun und andere ehemalige Führungskräfte wegen Bilanzfälschung. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende wird auch von Wirecard-Investoren verklagt.

Braun hat einige der teuersten Anwälte Deutschlands engagiert, sowohl auf strafrechtlicher als auch auf zivilrechtlicher Seite. Laut dem deutschen Rechtsmagazin Juve hat er fünf Kanzleien beauftragt. Ausserdem bittet er Chubb, die Kosten für einen Public-Relations-Experten zu übernehmen, den er als Teil seiner Verteidigungsstrategie engagiert hat.

(bloomberg/hzi/gku)